Bayerische Comedy

Normal is des ned - und witzig aa ned

© Bayerisches Fernsehen

Willkommen im Bayerischen Rundfunk, willkommen zu einer kleinen Zeitreise. Der BR zeigte uns gestern, was vor fünfzig Jahren mal (angeblich) lustig war – und allem Anschein nach immer noch nicht totzukriegen ist. So hatten wir 45 Minuten einen humoristischen Zombie der widerlichsten Art auf dem Bildschirm: Er sah gut aus, war einwandfrei produziert und konnte mit guten Schauspielern aufwarten. Trotzdem stank er zum Himmel.

Bei allem guten Willen, Normal is des ned ließ sich nicht einmal als leiser Humor, als dezente Satire bezeichnen. So tot konnte nicht einmal das Publikum der Dritten sein! Comedy lebt vom Unerwarteten, von der Überraschung, die den Zuschauer am Ende überrumpelt. Ich würde es Pointe nennen, aber ich bin mir sicher, dass die Macher dieses Wort noch nie gehört haben. Was komisch gemeint war, sah der Zuschauer schon von Weitem die Isar runterschippern.

Das Bayerische Fernsehen kündigt die vier Folgen der Sendung dann auch vorsichtigerweise nicht als Comedy an – denn das könnte der Zuschauer ja von einer Sendung mit den bayerischen Kabarettisten Monika Gruber und Günter Grünwald erwarten. Aber selbst als Sozialkritik oder Drama-Episoden taugte Normal is des ned nicht. Zu ziellos, zu behäbig, zu uninteressant – das können andere Sender weitaus besser. Nur einmal, ich war schon fast erschrocken, was da im eigenen Gesicht vor sich ging, kam es dann doch zum leichten Schmunzeln. Ein Pensionär erzählt von seinem früheren Beruf und dass er jetzt die Ruhe beim Rosenschneiden genießt – in fremden Gärten…

Besonders tragisch zeigte sich das Scheitern dieser Sendung im letzten Sketch. In einem Anflug von Medienkritik wurde ironischerweise deutlich, was diesem Machwerk fehlte. Die absurden Vorschläge von den auf (angeblich) unsympathisch getrimmten Produzenten machten aus dem müden Drehbuchvorschlag des bayerischen Autoren mit einer Portion Anarchismus und Absurdität so etwas wie einen bayerischen Monty Python-Sketch. So etwas hätte Normal is des ned auch gut getan. Die Kritik des Sketches an möchtegern-hippen Produzenten verpufft vollkommen. Ach, hätten die Autoren dieses 45-Minuten-Gähnens doch auch unsympathisch-hochdeutsche Produzenten gehabt, die für so einen Schmarrn keine Sendezeit verschwenden wollten…

Es stimmt: Normal ist es nicht, dass dem Zuschauer so etwas vorgesetzt wird. Gott sei Dank lief das Ding nur im Dritten Programm. Da darf es auch gerne bleiben. Alle Betroffenen sollten mal einen Blick in unsere Fernsehprogramm werfen, bevor sie auf Sendungen wie Normal is des ned hängenbleiben. Gibt es tatsächlich Mutige, die sich auch die Folgen 2 bis 4 antun werden?

Die 2. Folge der Reihe sendet das Bayerische Fernsehen am 29. Dezember 2009 um 22:00 Uhr, die 3. Folge am 30. Dezember 2009 um 22:00 Uhr und die hoffentlich letzte Folge am 31. Dezember 2009 um 22:05 Uhr

moviepilot Team
Kängufant Andreas Gerold
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Lovely, in a fluffy, moist kind of way.
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