Tatortkritik: Der illegale Tod

Mehr Empörung im deutschen Fernsehen!

Tatort - Der illegale Tod
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Tatort - Der illegale Tod

Der Bremer Tatort Der illegale Tod vom 15. Mai versuchte wie andere Tatorte vor ihm auch schon (zum Beispiel Tatort: Grabenkämpfe zu Stuttgart 21) sich einem politisch aktuellen Thema anzunehmen. Diesmal war das Thema nicht nur für Deutschland hoch brisant. Es ging um illegale Einwanderung nach Europa, um Frontex, der europäischen Grenzschutzagentur. Tatsächlich wurde Frontex bisher wenig in den Medien kritisiert, trotz des zunehmenden Flüchtlingsproblems wegen den arabischen Aufständen in Nordafrika – eine mutige Themenwahl, bei der man sich jedoch mehr Empörung gewünscht hätte.

Der feierlustige Kommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) trifft seinen alten Kumpel Peer (Michael Pink) wieder. Die beiden Männer feiern die Nacht durch – mit fatalen Folgen. Am nächsten Morgen ist Peer spurlos verschwunden, Blutflecken deuten auf ein Verbrechen hin. Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund fahnden nach Peer und einer afrikanischen Asylbewerberin namens Amali Agbedra (Florence Kasumba), welche die beiden in der Nacht mit nach Hause genommen haben und die zusammen mit Peer verschwunden ist. Mit der Zeit kristallisiert sich als zentraler Punkt der Geschichte ein Einsatz von Peer und drei weiteren Kollegen auf dem Mittelmeer heraus. Die ehrgeizige Elena Janson (Ulrike C. Tscharre), Robert Böhm (Arnd Klawitter), der labile Klaus Kastner (Daniel Lommatzsch) und Peer Förden – sie alle waren im Auftrag von Frontex mit einem Schiff vergangenen Sommer bei Malta unterwegs. Bei dem Versuch Flüchtlinge abzuwehren, die versuchten, auf das Polizeiboot zu gelangen, brachten die Beamten das Flüchtlingsboot zum Sinken. Alle Flüchtlinge kamen ums Leben – außer Amali Agbedra. Die drei Polizisten, Elena, Robert und Klaus, versuchten mit allen Mitteln diesen Vorfall zu vertuschen. Peer hingegen schloss sich heimlich mit Amali Agbedra zusammen. Sie inszenieren Peers Entführung, um den Vorfall auf dem Mittelmeer zu enthüllen. Amali und Peer werden vom schuldigen Trio erschossen, doch Inga Lürsen und Stedefreund schaffen es dennoch, den Fall aufzuklären und Ermittlungen über den Frontex-Einsatz einzuleiten.

Die Story überzeugte, obwohl die schauspielerische Leistung oft nur mittelmäßig war und die Kritik an Frontex konsequenter hätte sein können. Zwar wurden die Frontex-Mitarbeiter als ausgewachsene Bösewichte, die nur Karriere und Null Moral kennen, dargestellt, aber differenzierte Kritik am System von der angeblichen Idealistin Inga Lürsen oder dem pragmatischen Stedefreund suchte man vergeblich. Inga Lürsen bricht Staatssekretär Neumann in ihrer Wut zwar versehentlich die Nase, ihre Kritik geht jedoch nicht über den konkreten Vorfall auf dem Mittelmeer hinaus. Der durchaus spannende Hauptstrang der Erzählung war gut in die Nebengeschichten, zum Beispiel den Generationenkonflikt zwischen Inga Lürsen und ihrer Tochter Helen (Camilla Renschke), eingebettet. Dieser Tatort beeindruckte mit vielen starken Frauencharakteren. Schade nur, dass die Frauen, die ihre Karriere ernst nehmen, klischeehafter Weise häufig ihre sozialen Kontakte vernachlässigen und egoistisch handeln. Trotz kleiner Makel: Mehr davon!

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