Regie-Legende Nicolas Roeg im Alter von 90 Jahren gestorben

Nicolas Roeg am Set von Two Deaths
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Am vergangenen Freitag ist einer der ikonischsten Regisseure des britischen Kinos von uns gegangen: Wie unter anderem der Hollywood Reporter berichtet, ist Nicolas Roeg im Alter von 90 Jahren gestorben. Dies gab sein Sohn Nicolas Roeg Jr. bekannt. Details zu den Umständen des Todes wurden nicht genannt.

Die wichtigsten Filme von Nicolas Roeg

Nicolas Roegs Filme waren vor allem für unkonventionelle Erzählstrukturen, einen einzigartigen audiovisuellen Stil voller kontrastreicher Farbgebung und nicht zuletzt für die provokativen, oftmals im Skandal mündenden Inhalte bekannt. Sein Regiedebüt gab er zusammen mit Donald Cammell mit Performance. Die fragmentierte, assoziativ geschnittene, mit Rock 'n' Roll durchtränkte Gangster- und Drogengeschichte wurde von Warner Bros. aufgrund ihrer Unzugänglichkeit zwei Jahre unter Verschluss gehalten und immer wieder neu geschnitten, bevor sie 1970 in die Kinos kam und mit überschaubarem Erfolg und gemischten Kritiken abgestraft wurde. Erst Jahre später avancierte Performance, mit einem wunderbaren Mick Jagger in der Hauptrolle, zu einem Kult-Klassiker und gilt heute als einer der stilprägendsten Filme der 70er Jahre.

Performance läutete eine Reihe von Nicolas Roegs Klassikern ein

Performance war der erste Film in einer phänomenalen Fünferreihe. 1971 erschien Nicolas Roegs Solo-Debüt Walkabout, in der ein junges Geschwisterpaar sich nach dem Selbstmord ihres Vaters durch die australische Wildnis schlägt. Der im Vergleich zu Performance deutlich zugänglichere Film brachte Roeg einen Schritt näher zu seinem großen Durchbruch, der 1973 mit Wenn die Gondeln Trauer tragen kam. Hier erzählt Roeg in mystischen Bildern die Unfähigkeit eines Ehepaars, das Trauma ihres verstorbenen Kindes zu überwinden. Wenn die Gondeln Trauer tragen ist eine Tragödie im Horrorfilm-Gewand, eine endlos faszinierende Bilderflut, in der Verlustängste und blanke Panik die Protagonisten (Donald Sutherland und Julie Christie) bis an ihr Äußerstes treiben.

Auf dem Erfolg von Wenn die Gondeln Trauer tragen aufbauend, castete Roeg niemand Geringeren als David Bowie für seinen vierten Spielfilm Der Mann, der vom Himmel fiel, in dem Bowie als Alien auf die Erde kracht und daraufhin zum Geschäftsmann wird, der nicht genug von Alkohol, Sex und Fernsehen bekommt. Die kontroversesten Wellen schlug dann jedoch sein fünfter Film, Black Out - Anatomie einer Leidenschaft. Der Chef des damals gigantischen Unterhaltungs-Konglomerats Rank Organisation resümierte, Black Out sei "ein kranker Film, gemacht von kranken Leuten, für kranke Leute." Tatsächlich empfanden viele Zuschauer und Zuschauerinnen die Liebesgeschichte um eine junge Frau, die frisch von einem Selbstmordversuch kommt, und ihrem Psychoanalytiker als grenzüberschreitend.

Black Out leitete einen langsamen kommerziellen Niedergang des Nonkonformisten Nicolas Roeg ein, der sich nie den Gepflogenheiten der Filmindustrie beugen wollte. Spätestens nach der Roald Dahl-Verfilmung Hexen hexen verschwand er dann weitestgehend von der Kinobühne und inszenierte vereinzelt Filme, die meistens direkt im Fernsehen oder auf DVD landeten und auch von der Kritik kaum beachtet wurden. Für sein wegweisendes Quintett von Performance bis Black Out wird das Kino ihm aber auf ewig dankbar sein.

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