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Thank You

Wir schauen True Blood - Staffel 7, Folge 10

26.08.2014 - 08:50 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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True to the End
© HBO
True to the End
Nach sieben Staffeln tragen wir heute die HBO-Serie True Blood zu Grabe. Die finale Folge Thank You will es dabei anscheinend jedem recht machen, hinterlässt aber trotzdem einen faden Beigeschmack.

Das letzte Mal ein tief gerauntes "Sookkiiiie", das letzte Mal das erhabene Lächeln eines Wikinger-Vampirs, das letzte Mal die erfrischende Leck-mich-Attitüde von einer gewissen Mrs. Beaufort und auch das letzte Mal eine schniefende, triefende Halb-Elfe, die im Mondlicht auf dem Friedhof herum turnt: Im Vorfeld haben wir uns wohl alle viele Möglichkeiten ausgemalt, wie das große Finale von True Blood aussehen könnte und voilà - da haben wir es nun. Trotz der vielen Schwächen, die uns im Verlauf der siebten Staffel über den Weg gelaufen sind, gestaltet sich der endgültige Abschied doch etwas wehmütig. Vor allem weil es zum Schluss womöglich nicht das Ende war, das wir uns für Sookie, Bill, Jessica, Eric und Pam erhofft hatten.

Was passiert: Teamwork war noch nie so richtig Erics (Alexander Skarsgård) Ding. Nachdem wir uns schon die ganzen letzten Episoden gefragt haben, warum der tausend Jahre alte Super-Vampir nicht einfach seine zwielichtigen Kooperations-Partner in Stücke reißt, kommen wir nun endlich in Thank You in diesen Genuss. Das Genie und notorische Einzelkind hatte schon immer seine Probleme mit dem Teilen, weswegen er auch den kommenden Erfolg von NuBlood für sich beanspruchen möchte. Zusammen mit Pam (Kristin Bauer) heckt er also einen - nicht sonderlich kreativen, aber effektiven - Plan aus und befördert Mr. Gus und sein Gefolge ins Jenseits. Pam hat derweil den Vampir-Trekking-Modus bei Sarah Newlin (Anna Camp) aktiviert und lässt selbige vorerst laufen, nur um sie letztendlich für die Herstellung des neuen, synthetischen Blutes als Sklavin zu halten. Da helfen auch Sarahs neuerliche Annäherungsversuche gegenüber der taffen Vampirin nicht, die sie halb lasziv, halb unschuldig zur Sprache bringt. Ihre Bitte, sie selbst auch in einen Blutsauger zu verwandeln, lehnt Pam amüsiert ab. Sie hat offensichtlich andere Pläne für den selbst ernannten Messias.

Ganz harmonisch geht es hingegen im Hause Compton zu. Jessica (Deborah Ann Woll) und Hoyt sind wieder glücklich vereint und wollen ihre Liebe zelebrieren, solange Bill (Stephen Moyer) noch unter ihnen weilt. In Windeseile wird also eine Hochzeit auf die Beine gestellt, bei der Sookie (Anna Paquin) und ihr Bruder Jason (Ryan Kwanten) als Trauzeugen auftreten. An dem freudigen Ereignis nehmen außerdem Holly, Arlene und Andy teil, der die Zeremonie letztendlich vollzieht. Bill regelt außerdem noch mit dem Sheriff, dass sein ehemaliger Abkömmling und der frisch gebackene Ehemann in Zukunft in seinem trautem Heim leben können.

Kill Bill
Das Hauptaugenmerk der finalen Episode liegt auf Bills Ende und Sookies innerem Kampf, ihren On/Off-Freund bei seiner Erlösung zu helfen oder nicht. Bill versucht einmal mehr, der verletzten Elfe seine Entscheidung zu erklären. Denn nur ohne ihn kann sie ein normales, menschliches Leben führen und den Vampiren dieser Welt für immer den Laufpass geben. So bittet der Vampir Sookie, ihn mit ihrer magischen (und tödlichen) Energiekugel dem wahren Tod zuzuführen. Mit diesem Akt könnte sich Sookie zugleich von den Blutsaugern, als auch von ihrem Dasein als Elfe verabschieden. Doch da sie damit einen Teil ihrer Persönlichkeit aufgeben würde (und mal ganz davon abgesehen künftigen Gefahren gegenüber völlig wehrlos wäre - klasse Idee, Ego-Bill), entscheidet sich Sookie gegen den Einsatz ihrer magischen Kräfte. Sie wählt die klassische Methode und haut kurzerhand eine Schaufel in zwei und jagt ihm das eine Ende in seine Brust - nach einem nicht enden wollenden Abschieds-Dialog in Bills Sarg versteht sich. Und dann sitzt Sookie, wie schon so oft zuvor in dieser Serie, in einer Pfütze aus Vampirblut und Gedärmen und betrauert ihre einzig wahre Liebe. Zuschütten muss sie das Grab dann übrigens mit ihren blutüberströmten Händen, weil sie die einzige Schaufel weit und breit demoliert und zum Vampirdurchbohren entfremdet hat.

Was die Zukunft bringt
Im Anschluss folgen mehrere Zeitsprünge, die uns von dem Wohlergehen der verbliebenen Charaktere in Kenntnis setzen sollen. Das NewBlood-Imperium von Eric Northman und Pam de Beaufort wächst von einer simplen Verkaufs-Show zu einem Börsen-Giganten, die den beiden mehr Kohle beschert, als sie in ihrem Vampirleben ausgeben können. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei im hauseigenen Keller des Fangtasia. Sarah Newlin befindet sich dort immer noch angekettet in den Händen von Pam, die aus ihr tatsächlich die teuerste Prostituierte der Welt gemacht hat. Schlappe 100.000 Euro müssen Vampire für einen kleinen Biss in die heilende Kehle der Blondine blechen. Ihr Dasein als Messias hat sich die Gute sicherlich anders vorgestellt.

Doch Sarah Newlin ist tatsächlich die einzige der Überlebenden, die nicht unbedingt glücklich aus dem Finale von True Blood hervorgeht. Der Rest des Main Cast sitzt nach etwa fünf Jahren freudestahlend und ausgelassen an einer übergroßen Thanksgiving-Tafel und genießt das Leben in vollen Zügen. Lafayette und James turteln immer noch genau wie das Ehepaar Jessica und Hoyt Fortenberry. Jason hat mit dessen Ex Bridget in der kurzen Zeit eine halbe Fußballmannschaft gezeugt und auch seine Schwester Sookie ist in freudiger Erwartung. Wer allerdings nach all den übernatürlichen Beziehungspartnern nun ihr Bett teilt, können wir nicht wirklich in Erfahrung bringen. Denn ihren vermeintlichen Lebensgefährten sehen wir nur von hinten. Eine beachtliche Ähnlichkeit mit Werwolf Alcide ist dabei aber nicht abzustreiten.

True to the End?
So hart es auch klingen mag, aber die vergangenen Folgen von True Blood sind das beste Beispiel dafür, dass man aufhören sollte, wenn es am schönsten ist. Im Falle der Vampirserie liegt dieser Punkt schon eine ganze Weile zurück. Denn die finale Staffel hat allerhöchstens in minimalen Ansätzen gezeigt, was einst den Charme der Serie auszeichnete. Die Episode Thank You hat da keine Ausnahme gemacht. Langwierige und unnötige Dialoge überschatteten die letzten, noch im Ansatz interessanten Handlungsstränge in Bon Temps. Und dazu gehört keinesfalls die Hochzeit von Mr. und Mrs. Fortenberry, die nicht nur absolut weit hergeholt und irgendwie doof, sondern auch einfach brutal langweilig war. Und zu allem Überfluss übertrug sich diese Banalität auf die gesamte letzte Folge. Diese war so gefühllos und öde gestaltet, dass ich teilweise gar nicht bemerkt habe, wie ich minutenlang abgeschweift bin. (Nur zur Information: Das passiert mir sehr selten.) 

Egal wie hirnrissig, unlogisch und vollkommen bekloppt True Blood in den vergangenen sechs Jahren auch gewesen sein mag, wir können nicht bestreiten, dass die Serie (bis zu einem bestimmten Zeitpunkt vor etwa zehn Episoden) niemals langweilig war. Stets wussten die Macher um Alan Ball, der bedauerlicherweise nach der fünften Staffel ausstieg, ihr Publikum zu unterhalten und zum Lachen zu bringen. Das hatte zumeist nichts mit ausgeklügelten narrativen Kniffs oder gar mit einer gewissen Qualität zu tun, sondern schlichtweg mit der einfachen Freude am Fernsehen. Bedauerlich, dass die finale Staffel der Vampirserie nun einen solch faden Beigeschmack verleiht.

Was bleibt
Wenn es nach mir geht, sollten wir uns in Zukunft nicht an die letzten Episoden von True Blood erinnern, die oftmals nur aus aneinander gereihten Dialogen ohne tieferen Sinn und Zweck bestanden. Viel mehr sollten wir die Vampirgottheit Billith im Gedächtnis behalten, die neben den coolsten Superkräften der Serie den drögen Vampir Bill außerdem für kurze Zeit einen gewissen Coolness-Faktor verlieh. Nicht aus dem Kopf gehen wird mir auch die herrliche Sarah Newlin, die mit einem Stöckelschuh wahrhaftig das Hirn einer Konkurrentin aus dem Schädel hämmerte. Das viele Blut, die vielen schleimigen Vampirgedärme, der immer nackte Alcide, das Gemächt von Eric fucking Northman, Pam, Pam und immer wieder Pam, plus jede Menge abgefahrenen Sex - all das kann uns keiner mehr nehmen. Thank You, True Blood.

Wie steht ihr zu der letzten Episode von True Blood?

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