ProSieben-Chef will deutsches Streaming-Portal als Gegengewicht zu Netflix

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Mit Babylon Berlin sorgte im vergangenen Jahr eine deutsche Serie weit über die Landesgrenzen hinweg für Aufsehen, doch derartige Erfolge sind seit jeher die Ausnahme. Seit einigen Jahren haben die Sender hierzulande überdies mit internationalen Playern wie Netflix, Amazon und Co. zu kämpfen, die mit ihren Streaming-Diensten den Markt für sich einnehmen und das klassische Fernsehen mehr und mehr verdrängen. Dem ist sich natürlich auch der ProSiebenSat.1-Interimschef Conrad Albert bewusst. In einem Interview mit dem Handelsblatt warb er nun für eine deutsche Streaming-Plattform als Alternative zu den VoD-Giganten aus Übersee, sprach aber auch über jene Mechanismen, die ein solches Projekt bislang unmöglich machen (via DWDL).

Die Sender sollen zusammenarbeiten

Nach eigenem Angaben kann sich Albert eine engere Zusammenarbeit zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern sehr gut vorstellen und schlägt damit in dieselbe Kerbe wie der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm, der zuletzt eben dies anregte. "Gerade auf Inhaltsebene" sollten die Anstalten laut Albert mehr zusammenarbeiten, um Netflix und Co. die Stirn zu bieten.

Jedoch warnte Albert vor den strengen deutschen Wettbewerbsregeln, die eine intensivere Kooperation zwischen den Sendern bis hierhin maßgeblich erschweren. Dies zeigte sich beispielsweise 2012, als mit Amazonas ein Streaming-Dienst von RTL und ProSiebenSat.1 auf den Weg gebracht werden sollte, der allerdings von dem Bundeskartellamt einen Riegel vorgeschoben bekam. Tatsächlich hält Albert eine Revolution des deutschen Mediensystems für unabdingbar:

Wir brauchen ein stärkeres Verständnis für die realen Marktbedingungen und eine Anpassung des Medienkonzentrations- und Kartellrechts, um Gegengewichte im Markt zu ermöglichen. [...] Ich fordere eine Struktur-Taskforce, die alle Beteiligten unseres Mediensystems an einen Tisch bringt und ergebnisverpflichtet eine neue Medienordnung für Deutschland definiert.

Zugleich kritisiert Albert die "Internet-Imperialisten" wie Google, Facebook und Amazon, deren Geschäftsmodell auf Reichweitenmaximierung um jeden Preis ausgerichtet sei. Würde es diesen Konzernen morgen einfallen, die deutsche Medienindustrie zusammenzukaufen, dann sei das dort nicht mehr als ein "Zucken hinter dem Komma".

Der Netflix-Chef wundert sich über den deutschen Markt

Auch Netflix-Pro­gramm­chef Ted Sarandos hat eine Meinung über die Produktionsbedingungen in Deutschland und zeigte sich gegenüber der FAZ erstaunt - im negativen Sinne. Dabei führt er aus, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen pro Jahr zwar massive Summen zur Verfügung habe, jedoch "kaum eine deutsche Fernsehshow in der Welt" bekannt sei. Etwaige Kritik an Netflix wies Sarandos von sich, schließlich sei niemand gezwungen, die Inhalte des Streaming-Riesen zu konsumieren. Formate wie Dark, Stranger Things, Tote Mädchen lügen nicht oder Ozark sind allerdings gerade nicht im ZDF zu sehen. Diesen Hinweis konnte sich Sarandos nicht verkneifen.

Dark ging vergangenes Jahr als erste deutsche Netflix-Serie an den Start, weitere Netflix-Produktionen aus Deutschland sind aktuell in Form von Dogs of Berlin und Die Welle in der Mache.

Würdet ihr euch über eine deutsche Alternative zu Netflix, Amazon Prime Video und Co. freuen?

moviepilot Team
Jenny von T Jennifer Ullrich
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