Cannes 2014

Schwarzhumoriger Wild Tales bespaßt Cannes-Kritiker

18.05.2014 - 14:34 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Wild Tales
© Sony Pictures Classics
Wild Tales
Irgendwo zwischen Quentin Tarantino und Pedro Almodóvar ist Wild Tales vom Argentinier Damián Szifrón anzusiedeln, zumindest wenn wir den ersten Kritiken zum Film aus Cannes glauben.

Einige alte Meister finden sich im Wettbewerb des Festivals in Cannes, doch mit Damián Szifróns Wild Tales – Jeder dreht mal durch hat es ein relativer Neuling auf die Bühne des Weltkinos geschafft. Der Argentinier arbeitete zuvor im Fernsehen an der erfolgreichen Serie Los Simuladores, und war mit seinen im eigenen Land erfolgreichen Spielfilmen auf kleineren, internationalen Festivals vertreten. Für seinen Episodenfilm Wild Tales gewann Damián Szifron schließlich Pedro Almodóvar als Produzent. Die Kritiker bei den Filmfestspielen in Cannes scheinen sich über den unterhaltsamen Film als Verschnaufpause regelrecht gefreut zu haben. Der Tenor: Hier kündigt sich ein neues Talent des argentinischen Kinos an.

Worum geht es in Wild Tales?
Der argentinische Ensemble- und Episodenfilm Wild Tales (OT: Relatos salvajes) von Damián Szifron folgt Figuren, die auf dem schmalen Grat zwischen Zivilisation und Barbarei wandeln. Die sechs Geschichten, die in Buenos Aires und Umgebung spielen, handeln von Liebesbetrug, der Last der Vergangenheit, Tragödien, alltäglicher Gewalt und menschlichen Abgründen sowie von einer nicht zu leugnenden Lust, die Kontrolle zu verlieren. Zu den Darstellern gehören einige der bekanntesten Namen des argentinischen Kinos, darunter Ricardo Darín (In ihren Augen), Dario Grandinetti (Sprich mit ihr – Hable con ella) und Erica Rivas (Tetro).

Mehr: Wettbewerb für Cannes Filmfestival 2014 steht fest

Mike D’Angelo wundert sich bei The Dissolve, wie Wild Tales in den Wettbewerb von Cannes geraten ist, was er nicht nur negativ meint: “Wild Tales besteht aus sechs unverbundenen Kurzfilmen; keiner ist zu lang; jeder hat ein eingängiges Konzept, einige amüsante Komplikationen und eine finale Pointe. Theoretisch drehen sie alle sich um Rache, aber die thematische Kontinuität ist minimal, sie funktionieren als alleinstehende Filme. […] Was Wild Tales im Wettbewerb von Cannes macht, darf jeder selbst erraten, da der Film viel zu leicht und frivol ist, um für einen Preis in Betracht gezogen zu werden. […] In jedem Fall bildet er eine gute Einführung für einen bis vor Kurzem kaum bekannten Filmemacher.”

4 von 5 Sternen vergibt Peter Bradshaw im Guardian: “Kaum unterdrückte Wut schmort in all diesen Kurzfilmen. […] Szifron wurde von Pedro Almodóvar beeinflusst (der den Film ko-produziert), vielleicht auch von der dionysischen Wildheit eines Emir Kusturica und sogar den Spannungen von Spielbergs Duell und Tarantinos Pulp Fiction. […] Wie ein Scheidungsanwalt zu Ricardo Daríns Figur einmal sagt: ‘Ich sehe überall Gewalt.’ In diesem Film ist Gewalt tatsächlich allerorten.”

“Während der Film einer eigenen Logik folgt, dank der jede Pointe mit einem befriedigenden Entzücken landet, geht er nichtsdestotrotz aus einer echten Wut gegenüber einer kaputten Welt hervor”, schreibt Eric Kohn bei IndieWire über Wild Tales. “Es ist eine dieser raren Erzählungen, der es gelingt, gleichzeitig lachhaft absurd und zutiefst tragisch zu sein.”

Nicht jede Episode konnte David Rooney im Hollywood Reporter überzeugen, dafür lobt er den an einen Italowestern erinnernden Score von Wild Tales sowie das Cast und die stilvolle Inszenierung.

Mehr internationale Kritiken zu Wild Tales gibt es bei fandor.

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