Polit-Monster bei Amazon Prime: Schaut Vice wegen der Musik, nicht wegen Christian Bale

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Vice - Der zweite Mann
26.10.2020 - 11:25 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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Das Dick Cheney-Biopic Vice ist auf Amazon Prime eingetroffen. Christian Bale verwandelt sich darin in ein ekliges Politiker-Monster. Der wahre Star des Films ist aber die Musik.

Update: Nachdem Vice - Der zweite Mann bei Amazon zuerst nur mit verschiedenen Leih- und Kaufoptionen als Stream zur Verfügung stand, ist der Film inzwischen beim Prime-Angebot angekommen.

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In der bitterbösen Satire Vice - Der zweite Mann schlüpft Christian Bale in die Rolle des US-amerikanischen Politikers Dick Cheney. Es ist kein schmeichelhaftes Porträt des 46. Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika: Regisseur Adam McKay zeigt uns ein ekliges Politiker-Monster, das die Menschen um sich herum manipuliert und seine Macht missbraucht.

Vice auf Amazon: Die Musik ist wichtiger als Christian Bale

Seit heute ist der Film bei Amazon als Stream verfügbar. Vor zwei Jahren sorgte er vor allem aufgrund von Christian Bales grotesker Dick Cheney-Transformation für Aufsehen. Viel wichtiger ist aber eine andere Komponente des Films, nämlich die von Nicholas Britell komponierte Filmmusik. Sie zieht uns in dieses Biopic hinein - und das auf extrem clevere Weise.

Wie das der Musik gelingt? Das schauen wir uns hier an.

Ohne den Soundtrack wäre Vice - Der zweite Mann verloren. Das wird in den ersten Minuten des Films ersichtlich, wenn Adam McKay seinen Protagonisten vorstellt, obwohl er ihn eigentlich nur als Ekelpaket ausstellen will. Sein Dick Cheney ist eine Attraktion, eine Karikatur, ein verzerrtes Spiegelbild von der realen Persönlichkeit und dem Amerika, in dem sich diese bewegt.

Adam McKay ist dermaßen darauf bedacht, Fassungslosigkeit bei uns Zuschauern zu provozieren, dass es unmöglich ist, sich dem Menschen hinter der Fassade aus Make-up und Method Acting anzunähern und Einblick in seinen Kopf zu erhalten. Deutlich geschickter arbeitet Nicholas Britell bei der musikalischen Untermalung des Films, die sich nicht auf zynische Untertöne versteift.

Nicholas Britells Soundtrack ist der Schlüssel zu Vice

Britell geht es darum, zu verstehen, wie dieser Mann aus dem Nirgendwo zu einem der mächtigsten Drahtzieher der US-amerikanischen Politik werden konnte. Dafür skizziert er zuerst ein musikalisches Leitmotiv, The Lineman, das Dick Chaneys politische Vision zum Ausdruck bringt. Unbegrenzte Möglichkeiten kommen zum Vorschein, als würden wir mit ihm in den Nebel des Morgengrauens blicken.

Nach und nach festigen sich diese Klänge und legen den Grundstein für Chaneys Karriere.

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Wir hören einen Prolog, der im Ungewissen beginnt, ehe kräftige Blasinstrumente den Nebel im Morgengrauen verscheuchen und den Weg ins Weiße Haus ebnen. Gleichzeitig beginnt Nicholas Britell den Protagonisten zu hinterfragen, denn sein Blech strahlt nicht nur vor Zuversicht, sondern transportiert zusätzlich etwas Unheimliches, etwas Unzuverlässiges, das im Verborgenen brodelt - ein warnendes Signal.

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Hier kündet die Musik von den vielen Intrigen, die Dick Cheney im Verlauf des Films in Gang setzen wird, um seinen Einfluss in die Politik zu stärken. Schauen wir uns nur Christian Bale in seiner Maske an, fällt es schwer, die bedrohliche Persönlichkeit Dick Cheney zu greifen. Gesellt sich aber Nicholas Britells Musik dazu, wird verständlich, welchem Ungeheuer wir in die Augen blicken.

Der Vice-Soundtrack entführt in den Irrgarten der Macht

Noch zittern wir aber nicht, denn im Vice-Soundtrack verstecken sich zahlreiche Ablenkungen, die uns Dick Cheneys Erfolgswelle nachvollziehen lassen. Wie konnte dieser von Makeln gezeichnete Mann an die Spitze Amerikas gelangen? Fetziger Jazz und verspielter Funk geben uns die Antwort.

Obwohl wir ungläubig den Kopf schütteln müssten, illustriert die Musik die unverschämte Leichtigkeit, mit der Dick Cheney über Leichen geht und sich lügend seinen Weg durch die Wirren der amerikanische Politik bahnt. Wenn Cheney Washington überrollt, ist das fast so cool wie eine elektrifizierende Montage in den Mafiafilmen von Martin Scorsese.

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Alles wirkt einfach, glatt und elegant. Während Adam McKay mit seiner Inszenierung weiterhin Fassungslosigkeit heraufbeschwört, lockt uns die Musik tiefer hinein in den Irrgarten der Macht, sodass es erschreckend leicht fällt, mit diesem fürchterlichen Dick Cheney mitzufiebern. Aber keine Angst: Zu Komplizen macht uns Nicholas Britell nicht.

Die Musik beherbergt einige entlarvende Kniffe. Aus aufbrausenden, einnehmenden Stücken werden kalte, kalkulierte Klänge, die uns uns das eklige Monster in aller Deutlichkeit vor Augen führen. Dazu tragen auch die übersteigerten Motive bei, die das vermeintliche Happy End in der Mitte des Films so kitschig wie möglich untermalen.

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Plötzlich trieft die Filmmusik vor Pathos und Verlogenheit. Nichts von dem, was dieser Dick Cheney behauptet, ist wahr. Nicholas Britell greift musikalische Figuren auf, die wir aus heroischen, patriotischen Filmen kennen und integriert sie in überspitzter Form in Vice - Der zweite Man. Es braucht gar keine Aufnahme, die die US-amerikanische Flagge zeigt, wie sie in Zeitlupe weht - dieses Bild vermittelt die Musik.

Durch die Musik wird Vice berührend und herausfordernd

Es ist aber nicht nur diese Seite, die uns Britell zeigt. Genauso oft findet seine Musik neben den satirischen Aspekten des Films eine berührende Ebene, die Tragik und Melancholie entfesselt. Als Zuschauer werden wir dadurch definitiv mehr mitgenommen, und herausgefordert als durch die klare Linie, die Adam McKay als Regisseur und Drehbuchautor in den Film bringt.

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Der Vice-Soundtrack hinterlässt ein ambivalentes Gefühl. Genau das ist aber der Grund, warum er so spannend und aufregend ist. Er lädt uns ein, selbst die ein oder andere Intrige in die Wege zu leiten und in einer rauschhaften Bewegung durch den Amerikanischen Traum zu gleiten.

Alles scheint möglich, doch dann brodeln da wieder die düsteren Klänge im Verborgenen, die eine unangenehme Geschichte erzählen. Dieser Mann ist kein Held, sondern ein Monster.

Vice - Der zweite Mann befindet sich aktuell als Stream im Angebot von Amazon.

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Wie habt ihr die Musik in Vice - Der zwite Mann wahrgenommen?

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