Warum Horrorfans Rob Zombies brutale Filme nicht verpassen dürfen

Haus der 1000 Leichen/The Lords of Salem/Halloween
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MrDepad Patrick Reinbott
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Junior Redakteur bei Moviepilot. Kann mit dem DCEU so einiges anfangen, aber noch mehr mit David Lynch. Meist im Kino oder beim Essen anzutreffen.

Alleine wegen seiner Karriere als Musiker ließe sich über Rob Zombie ein kompletter Artikel mühelos füllen. Neben anderen sogenannten Schock-Rockern wie beispielsweise Marilyn Manson fasste Zombie, der in Wirklichkeit eigentlich Robert Bartleh Cummings heißt, erfolgreich im Musikgeschäft Fuß, nachdem er 1985 die Band White Zombie gründete, in der er selbst Frontmann war. 1998 löste sich die Metal-Gruppierung auf, wobei Zombie bereits seit 1996 praktisch nur noch als Solo-Künstler tätig war. Eine Leidenschaft, die ihn seit frühester Kindheit verfolgt hat und von der er sich auch während seiner Laufbahn als Musiker niemals trennen konnte, waren jedoch Horrorfilme.

Diese Obsession lebte Zombie anfangs aus, indem er die Musikvideos für sich und seine Band stets selbst drehte. In diesen ließ er bereits seinen Hang für finster-makabere Ästhetik und seine spürbare Liebe für die Horrorfilm-Geschichte durchscheinen, die auf ein großes Talent hindeutete. Mittlerweile hat Rob Zombie 8 Langfilme gedreht und zählt zweifelsohne zu den faszinierendsten Horror-Regisseuren unserer Gegenwart. Daher ist es im Rahmen unseres Horror-Monats längst an der Zeit, umfassend auf die beeindruckenden Horrorfilme seiner bisherigen Karriere zu blicken.

Rob Zombies Regiekarriere-Auftakt mit Haus der 1000 Leichen und The Devil's Rejects

Zunächst schien es fast so, als würde die Karriere von Rob Zombie als Filmregisseur gar nicht erst ins Rollen kommen. Nachdem er sein Langfilm-Debüt Haus der 1000 Leichen nach mehreren Nachdrehs im Jahr 2000 endlich fertiggestellt hatte, sollte es noch 3 weitere Jahre dauern, bis sich ein Studio dazu bereit erklärte, den als unnötig brutal verschrienen Streifen überhaupt noch zu veröffentlichen. Lionsgate war es nach den Absagen von Universal und MGM zu verdanken, dass Haus der 1000 Leichen in die Kinos gebracht wurde. Es ist das ungestüme Debüt eines sichtlichen Rockstars, der große Einflüsse, vornehmlich aus dem Horror-Kino der 1970er-Jahre, mit seinem ganz eigenen Sinn für Stil und Ästhetik zu einem rauschartigen Trip kombinierte.

Unübersehbar sind Zombies Vorbilder wie zum Beispiel Tobe Hoopers Blutgericht in Texas, den der Regisseur in einem Artikel für den Rolling Stone rückblickend als einen der wichtigsten Filme in seinem Leben bezeichnet. Tatsächlich strahlt der rohe, ungefilterte 1970er-Jahre Spirit von Tobe Hoopers grobkörnigem Terror-Meisterwerk ebenfalls durch Zombies Langfilmdebüt Haus der 1000 Leichen. Ergänzt wird dieser jedoch zusätzlich durch wilde Schnitte, starke Bild- und Farbfilter und konträr zum Geschehen eingesetzte Songs, durch die der Regisseur sein Werk zwischen wüster Videoclip-Ästhetik, extrem schwarzhumorigem B-Movie-Trash und todernst gemeintem Exzess als LSD-getriebenen Fiebertraum gestaltet.

Seinen eigens geschaffenen Mythos der sadistischen Familie Firefly aus Haus der 1000 Leichen, die neben Zombies Ehefrau Sheri Moon unter anderem von Horror-Veteranen wie Sid Haig und Bill Moseley gespielt werden, nutzte Zombie, um den abgedrehten Psychopathen mit The Devil's Rejects gleich noch einen Film zu widmen. Hier verzichtet Zombie auf herausfordernde Weise direkt auf Identifikationsfiguren, indem er die Fireflys selbst zu Protagonisten macht. Zudem entfernt er sich stilistisch von der reizüberflutenden MTV-Ästhetik des Vorgängers und nähert sich über flirrende, staubtrockene Einstellungen noch stärker dem Terror-Kino der 1970er-Jahre an. Neben extrem harten Folter-Sequenzen, die physisch und psychisch stattfinden, und erneuten stilistischen Brüchen durch Country- und Blues-Songs auf der Tonspur, hat Zombie einen fiesen Bastard aus Terror- und Road-Movie kreiert, der außerdem in die Faszination für Serienmörder eindringt, die tief in der Seele Amerikas verwurzelt ist.

Rob Zombies eigenwilliger Umgang mit John Carpenters Halloween

Mit seiner 2007 erschienenen Neuauflage Halloween von John Carpenters gleichnamigem Klassiker gelang Rob Zombie sein kommerziell erfolgreichster Film. Unter Horror-Fans spaltete das Werk die Meinungen jedoch massiv, wobei Carpenter selbst zornig auf Zombies Version reagierte. Dabei ist Zombies Halloween zur einen Hälfte als Prequel angelegt und zur anderen Hälfte als Remake, das sich weitestgehend originalgetreu an Szenen aus der Vorlage orientiert. Während sich dieser Remake-Part als eher enttäuschendes Abarbeiten entpuppt, bezieht Zombies Neuauflage seinen eigenständigen Reiz vielmehr aus der ersten Hälfte, in der der Regisseur die ikonische Figur Michael Myers als kleinen Jungen mithilfe von beklemmenden White-Trash-Abgründen und psychotischer Unberechenbarkeit näher charakterisiert. Carpenter inszenierte den Killer bewusst als unzugängliches Phantom sowie nahezu übernatürlichen Schrecken.

Von den Fesseln der Vorlage befreite sich Rob Zombie hingegen endgültig mit seinem Sequel Halloween II. Durch die artifiziellere Lichtsetzung, die spezielleren Schnitte und eine verstörende Kamera, die sich zwischen geradlinigen Slasher-Szenen von bestialischer Härte, surrealen Traum-Sequenzen und Symbolen sowie deprimierend-emotionalen Charaktermomenten bewegt, strahlt diese Fortsetzung eine geradezu avantgardistische Qualität aus. Während sich Zombie den Mythos Michael Myers in Form eines verwahrlosten, brachialen Hünen längst für seine ganz eigene Vision angeeignet hat, beeindruckt Halloween II immer wieder durch niederschmetternde Momente, in denen sich der Regisseur mit den traumatischen Folgen des Horrors auseinandersetzt. Die unbegreifliche Trauer, die durch den Verlust eines Menschenlebens einhergeht, wird unerwartet spürbar. Ein unterschätztes Meisterwerk voller unvergesslicher Szenen mit einer Laurie Strode als gebrochen-tragisches Sinnbild für die unwiederbringlich verlorene Unschuld im Angesicht unvorstellbarer Grausamkeit.

Schleichender Arthouse-Horror und eine Best-of-Fingerübung Rob Zombies

Neben Rob Zombies El Superbeasto, mit dem sich der Regisseur seinen persönlichen Wunsch eines animierten Comedy-Musicals voller Sex, Gewalt, Flüche und anderer Obszönitäten erfüllte und sich quer durch die Horrorfilm-Geschichte zitierte, lohnt sich ein Blick auf den 2012 erschienenen The Lords of Salem. Mit sichtbar niedrigem Budget, aber dafür einer ausufernden Lust am puren Bilder-Exzess verwirklicht, ist der surreale Okkult-Hexen-Horror Zombies Hommage an Paranoia-Meilensteine wie Rosemaries Baby oder dem schleichenden, formstrengen Psycho-Horror aus Shining. Diesen lässt der Regisseur neben zurückhaltend inszeniertem Arthouse-Grusel spätestens im Finale endgültig in eine einzige audiovisuelle Orgie kippen, mit der er wiederum an den verstörenden Videoclip-Horror seines Langfilmdebüts Haus der 1000 Leichen anknüpft.

Dagegen wirkt Rob Zombies bislang letzter Horrorfilm 31 (ein The Devil's Rejects-Sequel namens 3 From Hell folgt) wie eine lockere Fingerübung, die als Best-of des Regisseurs betrachtet werden kann. Mit seiner Rückkehr ins White-Trash-Milieu schickt Zombie fünf recht verdorbene Protagonisten in die Hölle auf Erden, wo sie in ein sadistisches Psycho-Spiel verwickelt werden und sich gegen ausgefallen gestaltete Clown-Antagonisten zur Wehr setzen müssen, die Namen wie Sick-Head, Sex-Head oder Schizo-Head tragen. Die Splatter-Geisterbahnfahrt sticht aus der Filmografie des Regisseurs nicht sonderlich hervor, zeigt aber gerade aufgrund des sehr niedrigen Budgets und einem knappen Drehplan von nur 20 Tagen Zombies Talent für ökonomisch umgesetzten Horror, der keineswegs an einfallsreicher Morbidität einbüßen muss.

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