Von Sissi zu Fassbinder

Karlheinz Böhm im Alter von 86 Jahren verstorben

30.05.2014 - 12:05 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Karlheinz Böhm in Peeping Tom
Arthaus
Karlheinz Böhm in Peeping Tom
Der breiten deutschsprachigen Öffentlichkeit dürfte Karlheinz Böhm durch die Sissi-Filme in Erinnerung bleiben. Seine besten Leistungen zeigte der engagierte Schauspieler allerdings unter der Regie von Michael Powell und Rainer Werner Fassbinder. Nun ist Karlheinz Böhm mit 86 Jahren verstorben.

Als Kaiser Franz Joseph in den Sissi-Filmen spielte sich Karlheinz Böhm ins Gedächtnis der deutschsprachigen Zuschauer, mit seiner Organisation Menschen für Menschen engagierte er sich seit den frühen 80er Jahren für die Ärmsten in Äthiopien. Wie DiePresse.com meldet, ist der österreichische Schauspieler Karlheinz Böhm nun nach einer Alzheimer-Erkrankung mit 86 Jahren gestorben.

1928 kam Karlheinz Böhm in Darmstadt als Sohn der Sopranistin Thea Linhard und des Dirigenten Karl Böhm zur Welt. Nach einem abgebrochenen Studium wechselte Karlheinz Böhm ins Schauspielfach, wo er an der Seite von Romy Schneider in Sissi und zwei weiteren Filmen über das österreichische Kaiserpaar seinen Durchbruch feierte. Ins Stocken geriet Böhms Karriere jedoch durch einen seiner besten Filme: Als Serienmörder in Augen der Angst – Peeping Tom von Michael Powell (Die roten Schuhe) spielte Böhm beeindruckend gegen sein Image als Schwiegermutterliebling an. Doch der Psychothriller, in dem Böhms Figur die letzten lebenden Minuten ihrer Opfer mit einer Kamera einfängt, löste eine Kontroverse aus, die der Karriere von Michael Powell in Großbritannien ein Ende setzte. Für Böhm gestaltete es sich schwieriger, Rollen zu ergattern und so blühte er erst wieder unter der Regie von Rainer Werner Fassbinder auf, für den er in Martha, Faustrecht der Freiheit, Fontane Effi Briest und Mutter Küsters Fahrt zum Himmel vor der Kamera stand. Seine Darstellung als sadomasochistisch veranlagter Ehemann in Martha zählt zweifelsfrei zu den künstlerischen Höhepunkten in Böhms Filmografie.

Ende der 70er Jahre widmete sich Karlheinz Böhm dann einer anderen Berufung. Bestürzt über die Armut in Afrika, gründete er die Hilfsorganisation Menschen für Menschen, die verschiedene Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekte in Äthiopien leitet. Für seinen Einsatz wurde Karlheinz Böhm im Laufe seines Lebens mit dem Bundesverdienstkreuz, der Berlinale Kamera und einem Ehrenpreis der UNESCO ausgezeichnet. Nun ist Böhm im Alter von 86 Jahren in Grödig aus dem Leben geschieden.


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