Gefälschte Bewertungen

Über die Manipulationsvorwürfe zu Honig im Kopf

Die Hauptdarsteller von Honig im Kopf
© Warner Bros.
Die Hauptdarsteller von Honig im Kopf

Am ersten Weihnachtsfeiertag des vorigen Jahres kam die Tragikomödie Honig im Kopf ins Kino, in der sich Til Schweiger vor und hinter der Kamera des Themas Alzheimer annimmt. Dieter Hallervorden spielt einen Großvater, der an der Erkrankung leidet. In seiner zweiten Kinowoche konnte Honig im Kopf dann auch den ersten Platz der deutschen Charts erobern, schon knapp zwei Millionen Zuschauer wollten den Film sehen.

Bewertungs-Manipulation

Kurz nach dem Kinostart kam es hier auf moviepilot aber zu einer ungewöhnlichen Häufung positiver Bewertungen, über die zuerst auf dem Filmblog Filmverliebt berichtet wurde: Zahlreiche User, die sich erst kurz zuvor registriert hatten, vergaben für Honig im Kopf eine glatte Zehn. Schon das mutete merkwürdig an, schließlich stoßen Til Schweigers Werke bei der moviepilot-Community sonst nicht auf besonders große Begeisterung. Einige der enthusiastischen Honig im Kopf-Bewerter schrieben dazu noch einen kurzen Kommentar, seltsamerweise nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch und Russisch, sogar in kyrillischer Schrift:



Der kyrillische Kommentar lautet Filmverliebt zufolge fast schon Haiku-gleich: "Elegantes Kino. Habe sogar ein bisschen geweint". Zudem gab es auch noch einen längeren Kommentar auf Deutsch, von dem wir leider keinen Screenshot machen konnten, bevor er von Userseite entfernt wurde.

In der Folge berichteten auch andere Seiten wie MEEDIA und Rolling Stone über das Thema und stellten sich die Frage, wer denn wohl hinter dieser anscheinenden Manipulation steckt. In den Kommentaren zum MEEDIA-Artikel wird die Diskussion um die Güte von Honig im Kopf munter fortgeführt: Dort halten sich recht gleichförmig geschriebene Lobeshymnen die Waage mit fassungslosem Kopfschütteln. Russische Statements finden sich dort jedoch nicht.

Auch wir schauten uns sämtliche Bewertungen für Honig im Kopf einmal genauer an, schließlich geht es uns bei moviepilot ja darum, die Meinung der Community zu einem Film möglichst getreu abzubilden.

Wir forschen nach

Bei unserer Expedition in die Eingeweide unseres Datenbestandes haben wir dann Folgendes herausgefunden: Insgesamt 32 kürzlich angelegte Profile, die Honig im Kopf bewerteten, stammen von einer von drei russischen IP-Adressen, 24 Stück davon sogar von ein und derselben. Angesiedelt sind die Adressen allesamt in einer Stadt an der mittleren Wolga. Alle User haben für die Registrierung russische E-Mail-Adressen benutzt, zudem scheint dahinter nicht nur eine einzelne Person zu stecken.

Wir haben inzwischen alle diese Profile gelöscht, wobei einige auch schon zuvor durch die User entfernt wurden, die sie angelegt hatten. Auf den Wertungsdurchschnitt von Honig im Kopf hatten die manipulierten 10er-Bewertungen dabei einen deutlichen Einfluss: Vor Entfernung der Bewertungen lag er bei 7,8, nach Löschung der Profile ist er momentan auf 5,4 gefallen. Nicht jede enthusiastisch positive Bewertung stammt dabei aber von einem Fake-Account, und auch nicht alle der dankenswerterweise von der moviepilot-Community als verdächtig gemeldeten Profile haben sich tatsächlich als Manipulationsversuche herausgestellt.

Wer war's denn nun?

Aber wer steckt nun hinter dieser Aktion? Um eine Manipulation von offizieller Seite auszuschließen, haben wir unter anderem Warner Bros., den Verleih von Honig im Kopf, um eine Stellungnahme gebeten. Hier ihr Statement im Wortlaut:

"Positive Kritiken zum Film sind in einer großen Vielzahl von namhaften Medien zum Kinostart von HONIG IM KOPF erschienen. Dass nach dem Kinostart das Bewertungsverhalten einiger Online User in vereinzelten Foren ungewöhnlich oder manipulativ sein soll, haben wir daher mit Sorge zur Kenntnis genommen. Sollte es in diesem Zusammenhang tatsächlich zu Manipulationen gekommen sein, sind sie für uns nicht nachvollziehbar und haben ausnahmslos ohne unsere Kenntnis und Einflussnahme stattgefunden."


Tom Zickler von Til Schweigers Produktionsfirma Barefoot Films hat sich ebenfalls telefonisch zum Sachverhalt geäußert und weist jede Verantwortung von sich:

"Der Image-Schaden, den wir von so einer Aktion hätten, wäre deutlich größer als der Effekt. Wir haben das nicht initiiert."


Dass eine von offizieller Seite angestoßene Aktion derart stümperhaft und offensichtlich durchgeführt wird, wäre auch schwer zu glauben. Aber wer steckt dann hinter der Sache? Wir wissen es nicht. Denkbar wäre, dass eine oder mehrere Privatpersonen mit dieser Aktion Honig im Kopf und Til Schweiger in Misskredit bringen möchten, denn ein schaler Nachgeschmack bleibt ja immer zurück. Oder sollte es im Westen Russlands tatsächlich eine Exklave von Til Schweiger-Fans geben, die dort regelmäßige Schweiger-Festspiele veranstalten und uns ihre Begeisterung für sein Kinoschaffen mitteilen wollten? Wir werden es wohl nie erfahren. Auch in Zukunft werden wir hingegen ein wachsames Auge auf mögliche Manipulationen haben, um sicherzustellen, dass die Community-Bewertungen tatsächlich aus der Community stammen.

Was haltet ihr von den Manipulationsvorwürfen gegen Honig im Kopf?

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