Tatort Kritik

Tatort - Borowski und der brennende Mann

12.05.2013 - 21:45 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Borowski und die Asphalt-Expertin Einigsen
© NDR/ARD
Borowski und die Asphalt-Expertin Einigsen
Borowskis Chef und gelegentlicher Mitbewohner Schladitz wird zur Zielscheibe eines brutalen Killers, der ein vierzig Jahre altes Verbrechen rächen will im spannenden neuen Tatort aus Kiel.

Ein bisschen erinnert der mörderische Plot im neuen Tatort aus Kiel an Henning Mankell, der in seinen Krimis gern vergessen geglaubte Sünden in Form brutaler Verbrechen wieder aufleben lässt. Ganz so trostlos und düster wie ein Wallander-Krimi fällt Tatort: Borowski und der brennende Mann natürlich nicht aus, immerhin bleibt der nordisch herbe Borowski (Axel Milberg) des Zuschauers Fels in der Brandung. Regisseur Lars Kraume, der sonst für die Frankfurter Tatorte verantwortlich zeichnet, und Drehbuchautor Daniel Nocke (Sie haben Knut, Tatort: Das Dorf) entfalten einen besonders in den letzten Minuten hochspannenden Fall rund um die dänische Minderheit in Schleswig und den blinden Hass auf alles Fremde, der selbst von Kindern Besitz ergreifen kann.

Lokalkolorit: Die winterliche Beschaulichkeit der Prozession zum Luciafest findet ein jähes Ende, als der brennende Schulleiter über die Stufen stürzt. Die unschuldig wirkenden Kinder mit ihren Kerzen und der in Flammen stehende Leib des Sterbenden bilden in den ersten Minuten des Krimis Ausrufezeichen und Leitmotiv zugleich. Dass das Feuer der Tat aus Kindheitstagen nun im schneebedeckten Flensburger Umland wieder auflodert, verleiht ihm eine umso verzehrendere Kraft.

Plot: Im Kieler Revier wird Julkapp gefeiert, doch Schladitz (Thomas Kügel) ist nicht nach Wichteln. Ein Foto, das ihn und vier andere in Kindheitstagen zeigt, lockt Borowskis Vorgesetzten in seine alte Heimat. Dort wird er Zeuge, wie ein Jugendfreund vor aller Augen verbrennt. Borowski gegenüber, der zu den Ermittlungen im Flensburger Umland hinzugezogen wird, ist er nicht ehrlich und versucht auf eigene Faust seine alten Schulfreunde ausfindig zu machen, mit denen er ein schreckliches Geheimnis teilt. Als er nach einem Autounfall im Krankenhaus liegt, wird er dem Täter gewissermaßen auf dem Silvertablett serviert.

Unterhaltung: Zugegeben, die Grundidee des neuen Kieler Tatorts haben wir schon in reichlich mehr oder weniger spannenden Krimis gesehen. Eine kleine Gruppe hat sich in Kinder- oder Jugendtagen schuldig gemacht, das Ereignis vertuscht und wird Jahrzehnte später von einem Opfer oder Mitwisser heimgesucht. Tatort – Borowski und der brennende Mann ringt dem Krimiklischee keine neuen Facetten ab. Doch indem der sonst eher harmlose Pointensammler Schladitz sowohl die Täter- als auch die Opferrolle einnimmt, bleibt die Dramatik des ansonsten durchgenudelten Konzepts erhalten. Man addiere die erfrischende Präsenz von Lisa Werlinder als Ermittlerin Einigsen und eine verkohlte Leiche und erhalte einen fesselnden Borowski-Tatort, dem es zwar nicht an Humor fehlt, der diesen allerdings nicht die Überhand gewinnen lässt.

Tiefgang: Der Spagat zwischen den persönlichen Differenzen Borowskis und seinen Kollegen sowie den bis heute schwelenden Ressentiments gegenüber der dänischen Minderheit (Stichwort: Psychodad), will in diesem Tatort nicht so recht gelingen. Viel wird in der ersten Hälfte über Vertrauen gesprochen, bevor im zweiten Teil die Geschichtslektion rund um Dänen, Deutsche und Aussiedler das Ruder übernimmt. Diese lässt aber deutlich mehr Funken (höhö!) sprühen, als das Dauergerangel zwischen Borowski und Epileptikerin Brandt (Sibel Kekilli). Dafür erfreut der Tatort im Finale mit einer konsequent durchgezogenen Genre-Situation der Marke Assault – Anschlag bei Nacht und der fast schon ironisch angehauchten Wahl zwischen den zwei verdächtigsten Figuren, die ein Krimi nur ankarren kann: einen großen Einäugigen und eine kleine verrückte Lady. Schade, dass letztere nicht noch mit Katzen um sich wirft. Deplatziert wäre es nicht gewesen.

Mord des Sonntags: Begleitet vom entzückenden Kindergesang verbrennt der Schulleiter bei lebendigem Leibe.

Zitat des Sonntags: “Wenn du zu schnell fährst, fliegst du raus.”

Ein mitreißender Borowski-Tatort ohne erhobenen Zeigefinger war das oder was meint ihr?

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