Tatort aus Stuttgart

Solider Thriller mit den gewohnten Zutaten

© ARD

Sonderlich spannend kam der gestrige Tatort: Das Mädchen Galina nicht daher, auch roch das altbekannte Muster des Politikers, der sich eine reine Weste bewahren will, insgeheim aber perversen Sexualpraktiken mit Prostituierten nachgeht, nach bereits zehnmal Durchgekochtem. Was den vierten Fall des neuen Stuttgarter Teams dennoch sehenswert machte, kann auf die durchaus solide Inszenierung von Regisseur Thomas Freundner zurückgeführt werden, der das ungleiche Team Bootz (Felix Klare) und Lannert (Richy Müller) als sympathische, kernige und teilweise auch zerbrechliche Ermittler zeigte.

Foto-Show: Tatort “Das Mädchen Galina”

Die eher unspannende Handlung wurde vor allem dadurch angepfeffert, dass der Täter diesmal tatsächlich nicht wirklich so leicht zu erahnen war. Allerdings gerieten die Figuren allzu sehr zu Stereotypen des deutschen Krimis: Da gab es die blutjunge, schöne Edelprostituierte, ihre zwielichtige Mitbewohnerin, den treudoofen Bruder, den fiesen Zuhälter und den gefährlichen Politiker Högele. Einzig aus dem Rahmen fiel die pubertierende Politikertochter Laura Högele, wobei sich das eingeschränkte mimische Talent von Anna Bullard-Werner störend bemerkbar machte. Ihr Ringen um Verständnis für einen Vater, der ins Bordell geht und eine Mutter, die dies toleriert, sollte anscheinend das Unschuldige, Moralische verkörpern. Doch der aufgedrückte Sowas-macht-man-aber-nicht-Ansatz, mit dem hier die “falsche bürgerliche Moral” aufgespießt werden soll, kam derart süffisant daher, dass er letztlich nicht mehr ernstzunehmen war.

Den Mord begangen hatte am Ende die Mitbewohnerin der Toten, welche wiederum ein Verhältnis mit Högele hatte und dieses durch die Ankunft von Galina gefährdet sah. Dies tat aber dann auch nichts mehr zur Sache, denn als Botschaft am Ende des Films wurde wieder ordentlich auf die faulen Politiker des Landes eingehämmert: Högele hin oder her, er ist auch nur einer von vielen Nichtstuern, die unser Land auf widerliche Weise in die Korruption treiben. Etwas plump, aber nun ja. Dies mag man einem Tatort auch nicht wirklich verübeln, in welchem die heimeligen Schwaben als Gutmenschen dargestellt wurden, welche mittags in der Cafeteria gemeinsam witzeln, sich um den angeschossenen Kollegen sorgen und sich nicht von den Drohungen eines Politikers einschüchtern lassen, der über dem Gesetz stehen will.

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