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Pilot-Check

The Affair - Unser erster Eindruck

14.10.2014 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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The Affair mit Dominic West und Ruth Wilson
© Showtime
The Affair mit Dominic West und Ruth Wilson
Ein Seitensprung mit verheerenden Folgen: In The Affair soll es tief in menschliche Abgründe gehen. Wir haben uns die Pilotfolge angesehen und verraten euch, ob ein zweiter Blick lohnt.

Ich bin versucht, The Affair ganz plakativ als eine Mischung aus Masters of Sex und True Detective zu beschreiben. Das wird der Pilotfolge zwar dann doch nicht wirklich gerecht, zeigt aber, mit welchen Themen sich das Beziehungsdrama in etwa beschäftigen wird.

Wie schon bei Homeland blickt der Sender Showtime wieder nach Israel. Dort feierte Schöpfer Hagain Levi mit BeTipul (2008 von HBO als In Treatment - Der Therapeut adaptiert) große Erfolge. Für The Affair tat er sich erneut mit Sarah Treem zusammen, mit der an schon bei In Treatment zusammenarbeitete. Die Regie der Pilotfolge übernahm Mark Mylod, der zuletzt bei Game of Thrones zwei Folgen inszenierte.

Gegensätze ziehen sich an?

Die Geschichte beginnt mit Noah, gespielt von Dominic West (The Wire). Er wird uns als guter Ehemann und Vater von vier lauten und pubertären Kindern präsentiert. Sein ältester Sohn täuscht aus Spaß einen Selbstmord vor, die jüngste Tochter erstickt fast an einer verschluckten Murmel und seine Älteste ist der Inbegriff eines pubertierenden Teenagers. Trotzdem schafft er es mit Bravour, seine Kinder respektvoll und mit Ruhe zu erziehen, regelmäßig schwimmen zu gehen und seine Frau (Maura Tierney) zu lieben. Noah ist ein häuslicher Superman, dem es auch im Job an nichts zu mangeln scheint.

Alison (Ruth Wilson) auf der anderen Seite verbringt die erste Folge größtenteils damit, apathisch ins Leere zu starren. Sie und ihr Mann Cole (Joshua Jackson) haben vor über einem Jahr ihren vierjährigen Sohn verloren. Während Cole in sein altes Leben zurückgefunden zu haben scheint, kommt Alison nicht über den Tod ihres Kindes hinweg. Die Szene, als Alison am Grab ihren Sohnes Peter Pan vorliest und bei dem Wort "cry" in Tränen ausbricht, sagt viel über ihren Seelenzustand. 

Wer sich an dieser Stelle nicht vorstellen kann, dass diese unterschiedlichen Menschen eine Affäre miteinander beginnen werden, ist genau in die Falle der Narration getappt. Noahs und Alisons Perspektive ist das Ergebnis einer polizeilichen Befragung. Aus irgendeinem Grund scheinen beide die Verantwortung von sich weisen zu wollen. Aussage steht gegen Aussage, dagegen sind Rust Cohle und Marty Hart ein Herz und eine Seele.

Über Realität und Wahrheit

Noah und Alison treffen sich in Montauk, Long Island. Wir sehen die Szenen des Kennenlernens nacheinander aus ihren verschiedenen Blickwinkeln und merken, dass das, was wir Wahrheit nennen, höchst subjektiv ist und objektiv vielleicht gar nicht existiert. Das Zufallstreffen am Strand zwischen Noah und Alison ist aus seiner Sicht die Verführung eines unsicheren Spaziergängers. Alison wiederum sieht in Noah einen selbstbewussten Mann, der darauf besteht, sie nach Hause zu begleiten. Die Realität liegt irgendwo dazwischen und wird hoffentlich im Laufe der Serie an die Oberfläche gezogen. Wir als Zuschauer sind in gewisser Hinsicht Richter, dürfen entscheiden, wo Noah und Alison - ob bewusst oder unbewusst - die Geschichte verzerren.

Eine Geschichte ändert sich immer mit dem, der sie erzählt. Wo liegen die Ursachen eines Seitensprungs? Wer hat Schuld? Und was ist Wahrheit? Es ist bemerkenswert, wie gut sich die Puzzleteile in einander fügen; sich die Antworten auf diese Fragen mit dem Wechsel des Blickwinkels verändern. Ich habe nicht viel erwartet von einem Drama, das sich um Seitensprünge mittelalter Eheleute dreht, doch langweilig wird The Affair nie. Grund dafür ist mit Sicherheit die Erzählweise, die ihre Wurzeln in Rashomon - Das Lustwäldchen von Akira Kurosawa hat, und ohne die The Affair vielleicht doch nur ein generisches Beziehungsdrama wäre.

Verheerendes Nachspiel?

Der Kriminalaspekt bleibt in der Pilotfolge noch sehr im Dunkeln verborgen. Über allem liegt eine dicke Schicht Geheimniskrämerei. Jahre (oder Monate?) nach einem noch unbekannten Ereignis werden Noah und Alison mit den Folgen ihrer Affäre konfrontiert. Ein Voice-Over, in dem Noah und Alison abwechselnd von ihren lückenhaften Erinnerungen sprechen, begleitet die gesamte Handlung.

Oft bedient sich The Affair am Suspense-Genre. Hinter jeder Biegung scheint der Abgrund zu lauern. Ob das nur ein dramaturgischer Kniff ohne Hintergedanken ist oder tatsächliche Vorausdeutung kommender Ereignisse, werden die nächsten Folgen zeigen. Ein Thema scheint auf jeden Fall die Sterblichkeit von Kindern zu sein. Echte, unechte und beinahe Kindstode ziehen sich wie ein roter Faden durch die Handlung. Auch andere Konfliktherde wie Noahs angespanntes Verhältnis mit seinem Schwiegervater geben Hoffnung, dass Nebencharaktere nicht nur zur Staffage verkommen.

The Affair ist elegant und spannend konstruiert, die Diskussion über Wahrheit und Realität interessant genug, um mich bei der Stange zu halten. Dennoch könnte zwischen aller Subjektivität die Empathie auf der Strecke bleiben. Noah und Alison haben leider keinerlei Chemie miteinander. Kaum etwas deutet darauf hin, warum sie sich zueinander hingezogen fühlen, denn sie sind stets darauf bedacht, den anderen als Aggressor darzustellen. Das sei der Serie verziehen, wenn es sich nur als Kinderkrankheit eines sonst sehenswerten und sehr gut gespielten Piloten und nicht als Nebenwirkung des Rashomon-Effekts erweist.

Hat euch The Affair gepackt oder ist die Serie eher alter Wein in neuen Schläuchen?

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