"Verdammt gut": Dark begeistert das Ausland, obwohl es niemand versteht

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Dark
03.07.2019 - 18:00 UhrVor 4 Monaten aktualisiert
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Die erste deutsche Netflix-Serie Dark steht bei Rotten Tomatoes gerade bei 100 Prozent. Das ist der absolute Wahnsinn. Das Wort kommt auch mehrfach in US-Rezensionen vor.

Nicht nur wir und ihr, sondern auch die amerikanischen Kritiker fragen sich, worum es in der deutschen Netflix-Serie Dark geht, die mit einem Nietzsche-Zitat zu Beginn schon den Weg vorgibt. Brian Phillips von The Ringer  fasst es ganz kurz und kryptisch zusammen:

Es geht darum, wie, wenn du in den Abgrund blickst, der Abgrund auch in dich blickt.

Dieser Satz kommt frei von Phillips, aber es sind genau solche Aha-Sätze und Dialoge, die von den englischsprachigen Kritikern hervorgehoben werden. Jack Seale vom britischen The Guardian  kümmert es wenig, dass er nicht weiß, wer die Charaktere sind oder in welchem Jahrzehnt sie sich befinden. Er ist voll des Lobes über solche Dark-Sätze wie "Es ist alles verbunden." und "Alles passiert, wenn es sein muss.".

Dark bietet viel Dunkelheit und Licht

Die Wörter kompliziert, mysteriös und verwirrend finden sich in fast allen Rezensionen zu Dark. Auch für Kevin Yeoman von Screen Rant  ist Dark genau dies, aber die Serie ist eben doch noch etwas mehr: Sie ist klug, intelligent und gut erzählt.

Obwohl es so aussieht, als ob die Schöpfer Baran bo Odar und Jantje Friese versuchen zu beweisen, wie clever sie sind, fühlt es sich nicht nach narrativer Hybris an, die die Handlung antreibt - sie sind einfach verdammt gute Geschichtenerzähler.

Laut Yeoman erlebt der Zuschauer glückbringende Glühbirnen-Momente, die ihm das Gefühl geben, gerade einen neuen Hochschulabschluss erworben zu haben. Das hat auch Tori Preston von Pajiba  festgestellt, die allerdings daran zweifelt, ob ihr IQ für die Serie überhaupt ausreicht. Sie findet aber auch einen interessanten Vergleich:

Es ist wie bei Twin Peaks, als würde Lynchs kleine Stadt eher von einer wissenschaftlichen als von einer spirituellen Bedrohung heimgesucht werden, und die Show alle Punkte explizit verbinden, anstatt die Dinge unserer eigenen Interpretation zu überlassen.

Gerade das ist es, was am meisten gelobt wird: keine Zugeständnisse an den Wissenstand der Zuschauer. Sie werden hineingeworfen in ein komplexes Geschehen und müssen selbst die Dinge entwirren. Vielleicht kommt Dark deshalb aller Orten so gut an, weil die Serie dem Publikum endlich wieder etwas zutraut.

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Sean T. Collins von Decider  bescheinigt den Serienschöpfern Baran bo Odar und Jantje Friese, eine große Innovation geschaffen zu haben. Diese bestehe darin,

alte SF-Konzept nicht zu nutzen, um ähnliche Konzepte aus Terminator oder Zurück in die Zukunft (die Sichtweise dieser Serie auf die Nostalgie ist übrigens giftig skeptisch) wieder aufleben zu lassen, sondern als Metapher dafür, wie schwierig es für jeden ist, seine eigene Natur zu verändern oder gar zu verlassen.
Insofern müssen wir zu den vorangegangenen Wörtern noch weitere hinzufügen, was Dark ist:
  • kompliziert, mysteriös und verwirrend sowie
  • klug, intelligent und gut erzählt sowie
  • modern, kausal und komplex.

Emma Stefansky von Thrillist  entdeckt mit Dark dann auch die zutiefst deutsche Seite:

Es ist auch eine wirklich bewegende Studie über die fatalistische Trope von Kindern, die dazu verdammt sind, die Sünden ihrer Eltern nachzustellen. Dies ist eine deutsche Serie, die in Deutschland spielt, wo das Konzept der Sünde und der verlorenen Wiederholung immer noch allzu relevante Reflexionen in der realen Welt hat.
Der Zweite Weltkrieg wird nicht explizit erwähnt - angesichts der 33-Jahres-Zyklen wird er eigentlich komplett übersprungen - aber er ist da, wenn man nach ihm sucht.

Das sagen Menschen aus New York, Tokio und Buenos Aires über Dark

Was andere Menschen auf der Welt vom deutschen Dark halten, hat der Streaming-Dienst eigens in einem Video zusammengefasst. Schaut selbst auf das Marketingvideo aus dem Hause Netflix!

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Deutsche Kritiker loben Dark ebenso

Auch in Deutschland gibt es Stimmen aus dem Feuilleton, die die Serie für überaus bedeutend halten. Laut Christian Buß vom Spiegel  fängt die Serie

sehr gut die Grundstimmung der "Fridays for Future"-Generation ein, die mit der Generation ihrer Eltern hadert, weil durch deren Zaudern im Heute die Hoffnung auf das Morgen vernichtet wird. In Dark ist die Zukunft nun Gegenwart.

Um das Wort Zukunft nochmal aufzugreifen. Diese spielt auch für Kristoffer Cornils von Die Zeit  eine gewichtige Rolle. Er lehnt sich sehr weit aus dem Fenster, denn bei ihm nimmt Dark gar eine revolutionäre Rolle ein:

Dark ist die Zukunft des Fernsehens überhaupt. Die Serie ist weniger eine deutsche als vielmehr die perfekte Netflix-Serie. Denn eine gute Netflix-Serie verkauft ihr Publikum für dumm, während sie ihm genau das Gegenteil einredet. Dark ist sehr, sehr gut darin, genau das zu tun.

Die 3. Staffel von Dark steht seit dem 27. Juni 2020 bei Netflix zum Abruf bereit.

Dark erklärt: Wir entschlüsseln die epische Netflix-Serie von Anfang bis Ende

Weitere Highlights könnt ihr in unserem Streamgestöber-Podcast nachhören, in dem Andrea, Esther und Max alle Fragen, Theorien, Stammbaum-Zusammenhänge und natürlich das Ende von Dark erklären:

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