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Jim Jarmusch testet unsere Limits of Control

Isaach de Bankolé in The Limits of Control
© Tobis-Melodiefilm GmbH
Isaach de Bankolé in The Limits of Control

Ein wenig unzugänglich waren die Werke des New Yorker Regisseurs Jim Jarmusch schon immer. Lange Einstellungen und ein gemächlicher Erzählfluss machen den Zugang zu den Filmen des vielleicht letzten wahren Independent-Regisseurs nicht unbedingt leichter. Mit seinem zehnten Film, The Limits of Control, erreicht die unzugängliche Komponente in Jarmuschs Werk nun ihren vorläufigen Höhepunkt. War Dead Man mit seinen urinierenden Pferden und antiklimaktischen Revolverduellen ein echter Anti-Western, ist The Limits of Control nun eine Art Anti-Thriller, der ohne spannende Verfolgungsjagden oder reißerische Mordszenen auskommt. Ein Thriller, der nicht mit Attraktionen jeglicher Art aufwartet und dem Zuschauer eine intellektuelle Versuchsanordnung auftischt, die keinerlei Hilfestellungen hinsichtlich der Erklärung von Charaktermotivationen oder der Handlung gibt. So verkopft wie in The Limits of Control war Jarmusch vielleicht noch nie und sein filmisches Spiel mit den Erwartungen der Zuschauer ist sicherlich nicht etwas für jeden Geschmack. Doch Fans von Jarmusch und ruhigen Filmen, die ganz viel Spielraum für allerlei Interpretationen und Lesarten zulassen, werden an The Limits of Control ganz sicher ihre Freude haben.

Das bisschen Geschichte, was Jim Jarmusch in The Limits of Control zu erzählen hat, ist schnell zusammengefasst. Ein stiller, namenloser Mann (Isaach de Bankolé) landet am Flughafen in Madrid und beginnt eine Reise durch Spanien, auf der er immer wieder Streichholzschachteln mit anderen Personen austauscht. Jede von ihnen enthält Zettelchen mit Buchstaben und Zahlen, die er sofort nach dem Lesen verschluckt. Er spricht kaum mit seinen Partnern, sitzt zwischen den Treffen alleine in Cafés und verbringt seine einsamen Nächte schlaflos. Doch er scheint ein bestimmtes Ziel in der spanischen Einöde zu verfolgen, das nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist.

Georg Seeßlen fand viele lobende Worte für Jarmuschs Film:

The Limits of Control ist weniger eine Geschichte als eine cineastische Installation: Bilder – Gemälde, Metaphern, Zitate und Einstellungen – erschaffen Bilder. Jede Einstellung könnte man sich auch als Kunstdruck ins Wohnzimmer hängen. Jede Dialogzeile könnte Eingang in einen Lyrik-Band finden. Jeder Schauspieler-Auftritt ist eine autarke Performance. Und all das in Bewegung gebracht mit der großartigen Musik von Boris und Sunn O in diesem wundervollen Flow, wie es eben nur Jarmusch versteht. Andererseits: besonders aufregend ist das alles aber auch wieder nicht. Trotz der Gefahren, trotz nackter Damen in Hotelzimmern, trotz einer beklemmenden Mordszene. Aber um das Aufgeregt-Sein oder Aufgeregt-Werden ging es ja ohnehin nie in Jim Jarmuschs Filmen. Erreicht werden vielmehr cineastische Zustände zwischen Komik, Poesie und Versenkung, zwischen Dada und Buddha, die einem das Herz aufgehen lassen, wenn man in der richtigen Stimmung dazu ist.

  • Was? The Limits of Control
  • Wann? 22:00 Uhr
  • Wo? arte
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