Der Schamane und die Schlange - Kritik

El abrazo de la serpiente / AT: Embrace of the Serpent

CO/AR/VE · 2015 · Laufzeit 125 Minuten · FSK 12 · Abenteuerfilm, Drama · Kinostart
Du
  • 8 .5

    "Was Embrace of the Serpent einzigartig macht, ist aber nicht der Plot, sondern der magische Sog, der den Zuschauer nicht nur in den Amazonas blicken lässt, sondern ihn regelrecht dorthin transportiert. Guerra gelingt dies dank einiger stilistischer Kunstgriffe, aber auch mithilfe der atemberaubenden Erhabenheit der Natur: Üppige dichte Wälder, majestätische kahle Berge und die unbändige Wildheit des Wassers versetzen den Betrachter in einen Zustand des Staunens, der die Differenz zwischen Abbildung und Abgebildetem vergessen lässt." [Martin Gobbin]

    • 8

      [...] Die 30 Jahre auseinanderliegenden Stränge verflechtet der kolumbianische Regisseur geschickt ineinander und so verleiht er der zunächst simpel anmutenden Geschichte zusätzliche Würze. Indem er beide Ebenen durch den Schamanen Karamakate verbindet und nach und nach die selben Stationen des Dschungel abklappert, macht der Film eindrucksvoll deutlich, wie wenig sich der Wald und wie sehr sich der Mensch verändert. Denn neben seiner charakterorientierten Erzählung und der Entwicklung Karamakates vermittelt „Der Schamane und die Schlange“ vor allem die Wichtigkeit traditioneller Werte. Völlig unaufgeregt und ohne mit der Moralkeule zu schwingen, erklärt der Film seinen Zuschauern die Bedeutung von Nachhaltigkeit, den Stellenwert von Natur und macht zugleich auch deutlich, dass Fortschritt keinesfalls negativ behaftet sein muss. In seiner formalen Prägnanz verteufelt der Regisseur nie eine der beiden Seiten, sondern stellt Veränderung final als etwas Unabwendbares und dadurch auch wichtiges heraus. [...] Die Reise ins Herzen des Urwalds wandelt sich zusehends zu einer Reise ins eigene Ich. Die Suche nach einer seltenen Pflanze ist gleichsam die Suche nach der eigenen Identität. Das funktioniert nicht bei allen Figuren auf die gleiche Art, und doch müssen alle Charaktere in sich gehen. Beim Schamanen Karamakate ist es die Interaktion mit anderen Individuen, jahrelang für sich allein zwingt ihn jeder Kontakt, jegliche Art von Kommunikation zur Selbstreflexion. Die Gesellschaft anderer Menschen hält ihm den Spiegel vor. Ganz anders bei den beiden Forschern. Während der eine vor allem aufgrund seiner schweren Krankheit und des immer wieder auftretenden Fieberwahns zur Auseinandersetzung mit sich selbst gezwungen wird, ist es bei dem anderen die omnipräsente Erscheinung des Urwalds, welche ihn tiefer in sich selbst führt. Interessant ist auch, wie sich beide zunächst an ihren Besitz, ihrer einzigen Verbindung zur Heimat festklammern und diesen dann bei wachsender Erkenntnis doch aufgeben. [...]

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      • 9

        (...) Ciro Guerras Schwarz-Weiß-Film nimmt in der heutigen Kinolandschaft eine singuläre Stellung ein: eine monumentale Filmerfahrung, vergleichbar allenfalls mit Werner Herzogs "Aguirre, der Zorn Gottes" oder "Apocalypse Now". Guerra spürt den Mythen der indigenen Völker Südamerikas nach, gleichzeitig sticht er wütend in die offene Wunde namens Kolonialismus: Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts begegnet der Schamane Karamakate, der die Wissenschaftler begleitet, Besuchern aus der "zivilisierten" Welt mit Skepsis - 40 Jahre später ist er der letzte Überlebende seines Stammes, entwurzelt und seiner Identität beraubt. Der Film taucht tief ein ins Herz der Finsternis - immer an den Windungen des sich scheinbar ins Unendliche schlängelnden Flusses entlang, vorbei an vernebelten Berggipfeln und dem Dickicht des Urwaldes, dessen Farben man spüren kann, obwohl doch nirgends Farben zu sehen sind. Alles hier ist fremd und unendlich vertraut zugleich, wie es, ja, sonst nur in Träumen der Fall ist. Ein vielschichtiges Meisterwerk, das uns endlich wieder ungebrochen staunen lässt - über den großen grenzenlosen Traum, der Kino heißt.

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        • 8

          Kolumbiens Oscar-Beitrag Der Schamane und die Schlange erstaunt mit traumhaften Schwarzweiss-Bildern und einer selten erzählten Geschichte. [Flavia Giorgetta]

          • 8

            Aus der parallelen Erzählung der zwei Expeditionen gewinnt der Film seine besondere Spannung, wobei es ihm gelingt, das Phänomen des Kolonialismus in neuen und überraschenden Facetten aufzuschlüsseln. [Barbara Schweizerhof]

            • 8 .5

              Der Schamane und die Schlange ist ein Roadmovie mit Kanu, das gemächlich dahintreibt und ungeachtet etwaiger Zwischenstopps eine hypnotische Sogwirkung entwickelt. [Andrey Arnold]

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              • 8 .5

                Der junge Karamakate (Nilbio Torres) ist eine der eindrucksvollsten Gestalten, die das Weltkino der jüngsten Zeit hervorgebracht hat. [Andreas Busche]

                • 9

                  Hochgradig spannend und in fesselnden Schwarzweißbildern erzählt Ciro Guerras Abenteuerfilm von einer verlorenen Welt, in der sich Gegenwart und Vergangenheit, Mythos, Rausch und Realität begegnen und mischen. [Gaby Sikorski]

                  • 9

                    Die Reise des jungen und des alten Karamakate ist ein hypnotisierender Trip, eingefangen in Bildern von überwältigender Schönheit. [Sven Hauberg]

                    • 8 .5

                      Ganz bewusst verzichtet Ciro Guerra auf einen chronologischen Handlungsverlauf, mischt Historie mit Legende, Vergangenheit und Gegenwart, Realität mit Fiktion, wobei er den Zuschauer auf faszinierende Weise wachrüttelt. [Burkhard Birke]

                      • 8

                        Dass [...] ein wenig zu viel von "Loslassen" und "Du musst herausfinden, wer du bist" geredet wird in diesem an sich dialogarmen Film, das nervt, wird aber durch die magischen Schwarz-Weiß-Bilder ausgeglichen. [Hartwig Tegeler]

                        • 8 .5

                          Die gestochen scharfen Schwarz-Weiß-Bilder, mit denen Guerra und sein Kameramann David Gallego das kleinste Kräuseln des Wassers und die leiseste Bewegung von Blättern festhalten, verleihen diesem Film eine durchdringende Klarheit. [Michael Pekler]

                          • 8

                            Eine Reise ins Amazonasgebiet wird für zwei Wissenschaftler, begleitet von einem weisen Schamanen, zum Selbstfindungtrip. Großartig fotografiert, schildert der Film auf nüchterne Weise die Auswirkungen von Kolonialismus und Missionierung. [Kai Mihm]

                            • 9 .5

                              Embrace of the Serpent des kolumbianischen Regisseur Ciro Guerra ist ein echte Wucht, eine Flussfahrt, die einen fasziniert und fordert [...]. [Alan Scherstuhl]

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                              • 9

                                Wunderschön, skurril, verstörend - Embrace of the Serpent ist ein Film mit vielen Gesichtern. [Kenneth Turan]

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                                • 9

                                  Embrace of the Serpent ist ein fantastischer Mix aus Mythen und wahrer Geschichte [...]. [Stephen Holden]

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