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Still Walking begeht eine leise & rührende Totenfeier

17.04.2014 - 15:01 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Hirokazu Koreedas Still Walking
© Kool Filmdistribution
Hirokazu Koreedas Still Walking
Heute Abend läuft um 23:15 Uhr auf WDR der Film Still Walking des japanischen Regisseurs Hirokazu Koreeda. In dem ruhigen, wortkargen Familienfilm voller poetischer Bilder und kleiner Gesten werden wir Zeuge einer sehr speziellen Totenfeier.

Seit 15 Jahren feiert die Familie Yokoyama jedes Jahr den Todestag des verlorenen Sohnes Junpei. Jener starb bei dem erfolgreichen Versuch, einen kleinen Jungen vor dem Ertrinken zu retten. Von den Großeltern bis zu den Enkeln versammelt sich die ganze Familie im Haus der Großmutter und besucht das Grab des Verstorbenen. Vor der anmutigen, idyllischen Kulisse und unter der beherrschten Oberfläche der Familienmitglieder brodelt es jedoch gewaltig. Der Familienvater hat nie verwunden, dass sein Erstgebohrener so früh das Zeitliche segnete, und hätte lieber seinen anderen Sohn Ryota (Hiroshi Abe) tot gesehen. Der greisen Großmutter geht es ähnlich und doch ganz anders. Sie lädt den damals von Junpei geretteten Mann zu der Totenfeier ein, um ihn seine vermeintliche Schuld spüren zu lassen.

In Still Walking entfaltet sich das, worum es wirklich geht, nicht in den Dialogen oder bildgewaltigen Action-Sequenzen. Es sind die kleinen Gesten, die unausgesprochenen Zwischentöne sowie Vorwürfe und nicht vollzogenen Handlungen, die deutlich machen, was wirklich Sache ist. Bezeichnenderweise ist der Protagonist des Films überhaupt nicht zu sehen und trotzdem dreht sich alles um Junpei. Seine An- beziehungsweise Abwesenheit beeinflusst die gesamte Familie und beschäftigt sie – verständlicherweise – noch nach 15 Jahren. Der Generationenkonflikt in Still Walking geht über den üblichen Familientreffen-Diskurs weit hinaus und berührt ganze Lebensentwürfe und Träume, deren (Nicht-)Erfüllung wiederum die anderen Generationen tangiert. Währenddessen rascheln die sonnendurchfluteten Blätter sanft im Wind und die Frauen bereiten sorgfältig das Essen vor. Der WDR zeigt Still Walking heute Abend um 23:15 Uhr.

Regisseur Hirokazu Koreeda zählt zu den großen Talenten Japans und wird als der neue Yasujiro Ozu gehandelt. Er setzt unbeirrt die Tradition des klassischen japanischen Kinos fort. Wie auch der ‘japanischste aller japanischen Regisseure’ verhandelt Hirokazu Koreeda in seinen Filmen immer Themen wie Tod, Zukunftsängste oder die Frage, was im Leben wirklich zählt. Dabei gelingt ihm ein ruhiger und sehr subtiler Film, der es gerade dadurch perfekt schafft, den Zuschauer tief zu berühren. Wer Japan, sanfte Töne, schöne Bilder und/oder unausgesprochene Konflikte mag, möge sich heute Still Walking ansehen.

Was? Still Walking
Wo? WDR
Wann 23:15 Uhr

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