Mein Herz für Serie

Wie Buffy mein Leben veränderte

Sarah Michelle Gellar in Buffy - Im Bann der Dämonen
© 20th Century Fox
Sarah Michelle Gellar in Buffy - Im Bann der Dämonen

If the apocalypse comes, beep me
Es ist der 9. Oktober 1998 und ich bin elf Jahre alt. Ich habe dank eines unglücklichen Astrid Lindgren Zwischenfalls, der meine Kindheit buchtechnisch ruinierte, erst vor kurzer Zeit angefangen, freiwillig zu lesen. Ich befinde mich in einer Vampir-Phase, der erst Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen einen Pflock ins untote Herz jagen soll. Gemeinsam mit meinen Eltern sitze ich vor dem Fernseher, als der Pilotfilm einer neuen Serie läuft. Natürlich weiß ich es in diesem Moment nicht, aber mit Buffy – Im Bann der Dämonen ist mein erstes Fandom jenseits der Kindheit geboren. Wöchentlich sitze ich gebannt vor dem Fernseher und weigere mich, die Existenz anderer Menschen während der Sendezeit anzuerkennen. Ich verschlinge jedes Buch zur Serie und darüber hinaus, solange es nur eine ähnliche Thematik hat. Anstatt für die Schule zu lernen, lese ich heimlich über die Vampirjägerin, was mir mehr als einmal gewaltigen Ärger einbringt. Meine Begeisterung ist so groß, dass ich sie durch eine Website in die Weltöffentlichkeit trage, was den Grundstein meines digitalen Treibens legt, das mich von Web über Grafikdesign schließlich zur Fotografie bringt und irgendwie sogar dafür verantwortlich ist, dass ich gerade hier sitze.

In every generation there is a chosen one. She alone will stand against the vampires the demons and the forces of darkness. She is the slayer.
Einen Hang für die Wesen der Dunkelheit hatte ich schon immer, genau wie für interessante Dialoge. Überraschend ist mein Interesse an Buffy also keinesfalls. Was mich erstmals jedoch wirklich beeindruckte, ist endlich einmal eine starke Frau in einer Hauptrolle zu sehen, die Männern (und Dämonen) ordentlich in den Hintern treten kann und trotzdem nichts an Weiblichkeit einbüßt. In einem Alter, in dem ich noch nicht wusste, wer Ellen Ripley ist und Sarah Connor mir kein Begriff war, war Buffy die Antwort auf mein Flehen nach einer weiblichen Figur jenseits des rosa Disneyideals. Eine Figur, die es wert ist, sich mit ihr zu identifizieren. Damals nur wenig älter als ich, bekämpft Buffy, neben den Tücken des Teenageralltags, dunkle Mächte (Vampire! Dämonen! Lehrer!) und hat dabei immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Egal wie düster die Situation, sie schafft es, etwas Positives zu sehen. Sie kämpft für ihre Freunde, für die Menschheit und für sich selbst. Sie macht Fehler, erträg die Konsequenzen und bleibt doch stark, ohne sich selbst zu verraten.

Angelus: No weapons. No friends. No hope. Take all that away … and what’s left?
Buffy: Me.

Buffy (Sarah Michelle Gellar) tötet die Liebe ihres Lebens, um die Welt zu retten, egal wie sehr es sie innerlich zerreißt. Und sie kämpft weiter. Sie hat Freunde, die sie auffangen und die mit ihr durch die Hölle gehen. Xander (Nicholas Brendon), der liebenswerte Chaot, die computeraffine Hexe Willow (Alyson Hannigan), der zerstreute Bibliothekar/Wächter Giles (Anthony Head) und einen wechselnden Cast aus bunten, ausgefallenen Charakteren, die von größenwahnsinnigen Nerds bis hin zu Dämonen mit Angst vor Kaninchen reichen. Und natürlich ist da noch der Vampir mit der gequälten Seele: Angel (David Boreanaz). Wer meinen Pushing Daisies Artikel gelesen hat, der weiß, dass ich einen Hang für unglückliche Liebesgeschichten habe, die ab und an am Kitsch entlang balancieren, aber selten lange die Schwelle übertreten. Buffy hatte nie Zeit in diesem Gefühl zu verweilen, weil mehr als einmal der Weltuntergang drohte und der nächste Dämonen nie weit genug weg war, um sich in diesen Momenten auszuruhen.

Böse Vampire, Action, Freundschaft, Herzschmerz, Weltuntergänge, Zombies und eine weibliche Hauptfigur, die sowohl verbal als auch physisch austeilen kann: Joss Whedon hat mit buffy–im-bann-der-damonen eine Lawine ins Rollen gebracht, deren Erschütterungen noch Jahre später in der Popkultur und meinem eigenen Leben zu spüren sind. Ganz davon abgesehen, dass es kaum eine TV-Show gibt, die mit so vielen Aufsätzen und Dissertationenn im Bereich Gender-Studies von Medien- und Literaturwissenschaften aufwarten kann, war es für mich persönlich die perfekte Serie, um die Pubertät zu überstehen.

I may be dead, but I’m still pretty.
Ein Problem ist, dass ich die Serie nicht objektiv sehen kann. Für mich ist Buffy mehr eine Zeit als eine Show. Sie hat sich über meine gesamte Pubertät erstreckt und daher sind sehr viele Ereignisse unweigerlich mit ihr verknüpft, wenn sie nicht sogar durch die Serie selbst entstanden sind. Ich habe meine beste Freundin und Tätowiererin nur dank buffy–im-bann-der-damonen kennengelernt und auch meinen Berufsweg hätte ich ohne sie vielleicht nie eingeschlagen. Die Serie hat mein Leben beeinflusst, wie es einer TV-Sendung über ein Mädchen mit einem Holzpflock nicht möglich sein sollte. Ganz davon abgesehen ist Buffy etwas, das ich mir immer wieder angucken kann. Auch Jahre später fiebere ich noch mit, lache über die Witze, leide mit den Hauptfiguren. Selbst wenn ich sie heute nicht mehr mit verklärten Augen sehen kann, Fehler entdecke und Meinungen, die ich nicht teilen kann, ändert das nichts daran, dass sie eine meiner Lieblingsserien war und ist, der ich nicht leid werde.

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freakingmuse Rae Grimm
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Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen für GamePro.de und brauche dafür sehr viel Kaffee.
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