Star Trek ist zurück - und das neue Schiff heißt Orville

The Humans... the Hillbillies of the Galaxy...
© Fox / moviepilot
The Humans... the Hillbillies of the Galaxy...
Moviepilot Team
Kängufant Andreas Gerold
folgen
du folgst
entfolgen
Lovely, in a fluffy, moist kind of way.

Der Weltraum, unendliche Weiten... und viel zu viele Jahre, in den Trekker darben und auf eine neue Star Trek-Serie warten mussten. Die Gerüchte über Serien zur Starfleet Academy oder Worf und das klingonische Imperium kamen und gingen... Nüscht. Und dann kommen auf einmal zwei Serien gleichzeitig daher! Okay, die eine heißt nicht Star Trek und ist ein wenig wie ein lustigeres Spiegeluniversum, ohne Bärte oder nymphomanische Counterparts - aber sie fühlt sich trotzdem erstaunlich bekannt an und repräsentiert für viele das, was sie von einer neuen Star Trek-Serie erwartet hatten. Macht das The Orville schon zur besseren Star Trek-Serie? Noch nicht ganz, sagt Yowan - aber sie ist auf einem guten Weg dahin...

Der Kommentar der Woche von Yowan zu The Orville


Liebe Star Trek-Fangemeinde,

wir leben in seltsamen Zeiten. Die Amis wählen einen Milliardär zum Präsidenten, um gegen das Establishment vorzugehen, es gibt Leute, die tausende Euros für eine nicht gedeckte, imaginäre Währung namens Bitcoin ausgeben und Seth MacFarlane macht eine Star Trek-Serie.

Ihr hört ganz recht! Scheinen erstere beiden Umstände noch durch die allgemeine Unzulänglichkeit des Menschen erklärbar, so entzieht sich letzterer jeglicher Rationalität. "Warte mal!?", höre ich euch vor euren Rechnern denken, "MacFarlane. War das nicht dieser Typ, der Family Guy gemacht hat? Dieser Typ, der dafür bekannt ist, den miserabelsten und infantilsten Humor der ganzen Galaxis zu haben?!" Ganz recht! Denn, so stellt sich heraus, es schlägt in der Brust, dieses Erschaffers von niveaulosem Schund für Durchschnittspublikum noch ein zweites Herz. Und dieses schlägt für Star Trek.

https://www.youtube.com/watch?v=nMan7Ocuhuc

Hier sehen wir die positiven Seiten des Ruhms. Kaum arbeitet man zwanzig Jahre für einen Fernsehsender (in diesem Fall Fox) und spendiert ihm zwei seiner erfolgreichsten Serien (Family Guy und American Dad), schon bekommt man ein wenig kreative Freiheit. Und was macht man damit? Genau. Star Trek. "Nur wieso", fragt ihr nun euren Rechner, "heißt das hier dann 'The Orville'?" Einfache Antwort: Fox hat die Rechte nicht.

Man sollte sich von dem Marketing bezüglich dieser Serie, welches hauptsächlich mit MacFarlanes Reputation für seichten Humor kokettiert, nicht in die Irre führen lassen. Ja, The Orville hat humoristische Elemente (später mehr), das Herz dieser Serie schlägt aber eigentlich für Star Trek: The Next Generation. Und das nicht auf eine persiflierende Art und Weise, sondern als Hommage. Als Vorbild. Als großer, etwas ernsthafterer Bruder. So sind sämtliche Elemente klassischen Star Treks enthalten: Technologisch sind wir, abgesehen vom Beamen, exakt auf demselben Level, es gibt sowohl Replikator, als auch Holo-Deck, und der Warp- heißt hier Quantum-Drive.

Die Crew ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen, inklusive eines, die Menschheit studierenden Androidens und eines gefühllosen Aliens (eine Mischung aus Spock und Worf). Es gibt ein paar neue, interessante Zugänge in Form eines amorphen Blobs mit Mund und eines überstarken weiblichen Ein-Meter-Sechzig Security Officers. Schauspielerisch ist vor allem Halston Sage, welche Letztere spielt, leider nicht immer ganz auf der Höhe. Allgemein sind keine Glanzleistungen auf diesem Gebiet zu erwarten, aber das war in Star Trek ja kaum je der Fall (mit Ausnahme eines gewissen britischen Franzosen). Leider krankt die Zusammensetzung auch etwas an einem Überhang typisch US-amerikanischer Figuren, den stereotypen, europäischen Gentleman gibt es ebensowenig wie irgendwelche anderen menschlichen Kulturen.

In seinen besten Momenten kommt The Orville auch tatsächlich an sein großes Idol heran. Wenn Konflikte nicht in heißer Luft verpuffen, sondern konsequent zu Ende gedacht werden, wenn Gegner entdämonisiert und klassische Sci-Fi-Elemente neu gedeutet werden, dann durchweht nicht nur der nostalgische Wind einer Serie aus den Neunzigern The Orville, sondern dann ist diese Serie für sich selbst, ganz aufrichtig exzellente Science-Fiction. Eine Utopie im besten Sinne eines durchweg positiven, optimistischen, auch optisch lichtdurchfluteten Zukunftsentwurfs, der so momentan kaum noch auf Kino-Leinwänden oder Fernsehgeräten zu finden ist. Klassisches Star Trek eben, im Gegensatz zum Original, welches einen dezidiert düsteren, neuen Weg einschlägt. Allerdings steht sich diese erste Staffel bei der Erfüllung dieser Vision oftmals noch selbst im Weg mit, und jetzt kommt es leider doch, einer kruden Form von Humor.

Zunächst die gute Nachricht: Humor und Star Trek funktioniert wunderbar. Das wird immer dann deutlich, wenn The Orville klassische Sci-Fi Stereotypen reflektiert und in den Alltag übersetzt. Wenn, um nur ein Beispiel aus der ersten Folge zu nennen, bei der Übertragung ins Raumschiff des Feindes, der Kapitän sich erst zentral im Bild positionieren muss, bevor er Todesdrohungen ausstoßen kann. Immer wieder, speziell in den ersten Folgen, greift The Orville jedoch auch auf eine unpassende Form von Komik zurück, die gänzlich fehl am Platz scheint, und mehr als einmal die Immersion in die Handlung gefährlich ins Wanken bringt. Es gibt immer wieder Momente, in denen Crewmitglieder absolut inadäquate Dinge tun, die offensichtlich nur darauf ausgelegt sind, witzig zu sein. Das reicht von dummen Kommentaren, die niemand in dieser Situation so tätigen würde, bis hin zu hanebüchen blödsinnigen Aktionen wie dem Antanzen einer Statue.

Andererseits, so könnte man diese Beobachtung auch deuten, erwächst dadurch eine große Stärke dieser Serie. Denn nicht nur weiß man vor einer Episode nicht, ob das Kommende Komödie, Drama, Thriller, Horror oder jedes nur erdenkliche andere Genre ist, selbst innerhalb von Episoden kann die Stimmung von einer Sekunde auf die andere schwanken zwischen infantilem Humor und ernsthaftem Drama. Was als Komödie beginnt kann als Drama enden und umgekehrt. Dieses Nicht-festlegen-Wollen macht jede Folge zu einer Wundertüte und diese Serie bei allem Hommage-Charakter doch frisch und interessant.

Letztlich bleibt abzuwarten, ob diese Serie in der zweiten Staffel ihren Rhythmus findet, es schafft, die Crew, das Herz einer jeden Star Trek Serie, noch ein wenig interessanter zu gestalten, und das erzählerische Niveau der einzelnen Episoden beizubehalten. Die Chance dazu wird sie, soviel ist jetzt schon klar, von Fox bekommen. Damit aus einer Star Trek-Serie mit enormem Potential eine wirklich großartige werden kann.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit - und lebt lang und in Frieden.

Den Originalkommentar haben wir übrigens von hier rübergebeamt.

Moviepilot Team
Kängufant Andreas Gerold
folgen
du folgst
entfolgen
Lovely, in a fluffy, moist kind of way.
Deine Meinung zum Artikel Star Trek ist zurück - und das neue Schiff heißt Orville
Ba785590e41b473283e9ea18244f1f1a