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Aktion Lieblingsstars

Von Ellen Page und der Kunst, im Laufen zu trinken

26.08.2013 - 19:01 Uhr
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Ellen Page
© 20th Century Fox
Ellen Page
Dieser User hat Ellen Page zu seinem Lieblingsstar gekürt: In seinem Text schreibt er nicht nur über Ellen Page im Allgemeinen, sondern preist besonders ihre Leichtigkeit im Umgang mit einer Flasche während dem Laufen an.

„If you were a castle, I’d be your moat and if you were an ocean, I’d learn to float”, singt Barry Louis Polisar, während Juno in Zeichentrickoptik die Straße entlanggeht und ihre Besonderheit schon allein dadurch unter Beweis stellt, dass sie trinken kann, während sie läuft. Ich habe zwar schon viele Menschen gesehen, die anscheinend im Gehen etwas trinken können, es aber dennoch immer für eine geheimnisvolle Kunst gehalten. Juno ist darin eingeweiht. Sie balanciert auf einem Markierungsstreifen auf der Straße und nimmt immer wieder Schlucke aus dem großen orangefarbenen Saftkanister, den sie dabei hat. Wie macht sie das?, frage ich mich und weiß irgendwann nicht mehr, ob ich das Trinken-und-gleichzeitig-Gehen meine oder alles andere an ihr.

Juno ist Ellen Page. Und Ellen Page ist Juno.

Aber nicht nur.

Ellen Page ist auch die sympathischste und liebenswürdigste Person, die je in irgendeiner Talkshow der Welt zu sehen war, sie sprüht vor Charme, aber ordnet sich nie dem Showeffekt unter und wenn es sein muss, schlägt sie auch zurück. Sie kann das einfach so und ihr fallen immer die richtigen Worte ein, wo ich eine halbe Minute herumstammeln würde. „I am a tiny canadian“, ist ihr Über mich-Text auf Twitter.

Und auf der Kinoleinwand ist Ellen Page ein Magnet. Sie hat eine Präsenz wie niemand sonst und braucht nur mit einem Saftkanister herumzulaufen, schon bin ich hin und weg. Keine Ahnung, woran das liegt, ihr Gesicht, die Art wie sie geht, ich weiß es nicht und alle Analyseprograme der Welt würden nicht helfen.

Aber was sie auch zur für mich großartigsten Schauspielerin aller Zeiten macht, ist, dass sie noch eine Rolle gespielt hat, die nicht vollkommen ihre eigene ist. Sie hat noch nie ein Angebot für einen Film angenommen, das ihr nicht gefiel und das merkt man ihr jedes Mal genau an. Ohne postmoderne Distanzierungen oder Meta-Selbstironie gibt sie sich jeder ihrer Rollen vollkommen hin und verschmilzt damit. Ohne Kompromisse einzugehen.

Wenn sie in Hard Candy einen Racheengel im Teenageralter spielt, dann macht sie mir Angst, sie terrorisiert, bringt ihre Augen zum Brennen und ihre Stimme zum Zittern. Sie ist gnadenlos und allein dadurch, dass sie den Charakter so überzeugend spielt, verleiht sie ihm eine Tiefe, die bei einer anderen Schauspielerin vielleicht überhaupt nicht dagewesen wäre.

Wenn sie in Inception den Zuschaueranschluss spielt, der dafür sorgen muss, dass das Publikum sich inmitten all dieser Traumgeschichten nicht verloren fühlt, dann wird sie zur Therapeutin für den Hauptcharakter, gräbt sich immer tiefer in das Geschehen, getrieben von Faszination und Unruhe, und erlaubt mir den Zugang zu einer gigantischen Geschichte, die ansonsten vielleicht völlig aus den Fugen geraten wäre.

Wenn sie in The East eine misstrauische Anarchistin spielt, in deren Innern viel mehr vorgeht als sie nach außen dringen lassen will, dann transportiert sie ihren inneren Kampf mit der eigenen Vergangenheit über ein paar simple Blicke und Wortbetonungen zum Zuschauer und all das, ohne dass man es überhaupt bemerkt. Und wenn sie angeschossen wird, schreit und sich windet, dann tut sie das auf eine Art, die mir die Haare zu Berge stehen lässt, sie schreit bis ins Knochenmark meiner Beine und wenn sie dann still geworden ist, ist es unerträglich.

Wenn sie in Super – Shut up, Crime! eine psychopathische Comicbuchverkäuferin, in Roller Girl – Manchmal ist die schiefe Bahn der richtige Weg ein den Rebell in sich entdeckendes Mädchen oder in To Rome with Love DIE perfekte Frau der Welt spielt, sie ist immer zu einhundert Prozent ihr Charakter und macht ihn zum Zentrum meiner Aufmerksamkeit, egal mit was für Explosionen der Regisseur meine Aufmerksamkeit gerade von ihr ablenken will.

Und wenn sie in Juno ein versehentlich schwanger gewordenes Mädchen spielt, dann ist das einerseits die lustigste Performance ihrer Karriere, aber andererseits so voller Nuancen und Gedanken, dass man langsam bemerkt, wie das überforderte Mädchen im Innern sich immer mehr Bahn bricht und sich plötzlich den großen Fragen des Lebens stellen muss, die sie sich eigentlich für die nächsten Lebensjahrzehnte aufheben wollte. Und wenn sie schluchzt und zusammenbricht, will ich automatisch durch den Bildschirm hindurchgreifen und sie umarmen. Weil ich vergessen habe, dass es nicht Juno, sondern Ellen Page ist. Die winzige Kanadierin. Die Oscar-nominierte Schauspielerin, die bestimmt ein tolles Haus in Kanada hat, zum Frühstück Pancakes mit Ahornsirup aus der Region genießt und auf dem Weg zu ihrer lokalen Eishockeyarena im Laufen Root Beer trinkt. Einfach so. Als wäre es das Einfachste der Welt. Und ich stehe in Gedanken daneben und bin immer noch fasziniert.


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