Mortal Engines: Warum alle glauben, dass Peter Jackson Regie führt

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© Universal / Warner
Mortal Engines / Peter Jackson
09.06.2018 - 08:50 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Mortal Engines hat seinen ersten langen Trailer herausgebracht, aber warum glauben eigentlich alle (fälschlicherweise), dass Peter Jackson bei dem Film Regie führt?

Die Jugendbuchverfilmung Mortal Engines: Krieg der Städte hat kürzlich ihren ersten langen Trailer veröffentlicht. Das Sci-Fi-Steampunk-Abenteuer über bewegliche Raubstädte, die durch eine postapokalyptische Landschaft rollen, um andere Städte zu fressen, startet am 13.12.2018 in den deutschen Kinos. Doch woran liegt es, dass die meisten Menschen, mit denen ich mich bisher über den Film unterhalten habe, glauben, dass Peter Jackson bei Mortal Engines Regie führt?

Wer führt bei Mortal Engines tatsächlich Regie?

Meistens wird über Mortal Engines als dem "neuen Film von Peter Jackson" gesprochen. Und vollkommen falsch ist das nicht, denn der bekannte Regisseur der Herr der Ringe- und Hobbit-Trilogie hat tatsächlich mit seinen Langzeitkollaborateuren, Partnerin Fran Walsh und Kollegin Philippa Boyens, das Drehbuch nach der Buchvorlage von Philip Reeve verfasst. Außerdem steht er als Produzent hinter dem Projekt. Doch die Regie führt nun einmal - was keiner zu wissen scheint - ein anderer: Christian Rivers, Peter Jacksons langjähriger Spezialeffekt-Verantwortlicher, Storyboard-Mitarbeiter und Splitter-Drehgruppen-Leiter, den Jackson kennt, seit er 17 ist und mit dem er seit Braindead (1992) regelmäßig zusammengearbeitet hat. Für die visuellen Effekte bei King Kong gewann Christian Rivers 2006 einen Oscar. Doch seinen Namen und sein Gesicht kennen wohl trotzdem bislang nur Mittelerde-Fans, die das viele Stunden umfassende Bonusmaterial der sechs Filme rauf und runter gesehen haben.

Hobbit-Dreharbeiten-Helfer: Christian Rivers mit Ian "Gandalf" McKellen

Warum glauben alle, dass Mortal Engines Peter Jacksons Film ist?

Als großer Liebhaber der Mortal-Engines-Bücher, deren erster von vier Bänden 2001 erschienen war, war es ursprünglich tatsächlich Peter Jackson gewesen, der eine Verfilmung des Projekts im Jahr 2008 angestoßen hatte, weiß Screenrant . Doch der erste Versuch, der ihn noch als Regisseur vorsah, scheiterte. Nicht zuletzt deshalb, weil das Bauen und Filmen städtegroßer fahrender (Miniatur-)Sets sehr kostenaufwändig gewesen wäre. Dieser Umstand ist jetzt, 10 Jahre später, durch bessere CGI-Effekte leichter zu umgehen. Das Projekt wurde also vorerst auf Eis gelegt. Peter Jackson ließ sich als Regisseur auf den Dreh der Hobbit-Trilogie ein, die ihn bis 2016 beschäftige und gab Mortal Engines derweil an seinen langjährigen Wegbegleiter Christian Rivers ab. Er unterstützte den Regiedebütanten anschließend beim Dreh, wo er nur konnte, und übernahm unter anderem einige Male ersatzweise den Dreh einiger Szenen als Second Unit Director (via Screenrant ). Dabei betonte er jedoch, dass er zu keiner Zeit insgeheim die Produktion lenkte.

Peter Jacksons berühmter Name war also von Anfang an eng mit Mortal Engines verknüpft, auch wenn er zugunsten von Christian Rivers im Laufe der Vorproduktion vom Chefposten zurücktrat. Doch es gibt noch einen weiteren Grund, warum so viele Menschen glauben, dass Peter Jackson der richtungsgebende Regisseur ist: Das Marketing von Mortal Engines will, dass wir das glauben.

Mortal Engines: Trailer-Zwischentitel

Wie die Werbung uns bezüglich Mortal Engines täuscht

Die Werbemaschinerie eines Films versucht für das eigene Werk, die größtmögliche Aufmerksamkeit zu erzeugen. Schon der im Dezember veröffentlichte erste Teaser Trailer zu Mortal Engines fuhr hier eine ähnliche Schiene wie der neue Trailer. Die ersten Worten, die wir zu sehen bekamen waren "Peter Jackson präsentiert". Somit wurde sofort eine klare Zuordnung zwischen dem in Neuseeland gedrehten neuen "Epos" und dem bekanntesten neuseeländischen Regisseur hergestellt. Im neuen längeren Trailer (und auch auf dem ersten Poster) wurde daraus das plakative "von den Machern von Der Herr der Ringe und Der Hobbit", was ebenfalls jeder halbwegs Filmbewanderte mit Peter Jackson assoziieren dürfte und was zufälligerweise auch den damals noch stark hinter den Kulissen arbeitenden Christian Rivers mit einschließt. Dennoch müssen wir schon wahre Adleraugen beweisen, um im schnellen Abspann die Worte "von Regisseur Christian Rivers" auszumachen.

Mortal Engines: Krieg der Städte - Teaser Trailer (Deutsch) HD
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Als Masche ist es natürlich nichts Neues, dass der Name eines noch eher unbekannten Regisseurs in Vorfeld von der Werbung untergraben wird. Schon der Trailer zum ersten Jurassic World-Film ließ in seinen Zwischentiteln Steven Spielbergs Name fallen, wobei die kleiner darüber geschriebenen Worte "vom ausführenden Produzenten" leicht zu übersehen waren. District 9 wurde ebenfalls in seiner Werbekampagne von Produzent Peter Jackson mit seinem Namen unterstützt. Für die nötige Aufmerksamkeit mag es natürlich nett sein, dass Peter Jackson das Werk seines Freundes dadurch stärkt, dass er ihm seinen berühmten Namen leiht. Dass Filmemacher, die noch keinen eigenen Film vorzuweisen haben, nicht das beste Aushängeschild für einen kommenden Blockbuster sind, mag nachvollziehbar sein, auch wenn es ungerecht wirkt, einen Newcomer derart unter dem Werbe-Teppich zu kehren. Falls Mortal Engines ein Erfolg wird, kann Christian Rivers sich aber hoffentlich zumindest damit trösten, dass sein Name nachträglich in aller Munde sein wird.

Werdet ihr euch Christian Rivers Namen nun merken und einwerfen, wenn andere von Mortal Engines als "neuem Peter Jackson-Film" reden?

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