Community
Aktion Lieblingsmonster

Von einem, der auszog, das Fürchten zu lehren

19.10.2016 - 09:00 Uhr
1
20
Bild zu Von einem, der auszog, das Fürchten zu lehren
© Meteor Film/moviepilot
Bild zu Von einem, der auszog, das Fürchten zu lehren

Dieser Artikel entstand im Rahmen der Aktion Lieblingsmonster.

Lass mich dir über die Liebe erzählen. Oder nein, über die Musik. Über die Jugend. Die Unschuld. Noch besser, über das Leben. Ja, über das gute Leben! Ein Fluss der von der Quelle bis zum Delta fließt, Leben spendet und von keinem Damm je aufgehalten wird. Erquickendes Wasser, klar bis zum Boden. Wisst ihr was ich bei diesem Anblick am liebsten machen möchte? Ich möchte schwarzes, triefendes Öl nehmen und es genüsslich in das Wasser gießen. Am besten während eines Fests! Ja, vielleicht gibt es ein Picknick zu Ehren einer guten Ernte nahe des Stroms und das ganze Dorf ist geladen, es gibt kleine selbstgebastelte Girlanden die filigran zwischen den Apfelbäumen gespannt wurden, die Kinder suchen mit bis zu den Knöcheln hochgeschobenen Hosen (manche werden dennoch nass) nach funkelnden, silbernen Fischchen und ich gieße und gieße und gieße bis alles schwarz ist. Schwarz soll es sein, trübe und am besten stinkend. Die Leute werden dann fragen: “Hey, du Vagabund! Warum, warum tust du das nur? Der Fluss schenkte uns eine gute Ernte und so dankst du es ihm?“ Ich werde dann nur mit den Schultern zucken, mir meine Brille langsam an der Strebe, die die beiden dicken Gläser zusammenhält, heraufschieben und sagen: “Warum nicht?“ Es ist besser wenige Worte zu verwenden, je mehr Silben man preisgibt, desto leichter ist es sich an denen festzuhalten. Es soll sich niemand festhalten können. Bleibt man kurz, wohlgewählt und trübe wie der Fluss (Warum hat man ihm das nur angetan?) suchen sie schon selbst nach ihren Antworten. Irgendwie muss man sie doch erziehen. Hoffentlich verenden viele Tiere an der klebrigen schwarzen Masse, nicht dass ich ihnen das wünschen würde, ich liebe Tiere, aber dann erinnern sich die Menschen sicher noch lange daran.

Vielleicht treffe ich dadurch auch jemanden mitten in seine glückliche Kindheit, als er zusammen mit seinem Bruder hier angeln war zum Beispiel. Zusammen ist natürlich dehnbar, nur er hatte die Angel in der Hand, sein Bruder war aber immerhin dabei, als Kompagnon oder als ein stummer Begleiter. Irgendwann war er dann so stumm, dass er sein Herz daran hindern musste widerliche Klopfgeräusche zu machen. Immerhin wurde hier am rauschenden Wasser ein kleines morsches Holzkreuz mit einer kleinen Marienabbildung aufgestellt. An diesen Vorfall könnte das Öl im Fluss die Person zum Beispiel erinnern und dann würde ich mich freuen. Ich war vielleicht ein bisschen grob, aber das ist schon in Ordnung finde ich. Gehirne sind schon komisch, so viele Windungen und Wirrungen die dich daran hindern sich an Begebenheiten zu erinnern. Es hilft also nichts, manchmal musst du einen spitzen Stock in die Hand nehmen und immer wieder auf diesen pinken Haufen einstupsen. Pieks, pieks, pieks. Immer wieder, es soll ruhig schmerzen. Pieks, pieks, pieks. Und wenn man dann dem Punkt der Erkenntnis nahekommt spitzt man seinen Stock noch etwas an und piekst weiter. Pieks, pieks, pieks.

Ich bin das was viele wohl “böse“ nennen, aber das muss ich sein. Wenn es zu wenig Kieselsteine gibt um die Getriebe des Alltags zu verstopfen, gehe ich auch notfalls selbst sammeln im Wald und schicke sie den Menschen die sie dringend benötigen mit der Post. Natürlich ohne Absender. Aber hättet ihr etwas anderes erwartet? Man darf den Menschen keine Strohhalme geben, habt ihr mir etwa nicht zugehört? Seid aufmerksam, dann versteht ihr schon was ich meine.

Manche Leute reden nicht gut über mich, sagen ich quäle die Menschen, bin grausam und verderbe den Geist. Ich finde das ist nicht der Fall, ich meine es doch nur gut! Aber erkennt man es überhaupt wenn man zum Bösen wird? Natürlich nicht. Wegen mir träumen womöglich viele schlecht, schlafen gar überhaupt nicht mehr. Manche nennen mich ein Monster, denen entgegne ich dann, dass ich eigentlich Michael heiße. Aber eigentlich haben sie schon recht, eigentlich sind wir ja alle Monster.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Sponsoren der Aktion Lieblingsmonster:

Aktion Lieblingsmonster


Das könnte dich auch interessieren

Angebote zum Thema

Kommentare

Aktuelle News

Themen: