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Warum Hundstage mit Al Pacino der heißeste 70er-Heist-Movie ist

Al Pacino in HundstageAbspielen
© Warner Bros.
Al Pacino in Hundstage
01.11.2016 - 10:00 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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Fast jeder kennt Al Pacino als hitzköpfigen Drogenbaron Tony Montana oder als kaltblütigen Paten Michael Corleone. Doch in Hundstage zeigt er eine oft vergessene Seite seiner Schauspielkunst: Panik und Hysterie in Form von jeder Menge Schweiß.

Kennt ihr sie auch, diese Hundstage? Tage, an denen es so schwül ist, dass wir glauben, wir würden schmelzen. An denen die Luft so glühend heiß ist, dass wir lieber ersticken würden, als auch nur einen einzigen Atemzug zu nehmen. Ihr wisst schon, diese heißen Sommertage, die der Amerikaner gerne als "dog days" bezeichnet. So unangenehm sie auch sein mögen, haben sie doch nur selten ernste Konsequenzen. Dumm nur, wenn uns der Hochsommer während eines Banküberfalls erwischt und uns dann auch noch Murphy's Law eine Breitseite verpasst. Genau das geschieht Al Pacino im Heist-Movie Hundstage von Sidney Lumet aus dem Jahr 1975. Dieses Herz für Klassiker widme ich der kalten Zeit des Jahres, denn Hundstage zeigt, dass zu viel Hitze der Coolness schadet.

Sonny Wortzik (Al Pacino) und Sal Naturale (John Cazale) sind in Sidney Lumets Heist-Thriller Hundstage ein Bankräuberduo. Naja, eigentlich waren sie ein Trio, doch der dritte im Bunde machte sich noch vor dem Überfall vom Acker. Die beiden hätten das als schlechtes Omen für den weiteren Verlauf der Aktion sehen können, doch sie wollten das Ding unbedingt durchziehen. Für das unerfahrene Duo ist es jedoch der erste Bankraub und durch eine Sequenz teils unglücklicher, teils selbstverschuldeter Ereignisse erfährt die Polizei von der Tat, woraufhin sie das Gebäude umstellt. Plötzlich stecken Sonny und Sal in einer Geiselsituation inklusive Medienzirkus, obendrein ist auch noch Hochsommer und die Klimaanlage defekt. So viel zur Ausgangslage des schweißtreibenden Kammerspiels.

Realismus pur - In Hundstage hat jeder Schuss Gewicht

Was Hundstage heutzutage noch sehenswert macht, ist das realistische, aber dennoch außerordentlich spannende Szenario. Kein Wunder, schließlich basiert der Film auf der wahren Geschichte von John Wojtowicz, der am 22.08.1972 mit einem Banküberfall in Brooklyn für mächtig Aufmerksamkeit in den Medien sorgte. Aber nicht nur die Geschichte ist glaubwürdig, sondern auch die Art und Weise, wie die hervorragenden Schauspieler damit umgehen. John Cazale verfällt als Sal in Schockstarre und ist gerade so im Stande, das Gewehr auf die Geiseln zu richten. Al Pacino als Sonny klammert sich an das kleine Stück Resthoffnung und versucht verzweifelt, für ihn und seinen Kumpel das Beste herauszuholen. Es steht eine Menge auf dem Spiel. Sals versteinerte Miene und Sonnys panische Körpersprache lassen daran keinen Zweifel.

John Cazale und Al Pacino in Hundstage

Wie groß die Gefahr ist, merken wir spätestens dann, wenn jemand das erste Mal im Film den Abzug eines Gewehrs betätigt und uns damit völlig schockt. Nicht wegen des Schusses selbst, sondern wegen der Massenhysterie, die darauf folgt. Als ich den Film das erste mal sah, dachte ich mir: "Es war doch nur ein Warnschuss, was regen die sich so auf?" Doch dann wurde mir bewusst, wie inflationär Filme heutzutage mit dem Gebrauch von Schusswaffen umgehen und wie abgestumpft wir mittlerweile sind. In modernen Blockbustern sehen wir den Tod vor lauter Leichen nicht mehr, in Hundstage hat selbst ein Schuss in die Luft folgenschwere Konsequenzen.

Anspannung in jeder Pore - Al Pacino in seiner schweißtreibendsten Rolle

Im Grunde ist Hundstage ein ständiges Wechselspiel zwischen Sonnys Verhandlungen mit dem Polizeichef Moretti (Charles Durning) außerhalb und seinen Versuchen, die Geiseln und seinen Kumpel Sal innerhalb der Bank zu beruhigen. Die Atmosphäre des Films ist angespannt, fast stickig und passt somit perfekt zum heiß-schwülen Klima in den Straßen Brooklyns.

Al Pacino in Hundstage

Al Pacino bringt dieses Gefühl mit einer Hingabe auf die Leinwand, die selbst in der Karriere der Schauspiellegende noch positiv auffällt. Nicht nur, weil er schlimmer schwitzt als Arnold Schwarzenegger beim Kampf gegen den Predator, sondern auch, weil sich Panik und Nervosität in jeder Faser seines Körpers breitmachen. Am Ende schafft es der Method Actor sogar, dass wir voll und ganz in die Gedankenwelt des Bankräubers eintauchen und immer mehr mit dem Kriminellen sympathisieren. Dabei hatte Al Pacino die Rolle zunächst abgelehnt. Seine Art, sich auf seine Figuren vorzubereiten, war damals sehr intensiv und kraftraubend. Da er ein Jahr zuvor Der Pate 2 gedreht hatte, war es für ihn eine enorme Umstellung innerhalb kürzester Zeit, die ihn an seine Grenzen brachte. Wer weiß? Vielleicht war die so authentische Überanstrengung des Sonny Wortzik gar nicht gespielt, sondern Al Pacinos reales Empfinden.

Zeitloser Minimalismus - Hundstage ist kein Stück gealtert

Hundstage ist ein Film, der auch heute noch genauso gut funktioniert wie 1975. Das Kammerspiel vom Genre-Meister Sidney Lumet (Die zwölf Geschworenen) lebt von der dichten Atmosphäre und der brillanten Leistung eines Al Pacino. Es gibt keine auffälligen Spezialeffekte oder audiovisuelles Schickimicki. Eine Handvoll talentierter Darsteller und ein winziger Schauplatz reichen aus, um ein intensives Drama zu inszenieren, bei dem wir am Ende mit einem Kriminellen mitfühlen, leiden und sogar schwitzen.

Al Pacino in Hundstage

Da der Film sich fast ausschließlich im Eingangsbereich der Bank und auf der Straße davor abspielt, reichte ein Budget von 1,8 Millionen Dollar völlig aus. Hundstage ist ein perfektes Beispiel dafür, dass günstig nicht gleich billig bedeutet. Wenn ihr also mal wieder über das kalte Wetter jammert und euch den Sommer herbeisehnt, dann schaut euch Hundstage an und ihr werdet merken, dass die kalte Jahreszeit auch ihre Vorzüge hat.

Kennt ihr Hundstage? Wie gefällt euch Al Pacino in dem Film?

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