Werkschau

Stanley Kubrick, der akribische Perfektionist

Kubrick
©
Kubrick

Die Werke des am 26. Juli 1928 in New York geborenen Stanley Kubrick sind immer unbequem, schwer zugänglich, kalt und mit einer unheimlichen Präzision geplant und gedreht. Sein Leidenschaft zum Schachspiel übertrug er in die Planung, Umsetzung und Gestaltung seiner radikal aufgebauten Filme. Sie gelten bis heute als ambivalente und rätselhafte Meisterwerke, gar audiovisuelle Gesamtkunstwerke, denn ihm war schon immer bewusst, das Filme kein verbales, sondern eher audiovisuelles Erlebnis sind, in denen Sprache und Dialoge oft eine untergeordnete Rolle spielen. Seine Filme richteten sich nie nach den Konventionen des klassischen Erzählkinos, sondern der Zuschauer wird Teil der Handlung, muss selber die einzelnen Blöcke zusammensetzen und daraus seine Schlüsse ziehen.

Jede Szene, jedes Wort, jeder Blick und jedes Bild fühlt sich an wie am Reißbrett konstruiert. Nichts Zufälliges, nichts Abschweifendes, nichts Improvisiertes, ja, kein einziger Augenblick der Verschwendung ist in den Filmen von Stanley Kubrick zu finden. Dabei versuchte er sich mit Ausnahme des Westerns in allen großen Genres und griff dabei mit seinen Filmen nicht nur in die Geschichte des Genres ein, sondern überschritt immer wieder deren Grenzen, in dem er es sezierte, neu zusammensetzte und dabei alle Konventionen über Bord warf. Stanley Kubrick erzählte in seinen Filmen keine Geschichten, seine Filme sind vielmehr wie ein (Alb)traum, ein Gesamtkunstwerk, das inhaltlich wie visuell mit dem Zuschauer interagiert und ihn immer wieder herausfordert.

Aufgrund der Veröffentlichung des 2012er Doku Room 237 von Rodney Ascher über Stanley Kubricks Film Shining, werfen wir in einer Werkschau einen Blick auf das Œvre von Stanley Kubrick und schauen, welche Filme ihr von diesem Meisterregisseur eigentlich am liebsten habt.

6. Platz: Barry Lyndon (1975)
Community: 7,0
Kritiker: 8,0
2706 Bewertungen
140 Liebhaber und 81 Hasser

Barry Lyndon hat nur ein Ziel vor Augen: Im 18. Jahrhundert von einem armen, irischen Jungen zum Adel aufzusteigen, egal um welchen Preis. Er stellt dich Duellen, flirtet mit den Frauen, übt sich als Falschspieler und wird sogar Soldat im siebenjährigen Krieg, wodurch er die Leiter immer weiter nach oben klettert, an deren Ende er sich Reichtum und Erfolg verspricht. Mit der Verfilmung von William Makepeace Thackerays Roman Die Memoiren des Junkers Barry Lyndon sei Stanley Kubrick in seiner Reihe von Meisterwerken nach Meinung einiger Kritikern, rückblickend betrachtet, das erste Mal gestolpert. Nichtsdestotrotz rekonstruierte kein anderer Film eine Epoche so akribisch wie Stanley Kubrick in Barry Lyndon.

5. Platz: Wege zum Ruhm (1957)
Community: 7,3
Kritiker: 8,0
1845 Bewertungen
83 Liebhaber und 74 Hasser

Als der ehrgeizige französische General Mireau während des ersten Weltkriegs den Befehl gibt, eine deutsche Festung zu stürmen, die Soldaten sich doch aufgrund des aussichtslosen Unterfangens verweigern, werden drei von Ihnen wegen Befehlsverweigerung vor ein Kriegsgericht gestellt. Doch ihr Verteidiger Colonal Dax sieht vielmehr die Generäle als Schuldige und will sie zur Rechenschaft ziehen. Mit Wege zum Ruhm, der auf dem gleichnamigen Roman von Humphrey Cobb basiert, konnte sich Stanley Kubrick international viel Anerkennung verschaffen, denn er verurteilt in seinem Film die Hemmungslosigkeit militärischer Führer, die von ihrem Büro aus tausende Soldaten in den Tod schicken.

4. Platz: Shining (1980)
Community: 7.3
Kritiker: 8,1
34945 Bewertungen
2413 Liebhaber und 567 Hasser

In der Adaption des Klassikers Shining von Stephen King zieht der Schriftsteller Jack Torrace, Jack Nicholson in seiner Paraderolle, mit seiner Familie in ein einsames Hotel, nicht nur, um sich dort während der Winterzeit als Hausmeister um das Hotel zu kümmern, sondern auch, um die Abgeschiedenheit zu nutzen und sein neues Buch fertig zu stellen. Doch dort angekommen, passieren seltsame Dinge und Jack beginnt langsam, seinen Verstand zu verlieren. Shining war Stanley Kubricks drittletzter Film vor seinem Tod, von dem sich Autor Stephen King nicht sehr begeisterte zeigte. Zwar hatte Stephen King ein Drehbuch für die Verfilmung geschrieben, doch Stanley Kubrick verwarf dieses komplett und schrieb seine eigene Version, wobei dabei einige Parts des Buches wegließ. Das missfiel Stephen King so sehr, das er Jahre später eine eigene Verfilmung auf die Beine stellte.

Nächste Seite
Community Autor
folgen
du folgst
entfolgen
Deine Meinung zum Artikel Stanley Kubrick, der akribische Perfektionist