We Need to Talk About Kevin - Kritik

GB/US 2011 Laufzeit 110 Minuten, FSK 16, Drama, Thriller, Kinostart 16.08.2012

Setze We Need to Talk About Kevin auf die Merkliste und wir sorgen dafür, dass du keine News zum Film mehr verpasst!

Was moviepilot noch bietet: Mach die TOUR.
Melde dich an!

Setze We Need to Talk About Kevin auf die Merkliste und wir sorgen dafür, dass du keine News zum Film mehr verpasst!
Auf Merkliste

Kritiken (23) — Film: We Need to Talk About Kevin

Xander8112: Xanders Blog

Kommentar löschen
8.0Ausgezeichnet

[...]
Mit Kindern die Kevin heißen hat man es nicht leicht. “We need to talk about Kevin” ist ein Drama, welches noch lange nachwirkt und bewusst auf eindeutige Erklärungen verzichtet. Somit bleibt es dem Zuschauer überlassen zu entscheiden, wie es zu dieser Tat kommen konnte.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

SoulReaver: CinemaForever

Kommentar löschen
8.0Ausgezeichnet

[...] „We Need to Talk About Kevin“ dreht sich nie um die grauenhafte Tat, die der verlorene Sohn begehen wird. Hier geht es um die Mutter des unausstehlichen „Problemkind“, um ihr Umfeld, um ihren bebenden Seelenkrieg und um die tonnenschweren Lasten, die sie mit aller Macht stemmen wollte, nur um noch tiefer in den persönlichen und gesellschaftlichen Abgrund zu stürzen. Die familiären Diskrepanzen werden hin und wieder durch einfaches Wunschdenken verleugnet, während die moralischen wie pädagogischen Verhaltensmuster immer schwerwiegender in die zweischneidige Doppeldeutigkeit verdrängt werden.

Kritik im Original 20 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 9 Antworten

Le Samourai

Antwort löschen

Wunderbarer Text, Bruder! Und noch ein Pünktchen draufgepackt? Sehr schön! ;)


SoulReaver

Antwort löschen

@Punsha Ach, Augen zu und durch. Bedanke mich!
@Jenny Nee, macht er sich zum Glück auch nicht, auch wenn das Verhalten von Kevin hier und da passend als das von einem Monster bezeichnet werden kann. Und danke auch dir!
@Sam Jap, hab mir einige Szenen nochmal angeschaut und joa, dann stand ich bei 8. Passt. Und DANKE! :D


Batzman: moviepilot / Fünf Filmfreunde

Kommentar löschen
8.0Ausgezeichnet

Ein brillant gespieler Film mit einer herausragenden Besetzung, der ratlos zurücklässt. Die verschiedenen Kevin-Darsteller machen ihre Sache hervorragend, schaffen es aber ebenfalls, diesen Jungen ohne einen Funken Sympathie zu skizzieren. Kevin hat ganz sicher große emotionale Probleme, aber es fällt schwer Mitleid mit ihm zu haben oder sich tatsächlich in ihn einzufühlen. Mit diabolischer Zielstrebigkeit intrigiert er gegen seine überforderte Mutter, zieht seinen Vater auf seine Seite und beobachtet seine Umwelt mit dem distanzierten Interesse eines Insektenforschers, der einen Ameisenhügel anschaut. Ezra Miller als ältere Kevin-Version lässt erschauern, wenn er absolut gefühlskalt Tilda Swinton auflaufen lässt, die sich beständig bemüht zu verstehen warum ihr Sohn so ist, wie er ist.

John C. Reilly, der sich zunehmend auch in ernsten Rollen profiliert, ist der Vater der im Grunde seine Ruhe will. Der Glaubt seine Frau würde überdramatisieren und der so seinen Teil zum Drama beiträgt. Denn der Film erzählt ebenso die Geschichte der Kommunikationsunfähigkeit der Eltern, wie die des gestörten Kindes.

Regisseurin Lynne Ramsey erzählt ihre Story mit gnadenloser Konsequenz, in präzisen, oft distanziert-beobachtenden Bildern die sich selten mit ihren Figuren gemein machen. Sie bietet keine Antworten, keine einfachen Lösungen und macht den Film dadurch nicht eben einfach anzusehen. We need to talk about Kevin fasziniert, fesselt und lässt trotzdem mit dem Gefühl zurück, dass man ihn so schnell nicht noch einmal sehen möchte.

Kritik im Original 7 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

TheCorey: MovieMaze

Kommentar löschen
8.0Ausgezeichnet

Lynne Ramsays Film lebt von dem terroristischen Beziehungsverhältnis zwischen Mutter und Sohn, das dem Film bisweilen etwas Horrorartiges verleiht. Das Resultat ist ein spannender Film über Liebe und Hass, über Schuld und Sühne, dabei über die gesamte Laufzeit großartiges Schauspielkino des gesamten Ensembles. Insbesondere Tilda Swinton sticht natürlich hervor, deren gepeinigte Eva Dreh- und Angelpunkt des Films ist. Nicht minder herausragend sind jedoch auch die Kameraarbeit und Bildkomposition sowie generell die Mise-en-scène. Prinzipiell ist Ramsays Film also ein zwischenmenschliches Familiendrama, bisweilen mit Zügen eines Psychohorrorfilms und dabei stets faszinierend, selbst wenn einiges zu Gunsten der Dramatisierung überzogen scheint.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Oceanic6: CinemaForever

Kommentar löschen
3.0Schwach

Wie wird ein Jugendlicher zum rücksichtslosen Amokläufer? Was muss in seiner Kindheit schief gelaufen sein, dass er ohne Hemmungen eiskalt seine Schulkameraden mit einem Sportbogen erschießt? Ein in der Tat spannendes Thema, aus dem sehr viel hätte rausgeholt werden können. Abgesehen von der spitzenmäßigen Inszenierung, die im Kontext allerdings überhaupt keinen Sinn ergibt - da wollte wohl jemand einen auf Roeg machen - gibt es jedoch nicht viel, was an "We Need To Talk About Kevin" lobenswert ist. Swintons und Reillys Schauspiel ist nett mit anzusehen, kann allerdings zu keinem Zeitpunkt die blödsinnige Charakterzeichung, die Naivität der Eltern im Angesicht der Entwicklung ihres Sohnes, überdecken. Spätestens, als sich dieser einen Karton voller riesiger Schlösser bestellt, sollten doch auch bei den zurückgebliebensten Eltern die Alarmglocken läuten. Dass sich der Film zudem weder mit seinen Protagonisten, anscheinend ist der Junge einfach von Geburt an gestört, noch mit der Untauglichkeit des Elternseins auseinandersetzt, macht dieses Drama nur noch ungenießbarer. Selten wurde an einem Thema dermaßen vorbeigeschrieben. Das aussöhnende Ende bildet dabei den Gipfel dieser einfältigen zwei Stunden, die nichts außer platten Erklärungen und nerviger Symbolhaftigkeit zu bieten haben.

14 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 11 Antworten

johnboy1979

Antwort löschen

100% deckungsgleich! :)


Le Samourai

Antwort löschen

Haben wir nen unterschiedlichen Film gesehen?


Flibbo: Wie ist der Film?

Kommentar löschen
7.0Sehenswert

[...] Die tragische Geschichte ist als Puzzle präsentiert, dessen wichtigstes Teil erst gegen Ende eingesetzt wird, was zum einen die innere Zerrissenheit der Protagonistin wiederspiegelt, zum anderen für Suspense und Beklemmung sorgt. So kann das Publikum den Horror der scheiternden Kindeserziehung mitfühlen und bleibt am Ball. Ramsay wählt hierfür schlichte aber mit Bedacht komponierte, oft symbolträchtige Bilder, musikalisch entsprechend untermalt von Radiohead-Mitglied Johnny Greenwood und einem dezent ironischen Soundtrack. Die Farbe Rot zieht sich wie der gleichnamige Faden durch die Handlung, als Akte der Wut, als Warnung, als Zeichen der Liebe – eine unberechenbare Mischung, die die Mutter-Sohn-Beziehung, um die es geht, treffend beschreibt. [...]

Kritik im Original 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Diemuth Schmidt: Radio Köln Diemuth Schmidt: Radio Köln

Kommentar löschen
8.5Ausgezeichnet

Regisseurin Lynne Ramsay rollt das Drama geschickt mit provokativer moralischer Doppeldeutigkeit von hinten auf. [...] In Rückblenden erzählt die schottische Regisseurin [...] raffiniert und spannend Evas Geschichte. [...] Seit Omen hat einem kein anderer Junge einen solchen Schauer über den Rücken gejagt wie Kevin.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Oliver Kaever: Programmkino Oliver Kaever: Programmkino

Kommentar löschen
8.0Ausgezeichnet

Zunehmend gewinnen die[...] Rückblenden an Unheimlichkeit; lange war im Kino kein derart bösartiges Kind mehr zu sehen. [...] In der Form eines Thrillers bleibt der Film also den bohrenden Fragen des Romans treu.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Günter H. Jekubzik: Filmtabs.de Günter H. Jekubzik: Filmtabs.de

Kommentar löschen
8.5Ausgezeichnet

Lynne Ramsay legt ihr in vieler Hinsicht packendes und Fragen aufwerfendes Drama - nach Lionel Shrivers Roman Wir müssen über Kevin reden - berauschend und erschlagend an. Inhaltlich wie formal. Ein gewaltiges Kino-Stück!

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

P. Wellinski: Filmszene.de P. Wellinski: Filmszene.de

Kommentar löschen
8.5Ausgezeichnet

Wirklich überzeugend ist We need to talk about Kevin [...], weil er niemals versucht billige Antworten auf seine drängenden Fragen zu geben. Damit umgeht Ramsay geschickt unnötige Psychologisierungsversuche, die im Kino fast immer einen unguten Beigeschmack von Vereinfachung bekommen. Diese Weigerung macht aus ihrem Film eine hochspannende Reflexion über die Ursachen des Bösen im Menschen.

Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Hannelore Heider: Deutschland Radio Hannelore Heider: Deutschland Radio

Kommentar löschen
7.5Sehenswert

Damit stellt der Film mit brutaler Direktheit eines der letzten Tabus ohne Ausflüchte und Umwege ins Zentrum. Er erzählt ruhig, aber das was sich Menschen hier antun, welche Höllenqualen sich in Seelen abspielen können, reißt die Farbe Rot in vielen Szenen immer wieder auf - als Provokation und moralische Herausforderung für den Zuschauer.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Ulrike Frick: BR Ulrike Frick: BR

Kommentar löschen
10.0Herausragend

Packend! [...] In stark kondensierten Rückblicken versucht Ramsay eine Erklärung für Kevins Tat und macht die Abgründe seiner Seele sichtbar. Schon dieses Bemühens wegen ist We need to talk about Kevin ein filmischer Gegenentwurf zu Gus Van Sants Elephant und erinnert eher an den aktuellen deutschen Beitrag zum Thema, Aelrun Goettes ähnlich beklemmenden Ein Jahr nach Morgen.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

José Garcia: Textezumfilm

Kommentar löschen

Mit kunstvollen Schnitten und durch die durchdachte Einbeziehung von Traumsequenzen und Rückblenden bedingten, suggestiven Zeitsprüngen schafft „We need talk about Kevin“ einen Reflexionsraum für die entscheidende Schuldfrage. Zwar sperrt sich der Film gegen eindeutige Erklärungen. „Warum? Ich dachte, ich wüsste es, bin mir aber nicht mehr sicher“, sagt etwa der 16-jährige Kevin auf die Frage seiner Mutter. Das psychologische Duell zwischen dem Kind und der Mutter, das Ramsay in pointierten Szenen immer wieder in den Mittelpunkt rückt, verdeutlicht jedoch, dass Mutter und Sohn bei aller Fremdheit und Sprachlosigkeit auch nicht so unterschiedlich sind. Die Inszenierung spielt sogar hin und wieder mit Spiegelungen, die darauf hinweisen, dass Kevin ihm die von seiner Mutter zugedachte Rolle eines „Störenfrieds“ einfach mit brachialer Gewalt zu Ende spielt. In diesem Kontext ist ebenfalls die Rolle des Vaters zu werten, der die Warnungen seiner Frau in den Wind schlägt und Kevins problematische Züge gar nicht wahrnehmen will. Insofern nimmt „We need talk about Kevin“ eine gesellschaftskritische Haltung gegenüber denjenigen ein, die aus Egoismus ein Kind als „Eindringling behandeln“.

Über die kunstvolle, manchmal jedoch eine Spur zu künstliche Inszenierung hinaus beeindrucken insbesondere die Schauspieler. Tilda Swinton verkörpert die völlig überforderte Mutter auf überaus überzeugende Weise. Von der postpartalen Depression über ihre Versuche, Verständnis für das sie immer wieder zurückweisende Verhalten ihres Sohnes, bis hin zu den Schuldzuweisungen – Swinton gestaltet all diese Empfindungen authentisch. Das gleiche gilt auch für den Kinderdarsteller Jasper Newell und insbesondere auch für Ezra Miller, der die Abneigung des 16-jährigens Kevin gegen seine Familie und gegen die Gesellschaft vor allem mit verächtlichen Blicken und minimalistischen Gesten ohne zu chargieren darstellt.

Kritik im Original 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte... Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte...

Kommentar löschen
7.5Sehenswert

Die Schottin Lynne Ramsay inszeniert einen schockierenden Horrortrip nach dem gleichnamigen Roman der US-Autorin Lionel Shriver und knüpft mit ihrem Film thematisch an Gus van Sants preisgekröntes Drama "Elephant" an. Während jedoch letzterer detailliert die Vorbereitungen zu einem Schulmassaker dokumentiert, konfrontiert Ramsay ihre Zuschauer mit provokanten, unbequemen Fragen, die vor allem die Rolle der Mutter betreffen: Darf sie ihr Kind nicht lieben?
Tilda Swinton spielt eine Mutter, die ihr Kind nicht liebt. Eva kann gewisse negative Empfindungen nicht leugnen. Einmal parkt sie den Kinderwagen an einer Baustelle, damit der Lärm das Babygeschrei übertönt, ein anderes Mal bricht sie dem kleinen Rebellen in Weißglut versehentlich den Arm. Großartig, wie Hauptdarstellerin Tilda Swinton diese ambivalente Figur anlegt, gleichsam als eine Mater Dolorosa und Kriegerin, zerbrechlich und stark, hin- und her gerissen zwischen Wut und Schuldgefühlen.
Dazu passt es, dass Regisseurin Ramsay die Ereignisse nüchtern in traumartigen Rückblenden inszeniert. Es sind sehr eindrucksvolle, teils auch bizarre, surreale Bilder, dominiert von roten Flüssigkeiten aller Arten. In jeder Hinsicht ist "We need to talk about Kevin" somit eine packende, verstörende Melange aus Familiendrama, Charakterstudie und Psychothriller.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

BuzzG: filmfutter.com, kino-zeit.d...

Kommentar löschen
9.0Herausragend

Durch Evas Augen erleben wir Kevin, und wir finden nichts in ihm, was man als Zeichen echter Liebe oder Zuneigung deuten könnte. Nur einen Moment lang, Kevin ist krank, flammt in der Frau die Hoffnung auf, der Junge verfüge doch über eine Schwachstelle, einen weichen Kern, tief in sich begraben. Dieser Film ist kein hitziges Plädoyer an die Eltern – „Passt auf eure Kinder auf, sonst erzieht ihr sie zu Monstern!“ -, sondern das Portrait einer Mutter, die ihrer (zu frühen) Verantwortung mit gemischten Gefühlen entgegengetreten und trotz aller ehrlicher Bemühungen an ihrer Bürde zerbrochen ist. Ihr innerer Kampf, ihre quälende Liebe ihrem verlorenen Sohn gegenüber, erinnert an das Ende von Roman Polanskis „Rosemary’s Baby“ (1968), wenn Mia Farrow trotz ihrer Abscheu schließlich an die Wiege ihrer Höllengeburt tritt und sie schaukelt.
[...]
„We Need To Talk About Kevin“ ist geschmackvoll inszeniertes, brillant gespieltes, aufwühlendes Kino, das uns keine einfachen Lösungen anbietet, sondern abermals unangenehme Fragen aufwirft. Vielleicht möchte man anfangs noch über die fast putzigen Streiche des „Titelhelden“ schmunzeln – bis man letztlich feststellen muss, dass hinter diesem Schabernack kein kindlicher Spieltrieb, sondern eine unheimliche, berechnende Leere steckt…

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

goodspeed: ANIch / UFA / KultHt.de / O...

Kommentar löschen
9.0Herausragend

Das Gespräch über Kevin erwies sich als zermürbende Konfrontation zwischen Mutter und Kind. Eine smarte psychologische Umkehrung der kausalen Frage nach Ursache, Wirkung - und Liebe. Roman Polanski trifft auf Gus van Sant. Hier geht es nicht bloß um Rosmarie und ihr Baby, sondern um Rosmaries persönliche Hölle, nach dem ihr Spross die Welt in den Abgrund stürzte.

Kritik im Original 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Owen Gleiberman: Entertainment Weekly Owen Gleiberman: Entertainment Weekly

Kommentar löschen
6.5Ganz gut

We Need to Talk About Kevin ist unheimlich, hat aber weder Konsistenz noch Tiefe. Er ist wie Das Omen, unter Regie von Miranda July.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

SiameseMax: SiameseMovies

Kommentar löschen
7.5Sehenswert

Oberflächlich betrachtet ist die Roman-Adaption „We Need to Talk About Kevin“ von der ersten Sekunde an tadellos inszeniertes Kino. Bereits im Rahmen der reichlich verwirrenden Eröffnungssequenz meint es Regisseurin Lynne Ramsey beinahe etwas zu gut mit optischer Symbolik, und präsentiert uns direkt in der Exposition den buchstäblich vielleicht rotesten Faden seit Donald Sutherland in „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (1973) dem vermeintlichen Zwerg mit dem roten Mantel durch die verworrenen Gassen Venedigs folgte. Auch die Metaphern des Auges und der Zielscheibe, die in einer Szene sogar zu einer bedeutungsschwangeren Symbiose verschmelzen, sind geradezu allgegenwärtig in dem betont unchronologischen, montage-artig eher gezeigten als erzählten und mit dem grandiosen, wenn auch ab und an ebenfalls etwas zu aufdringlich untergemischten Score des Radiohead-Musikers Jonny Greenwood vertonten Sinfonie eines schrecklichen Verbrechens, für welches schon oft allzu leichtfertig Sündenböcke gesucht und gefunden wurden und das trotzdem nie verstanden werden konnte, und wohl auch nie verstanden werden kann.[...]

Kritik im Original 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Leslie Felperin: Variety Leslie Felperin: Variety

Kommentar löschen
8.5Ausgezeichnet

Tilda Swinton ist in jeder Szene präsent und lässt so keinen Zweifel daran, dass alles Sichtbare durch ihr Bewusstsein gefiltert wurde. Sie liefert in We Need to Talk About Kevin eine derart umwerfende Leistung, dass ihre Darstellung zu ihren bisher besten Arbeiten gehört.

Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Liam Lacey: Globe and Mail Liam Lacey: Globe and Mail

Kommentar löschen
5.5Geht so

Evas Leben hat zwar einen Verlauf, der einer griechischen Tragödie würdig wäre, doch ihre psychologische Glaubwürdigkeit wird von der Darstellung Kevins unterwandert.

Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Kirk Honeycutt: Hollywood Reporter

Kommentar löschen
6.5Ganz gut

We Need to Talk About Kevin ist ein Film, über den man nachdenken und diskutieren kann, aber keiner, den man wirklich gern hat.

Kritik im Original 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Andrew O'Hehir: Salon.com Andrew O'Hehir: Salon.com

Kommentar löschen
8.5Ausgezeichnet

Das ist der Film, den Michael Haneke und Lars von Trier gemeinsam gedreht hätten, wenn sie sich schon zu Beginn der Dreharbeiten mit Pilzen und Hustensaft abgeschossen hätten.

Kritik im Original 5 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Cristina Nord: taz Cristina Nord: taz

Kommentar löschen
6.5Ganz gut

"We Need to Talk about Kevin" ist beeindruckend als Studie einer missglückten Mutterliebe.Der Film lässt keine Rätsel, nur eine Art Unbehagen: Wie ernst nimmt der Film seine Suggestion, dass aus einer scheiternden Mutter-Kind-Beziehung ein Massenmörder hervorgeht?

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten


Kommentare (84) — Film: We Need to Talk About Kevin


Sortierung

Kurono

Kommentar löschen
Bewertung3.0Schwach

I need to talk about „We need to talk about Kevin“, denn irgendwie funktioniert der Film für mich nicht so recht.
Man weiß zwar schon früh worauf alles hinausläuft, aber man kann keine kausalen Zusammenhänge erkennen wie es dazu kommt. Ab welchen Punkt läuft was falsch? Was hätte man, wie anders machen müssen um die Tragödie zu vermeiden?
Wenn es denn einen Wendepunkt gibt, so ist es die Zeugung von Kevin. Dieser scheint nämlich der geborene Psychopath zu sein. Hier ist auch mein Hauptproblem, Kevin ist kein Charakter sondern vielmehr das Schicksal der übrigen Charaktere.
Die fehlenden bzw. nicht nachvollziehbaren Motive des „Nichtcharakters“ werden dann zum eigentlichen Drama aufgeblasen, man zerbricht regelrecht an der Sinnlosigkeit des Lebens, wie tragisch!
Am Ende lehnt sich der Film selbstgefällig zurück und fragt uns: „Na habt ihrs gemerkt? Ich heiße genauso wie das, was die Eltern hätten tun sollen, es aber nie so wirklich getan haben. Ist das nicht clever und gleichzeitig ein bisschen zynisch?“
-Nein, finde ich nicht.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten

Mr. Goodkat

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

„We need to talk about Kevin“ ist nicht der Name eines weiteren, heißerwarteten Sequels von „Kevin - Allein zu Haus“, sondern eines authentischen Familiendramas, das sehr viele Fragen aufwirft:
Ist das Verhalten des Kindes Produkt der gefühlskalten Erziehung oder werden manche Kinder einfach böse geboren? Ist es gar eine sich gänzlich in den Augen der Mutter abspielende Manifestation von Ablehnung und Unvermögen, einen Zugang zum eigenen Kind zu finden? Einer Mutter, die offensichtlich überfordert ist und in jedem noch so geringen Fehlverhalten des Kindes einen Akt des Hasses gegen sich aufkommen sieht? War das Kinderkriegen möglicherweise zu unüberlegt und zu vorschnell und wird die Mutter nun von Konjunktiv-Fragen geplagt? Was wäre gewesen, wenn? Hätte die furchtbare Zäsur verhindert werden können?
Der Film liefert keine Antworten. Stattdessen wird der Zuschauer aufgefordert, das Geschehen zu hinterfragen ohne dass dabei eine der beiden Hauptfiguren als der Böse, als der Schuldige abgestempelt wird. Die Ablehnung der Mutter überträgt sich auf das Kind; es zeichnen sich die Folgen der fehlenden Mutterliebe ab, die letztendlich in eine Tragödie münden. Der Amoklauf ist nur das Resultat der auf Gegenseitigkeit beruhenden Ablehnung. Erst ganz zum Schluss, als die Welt beider in Scherben liegt, ohne großartige Aussicht darauf, jemals wieder ein normales Leben führen zu können, entsteht so etwas wie Zuneigung, entstehen Gefühle. Von der ersten Sekunde an zog mich die Geschichte in ihren Bann, bis zum Ende des Abspann sollte sich das auch nicht ändern. Lynne Ramsay inszenierte mit „We need to talk about Kevin“ einen Film der hinterfragt, der zum nachdenken anregt, der aber nicht reißerisch, kitschig oder sentimental wird. Eine weitere Frage, die der Film unfreiwillig aufwirft, ist die, warum Tilda Swinton für ihre Darstellung nicht zumindest für einen Oscar nominiert wurde. Ihre Darstellung der im ersten Handlungsstrang glücklosen Mutter, welche im zweiten Handlungsstrang ihr vorheriges Leben „verloren“ hat, ist einfach unschlagbar. Auch Ezra Miller war die wohl beste Besetzung für die Rolle, wenngleich auch Tilda Swinton den Film trägt.

bedenklich? 13 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 3 Antworten

Mr. Goodkat

Antwort löschen

Danke! Wenn man sich auf die Thematik des Films einlassen kann, dann ist er definitiv zu empfehlen. Ist er aber eigentlich auch so, allein schon wegen Tilda ;)


MurmelTV

Antwort löschen

Da bin ich mal gespannt!


Miami Twice

Kommentar löschen
Bewertung7.5Sehenswert

Der Film lebt durch die gute Darstellung von Tilda Swinton, sie spielt die Rolle der Mutter absolut überzeugend - man fühlt richtig mit ihr mit. Leider wirken die Rückblenden manchmal etwas übertrieben, man wollte wohl auf biegen und brechen deutlich machen das Kevin und seine Mutter sich nie nahe gekommen sind.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten

Sid,LoF

Kommentar löschen
Bewertung5.0Geht so

Die Schauspieler machen ihren Job gut, der Film ist es handwerklich auch. Allerdings fand ich den Plot schrecklich zäh. Ich hab den Film nur zuende gesehen, weil ich wissen wollte, worin die ganze lange Handlung denn eigentlich mündet. Im Endeffekt ist es eine inszinierte Tragödie, deren einziger Tiefgang in der Frage nach der Determination des Menschen liegt. Wen das interessiert, der sollte sich lieber ne Zusammenfassung durchlesen, das verschlingt nicht den ganzen Abend.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten

Roldur

Kommentar löschen
Bewertung10.0Lieblingsfilm

Ich hab' es endlich geschafft. Jeder spricht über mich. Ist es nicht das Abgründige was die Menschen interessiert? Wie das Leben im Endeffekt verläuft ist unwichtig, Hauptsache man bleibt den Menschen in Erinnerung. Ob im Guten oder im Schlechten? Vollkommen unwichtig. Ich will ewig da sein und das wird mir nichts und niemand wieder wegnehmen können...

"We Need To Talk About Kevin" ist nichts weiter als ein Meisterwerk allererster Güte. In nüchternen Bildern wird hier eine grausige Geschichte so feinfühlig und andererseits so abstoßend erzählt, dass ich niederkniehen will. So fiel Raffinesse in punkto Bildgestaltung, Anordnung von Szenen und Symbolik habe ich bisher selten bis nie erleben dürfen.
Schauspielerisch bewegt sich alles auf oberstem Niveau abgesehn vom leicht abfallenden John C. Reilly. Sogar die Kinderdarsteller sind absolut überzeugend und das ist fast so unwahrscheinlich wie ein guter Film von Friedberg/Seltzer.

Wenn ich unterm Strich alles durchgehe, mir Szene für Szene noch einmal alles Revue passieren lasse entdecke ich weder in der Narration, noch im Spannungsaufbau oder irgendwo sonst Fehler. Wir müssen nicht über Kevin reden... Ich werde auch in 10 Jahren noch von Kevin reden. "We Need To Talk About Kevin" ist für mich eines der größten Meisterwerke die ich je sehen durfte und ist einfach in jedweder Hinsicht sehenswert...

"It's like this: you wake and watch TV, get in your car and listen to the radio you go to your little jobs or little school, but you don't hear about that on the 6 o'clock news, why? 'Cause nothing is really happening, and you go home and watch some more TV and maybe it's a fun night and you go out and watch a movie. I mean it's got so bad that half the people on TV, inside the TV, they're watching TV. What are these people watching, people like me? "

bedenklich? 7 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

jacker

Antwort löschen

Absolut beeindruckender Film!
Und mit den Darstellern gebe ich dir auch völlig recht - Tilda Swindon ist natürlich so gut wie erwartet, aber Ezra Miller haut mich hier völlig um. Der ist auch in PERKS OF BEING A WALLFLOWER sooo gut..


Chaosmacherin

Kommentar löschen
Bewertung7.0Sehenswert

Ich werde in dieser kurz Kritik ein bisschen Spoilern, allerdings nicht mehr, als es der Text auf dem Rücken der DVD-Hülle tut. Es ist einfach besser zu erklären worauf man sich bezieht, wenn der Leser weiß um was es geht.
Es geht in “We need to talk about Kevin” um die Lebenssittuation einer Mutter, deren Kind im alter von 16 Jahren einen Blutigen Amoklauf geplant und durchgeführt hat. Eva wird von den Bewohnern der Stadt, insbesondere der Eltern der verstorbenen Kinder, geächtet und wie eine Aussätzige behandelt. Ein mit Farbe beschmiertes Haus und Ohrfeigen auf offener Straße scheinen keine Seltenheit zu sein, doch Eva nimmt all die Demütigungen hin.
Tilda Swinton ist ein großartige Schauspielerin und das konnte sie selten so gut Zeigen wie in diesem Film. Neben ihr glänzte auch der damals 19 Jährige Ezra Miller als bitter böser Jugendlicher. Aber auch die beiden Schauspieler Jasper Newell und Rock Duer die Kevin in jungen Jahren verkörpern leisten einen tollen Job.
Lynne Ramsay hat mit “We need to talk about Kevin” einen Film geschaffen, der wirklich an die Substant geht. Er erzählt von einem Amoklauf ohne diesen je zu zeigen. So rutscht der Film keine Sekunde in den Voyeurismus ab und beeindruckt nicht mit skandalösen Bildern, sondern überlässt dem Zuschauer, wie viel er sich nun wirklich von dieser schrecklichen Tat vorstellen mag.
Filmmusik wurde hier nur ganz dezent eingesetzt, wenn allerdings ein Stück zum Einsatz kam, wirkte es oft sehr ironisch und gemein platziert. Überhaupt ist dieser Film ein sehr ruhiger. Es gibt viele Close Ups von Fingern, Augen oder Mündern und Szenen in denen lange nicht gesprochen wird. Mir gefällt das, ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass das für viele Zuschauer sehr anstrengend ist. Hinzu kommen die vielen Zeitsprünge, die ich anfangs auch als sehr anstrengend empfand. Ich konnte mich allerdings dann doch noch recht schnell an den Erzählstil gewöhnen.
Das Drama geht mit der Geschichte sehr subtil um, macht es sich für meinen Geschmack stellenweise aber zu einfach. Es werden zwei mögliche Interpretationen offen gelassen entweder wird Kevin zum Monster, weil er von seiner Mutter keine Liebe erfährt, oder er wird als Monster geboren. Beide Fälle sind für meiner Meinung nach deutlich zu einfach. Vielleicht übersehe ich aber auch andere Interpretationsmöglichkeiten.
Noch etwas, dass mich gestört hat ist, dass im Gegensatz zum Titel des Films nie über Kevin gesprochen wird. Warum unterhalten sich die Eltern nicht einmal wirklich über den Jungen. Von Eva kommen immer nur Vorwürfe ohne Erklärung (“Kevin hat das getan!”) un Franklin hat gar keine Lust sich mit den Problemen seiner Frau rumzuschlagen. Des weiteren halte ich es für unrealistisch, dass eine Mutter, die so viele Probleme mit ihrem Sohn hat keine Moment darüber nachdenkt sich einmal Hilfe zu holen. Vielleicht hätte ein Psychologe hätte vielleicht helfen können?
Man sieht, die Kurzkritik ist für meine Verhältnisse recht lang geraten, denn über diesen Film gibt es wirklich viel zu sagen. Ich bin der Meinung, dass jeder den die Thematik interessiert und jeder der etwas für künstlerisch, subtile Filme übrig hat mal einen Blick wagen sollte.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 2 Antworten

Alex.de.Large

Antwort löschen

MMn ist gerade dass der Satz nicht ausgesprochen wird, das geniale an dem Titel. Sinnbildlich finde ich dazu auch das Coverbild, auf dem die Eltern eng nebeneinander sitzten, und dabei wie 2 Fremde wirken. Ich hatte beim Schauen immer irgendwie das Bedürfnis in meinen Fernseher zu schreien."Nun sag´s doch endlich mal Einer." Natürlich stellt sich dann die Frage, ob das an der Entwicklung von Kevin etwas geändert hätte. Trotzdem ist der Kommunikationsmangel der Eltern sicher auch ein möglicher Interpretationsansatz.


Chaosmacherin

Antwort löschen

Stimmt, das habe ich nicht mit einbezogen. Aber da hast du natürlich recht. So könnte der Titel einfach ein sarkastisches "Stilmittel" sein. Stilmittel ist nicht das richtige Wort, aber du hast es ja eh schon auf den Punkt gebracht. :)
Das Cover Bild finde ich auf perfekt passend.


Martinmartin

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Filme über Amokläufe sind immer eine Gratwanderung. Die Gefahr, am eigenen Voyeurismus zu scheitern, ist groß, das Versagen auf psychologischer Ebene noch wahrscheinlicher. We Need To Talk About Kevin ist anders. Die zerstückelte, von Rückblenden durchzogene Inszenierung macht "Stream of Consciousness"-artig keinen Hehl daraus, eine ganz und gar subjektive Sicht der Dinge zu beleuchten. Wir befinden uns inmitten der Gefühlswelt einer gescheiterten Mutter, die vor den Trümmern ihres Lebens steht, und die eigene Schuld zu verarbeiten versucht. In ihrer Erinnerung ist Kevin ein Monster, von Geburt an berechnend und böse, das die Liebe seiner Mutter ganz bewusst ablehnt. Immer wieder blitzt jedoch ihre eigene Gleichgültigkeit auf und man kommt nicht umhin, das Gesehene zu hinterfragen.
Filmisch ohnehin schon ein Schlag in die Magengrube, macht diese Diskrepanz zwischen Gezeigtem und Realität das Geschehen nur noch unerträglicher: was wäre wenn? Man namensgebend wirklich über Kevin geredet hätte? Man, noch wichtiger, mit Kevin geredet hätte? Je weniger der Film den Amoklauf hinterfrägt, desto mehr zwingt er den Zuschauer dazu. Erst der Silberstreifen am Schluss scheint die Einseitigkeit zu durchdrängen - womöglich ein Anzeichen beginnender Einsicht? Auf vielen Ebenen ein sehr interessanter Film, den ich aber so schnell kein zweites Mal sehen möchte.

bedenklich? 10 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Snajper

Kommentar löschen
Bewertung7.5Sehenswert

Kunst. Und doch würd ichs glaube ich kein zweites Mal schauen...

bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten

timmoe

Kommentar löschen
Bewertung5.5Geht so

Hätten sie mal "über Kevin gesprochen", dann wär das vielleicht nicht passiert.

Der Schnitt, gerade in der 1. Hälfte des Films, baut viel Spannung auf, obwohl längst klar ist, dass die Geschichte in einer Katastrophe endet. Ein Motiv wird dem Zuschauer aber nicht geliefert und so bleibt es ein durchschnittlicher Film mit sehr guten Zuschauern aber einer blassen Story.

bedenklich? Kommentar gefällt mir 1 Antworten

Invitro

Antwort löschen

Das Motiv soll der Zuschauer selber herausfinden, denn eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es nicht, daher lässt er einiges an Interpretationsspielraum zu.


lieblingssash

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Kein Plan was patcharisma´s Problem ist...Seine Rezension glänz als aufgeblasene, selbstverliebte Kritik von Leuten, die sich selbst als unglaublich intellektuell einstufen, kaum eigene Probleme haben und sie daher gerne selber Reden hören, um sich darauf einen runter zu holen.
Digga...Thema verfehlt!

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir 2 Antworten

fuerchtegott

Antwort löschen

Ich höre bzw. lese pat gerne beim gerne sich selbst reden hören.


Demine

Antwort löschen

Thema verfehlt? Er gibt wenigstens Gründe, warum er dem Film eine solche Bewertung gibt. Eine eigene Rezension zu schreiben in der man sich ausschließlich über die Rezension eines anderen Users beschwert, ist zumindest nicht aussagekräftiger.


patcharisma

Kommentar löschen
Bewertung0.0Hassfilm

Ach, wie sehr ich sie "liebe", diese aufgeblasene und unendlich dröge inszenierte Filmkunst, die immer nach dem gleichen Schema X abläuft und stets das wiederholend selbe (Arthaus-)Publikum bedient - nämlich oftmals Leute, die sich selbst als unglaublich intellektuell einstufen, kaum eigene Probleme haben und sie daher gerne in ihrer Freizeit unter Gleichgesinnten im Kino konsumieren und in der Pause im Foyer an einem behäbigen Glas Prosecco nippen. So clever auch "We Need To Talk About Kevin" herkommen will, umso einfacher ist es sein dünnes Korsett analytisch zu durchschauen. Man nehme eine Tragödie und zerstückelt die Geschichte in möglichst viele verwirrende Vor- und Rückblenden (um Anspruch zu unterstellen), lässt keinen einzigen Dialog zu Ende führen (so braucht man gar nicht erst annähernd auf die Psychologie eingehen), blendet immer wieder einen hyper-gestylten Kunst-Still rein (gerade dann, wenn's denn mal auf den Punkt kommen sollte) und nimmt dazu eine angesehene Schauspielerin, um sich ordentlich zu schmücken. Hat man Tilda Swinton mit an Bord, werden die gesponserten Lotterie-Funds gar noch zum Gewinn, denn die Frau hat ein grosses Stammpublikum (wie mich selbst). Ja, Tilda gehört zu meinen absoluten Lieblings-Schauspielerinnen und ich schau wirklich auch alles an, was sie macht. Um diesen Film hatte ich mich jedoch lange Zeit gedrückt und einen grossen Bogen drum gemacht, denn alle meine schlimmsten Befürchtungen wurden nun wahr. Fast zwei Stunden zuzuschauen, wie die geplagte Frau in der (für das Genre übliche) typisch ausgedehnten Endlos-Schleif-Dramaturgie sich beleidigen, beschimpfen und sogar geschlagen wird (und Alkoholikerin wird), hielt ich kaum aus und immer wieder war ich versucht, den unspoilbaren und völlig tendenziösen Schwarz/Weiss-Film am liebsten auszuschalten. Schwarz/Weiss deshalb, weil gerade die angeblich so destruktive Energie und die ganze Psychologie des Jungen schon ab seiner Kindheit so dermassen plakativ transportiert wird: Er scheisst sich zum Spass noch als Kindergarten-Kid immer wieder seine Windeln voll (und wenn er sich ein Marmelade-Brot streicht, sieht das wieder nach "gestylter" roten Fäkalie aus), er plagt seine kleine Schwester (bis zur Beinahe-Blindheit), er schiesst (Plastik-)Pfeile (voller billig angedeuteter Symbolik) gegen die Mutter und verwüstet ihren frisch dekorierten Raum. In der Pubertät dann hat er Freude, sie öffentlich im Restaurant zu beleidigen und sie natürlich gerne mit seiner Onanie zu "schockieren". Und hier bin ich beim Punkt, warum ich diesem Machwerk eine Null verpasse: Der möchtegern-abgehobene Film ist gänzlich aus Frauenhand geschustert und ich werde den Verdacht nicht los, das hier wieder mal der berühmte, staubig altlinks-motivierte Feministinnen-Komplex regiert. "Lass uns wieder mal zeigen, was Männer für Schweine sind!" Nicht ist "Kevin" allein (toll, der ausgesucht doofe Name!) ein einfach ausschliesslich bösartiger Männer-Archetypus (fast schon peinlich nahe ähnlich der Comic-mässigen Figur Damien im Horror-Klassiker "Das Omen", von 1976), der fette Idioten-Vater ist zudem ein exorbitantes Weichei obendrein, der sämtliche Signale ausblendet und seiner Frau zu einer ungewollten Schwangerschaft "verhilft". Schon in meiner teuflischen Zeit als ver(w)irrter Sozialarbeiter (ich war jung und brauchte das Geld!) dachte ich jeweils: Wenn solche Frauen wenigstens Lesben wären - aber nein, sie sind hetero mit all ihren lachhaften, für's eigene Ego dienlichen, sexuell-getriebenen (und fast territorial-bedingten Gebiets-)Ansprüchen! Vielleicht sollte man mal einen Arthaus-Film über die selbst abdrehen mit Themen-Komplexen, wie aus Geldgier vor Gericht missbräuchlich unterstellter Kindesmissbrauch der eigenen Kinder im Ehe-Streit, ewig latentem Penis-Neid und allen weiteren psychologisch bedingten Manko-Widersprüchen in ihren schillerndsten Facetten.

Fazit: Wem Gus Van Saint's ebenso schwaches "Elephant" noch nicht reichte, darf es nun mit mit dem noch prätentiöserem "We Need To Talk About Kevin" noch toppen! Eine wirklich psychologisch abgerundet abgestimmte Abhandlung über jugendliche Amok-Schulhaus-Täter fehlt bisher nämlich gänzlich.

bedenklich? 25 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 12 Antworten

Markbln

Antwort löschen

Ich finde den Film...ähm...besser. Aber ich habe mich fast eingenässt beim Lesen deines Kommentars. Passiert einem als Erwachsener ja auch nicht mehr so oft. Naja, später dann vielleicht wieder. xD


patcharisma

Antwort löschen

Thank you both very much! :-)


ratomelf

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ein Film der unter die Haut geht. Weil er sich jeder (küchen-)psychologischer Wertungen und Erklärungen enthält. Sehr gut gespielt, nicht nur von Tilda Swinton, sondern auch von Ezra Millerö. Hut ab.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten

DieFilmguckerin

Kommentar löschen
Bewertung10.0Herausragend

Eine Mutter zieht ein Resümee. Erinnert sich an den Alltag mit ihrem Sohn. Wie war es vor seiner Geburt? Was hat sich danach verändert? Und vor allem: was hat sie nur falsch gemacht? Welcher Zeitpunkt hat über ihre Zukunft entschieden? Wo war der große Fehler? Oder waren es viele kleine?

Ein Film, der den Zuschauer in den Bann zieht. Die Geschichte ist so sensibel und gleichzeitig so intensiv erzählt wie man es schon lange nicht mehr gesehen hat. Die Handlung ist unglaublich interessant und spannend und lässt einen lange nicht mehr los. Vielleicht, weil ein Thema behandelt wird, über das jeder Mensch früher oder später nachdenkt. Und weil dieser Film ein Albtraum ist. Das schlimmstmögliche Szenario. Es gibt kein Entkommen und kein Verständnis. Der absolute Horror.

Dieses Szenario entspannt sich in wunderbaren, interessanten Bildern und perfekten Kompositionen. Gleich am Anfang wird dem Betrachter klar, dass es sich hier um eine ausgesprochen ästhetische Bildwelt handelt. Die Atmosphäre ist sehr dicht und wirklich wunderbar. Der Film ist durchzogen von Metaphern und Bildern, die allerdings nicht völlig unverständlich, aber auch nicht platt daherkommen – genau richtig. Bemerkenswert ist auch die Musik, die teilweise sehr konträr zu den gezeigten Bildern ist, an manchen Stellen aber auch perfekt passt und das Gesehene untermalt (besonders toll die Szene mit “In my room” von den Beach Boys).

Die Schauspieler sind durchweg grandios und perfekt besetzt. Allen voran natürlich Tilda Swinton, die die absolute Verzweiflung ihrer Figur vollkommen überzeugend verkörpert und die wie immer eine wirklich tolle Ausstrahlung hat (was für ein Gesicht!). Sehr gut ist auch die zweite Hauptrolle mit Ezra Miller besetzt, es ist einfach nicht möglich hinter seine Fassade zu blicken.

Der Film ist eine echte Überraschung und absolut sehenswert. Seit langem mal wieder etwas, was mich mich wirklich in seinen Bann gezogen und zum Nachdenken angeregt hat. Eine wirklich herausragende Studie der Familie und der menschlichen Natur, außerdem die Beschäftigung mit einem großen Tabu. Unbedingt anschauen!

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

jacker

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Die Geschichte eines traurigen Lebens. Die ziellose Suche nach einem Grund, nach einem 'warum'? Der hilflose Kampf mit dem Unverständnis, die Qual und die Resignation.
Das alles zeigt dieser Film, dargeboten als Trip durch eine Fülle an Erinnerungen - Fragmente aus vergangenen Zeiten, die auf uns einprasseln. Sie formen ein Bild, lassen uns erahnen wie das alles gewesen sein könnte.

Könnte! Denn WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN ist bloß nicht als objektive Analyse zu verstehen! Hier wird nicht Stück für Stück rekonstruiert wie es zu einer Katastrophe kommt, um am Ende 'den Schuldigen' an den Pranger zu stellen - eher stellt der Film einen Prozess der Verarbeitung dar, eine höchst subjektive Reise ins tiefste Innere einer aus der Bahn geworfenen Mutter. Was wir sehen sind Eventualitäten - mal verteufelt, mal auch romantisiert - Momente von denen das schönste, das schlimmste, oder nur noch ein schwer greifbares Gefühl geblieben ist und die nun, auf der Suche nach einem Weg die grausame Wahrheit zu verstehen, immer wieder vor Eva's innerem Auge ablaufen. Erinnerungen - verfälscht und im Kern doch wahr.

Wie kam es dazu? Wann ging es los? Was hätte man anders machen müssen?

Fragen auf die es keine Antwort gibt, doch wir alle wissen wie sehr sie uns trotzdem zermartern können. Die Vergangenheit zu zerstückeln, zu zerlegen, in minimalen Schritten zu analysieren, nur um doch am Ende ratloser, verwirrter, oder trauriger als vorher da zu stehen ist leider höchst menschlich - und das ist WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN auch. Das alptraumhafte Szenario schafft es durchweg den letzten, notwendigen Funken Authentizität (also Menschlichkeit) zu bewahren - das Resultat ist eine mögliche Form von Realität (und daher das Maximum an blankem Horror).

Ich wusste nichts über diesen Film. Das hat wohl rückblickend dafür gesorgt, dass er mich nicht ein- sondern mindestens dreifach aus der Bahn geworfen hat. Daher möchte ich inhaltlich auch nichts spoilern. Nur so viel:
Wie schrecklich muss es sein, wenn eine Mutter ihr Kind nicht lieben kann? Wenn sie bereits vor der Geburt das Gefühl hat ihr Leben ist vorbei, obwohl so ein kleiner neuer Mensch es auf ein nie gekanntes Level heben könnte? In sofern passt der Film auch auf den Punkt in die heutige Zeit - die medial erzeugte zwanghafte Suche nach Selbstverwirklichung, die gnadenlose Karrierepriorität, der unsagbare Drang nach Freiheit - das alles kollidiert bei den meisten Menschen zu sehr mit Familienplanung. Jeder hat sowieso ständig das Gefühl etwas zu verpassen und eifert auf Hochtouren den vorbeigezogenen Momenten nach. Und dann noch ein Kind? Was ist dann mit Reisen, Festivals, Karriere, Selbstverwirklichung?
Von daher könnte WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN und das darin dargestellte emotionale Katastrophenszenario zeitgeistlich kaum relevanter sein!

Inszenatorisch und aus schauspielerischer Sicht (ALLER Beteiligten) reichen zwei Worte um eine realistische Einstufung zu wagen: Absoluter Wahnsinn.
Die Art wie Regisseurin Lynne Ramsay in traumhaften, fast surrealen und durchweg höchst bedrückenden Rückblenden die Geschichte aufrollt und (wenn man nicht weiß worauf es hinaus läuft) über ganz lange Zeit schafft eine omnipräsente, düstere Vorahnung im Zuschauerhirn (und einen dauerhaft wachsenden Kloß im -hals) einzupflanzen ist wahrhaft großartig.
Der Cast agiert ähnlich grandios.
Tilda Swinton interpretiert ihre Eva exakt richtig: Es wäre ein leichtes gewesen sie zu hassen, denn sie benimmt sich hassenswert, egoistisch, nahezu abstoßend. Und doch tut man es nicht. Im entscheidenden Moment ist da immer dieses letzte Bisschen Menschlichkeit, das uns mehr in Mitleid, denn in Hass verfallen lässt.
John C. Reilly macht genau so alles richtig: Von Sekunde eins an scheint sein Wunsch nach der heilen, perfekten Welt so sehr durch, dass es immer wieder plausibel erscheint, wie er die Probleme seiner Familie einfach übersieht (übersehen WILL!). 'Hey Buddy'! Ein wenig Spaß und alle Mißstände sind ausgeräumt - was ich nicht sehe, existiert nicht!
Und Ezra Miller? Aller guten Dinge sind drei und ich kenne ihn erst aus zwei Filmen, aber liefert der Junge nochmal mit so einer Wahnsinnspräsenz wie hier (oder halt in PERKS OF BEING A WALLFLOWER) ab, dann ist er mein Stern am Nachwuchshimmel!

Mein Vorschlag: Nichts lesen, Film besorgen, ansehen!
Langsam glaube ich wirklich, dass 2012 alle bevor die Mayas kommen noch mal ihr bestes geben wollten.. Absolutes Ausnahmefilmjahr!

bedenklich? 23 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 10 Antworten

patcharisma

Antwort löschen

Was für eine tolle Kritik! xD


jacker

Antwort löschen

Und das ganz ohne ein Prosseco-schlürfender Arthaus-Hipster zu sein.. Da sieh mal an!


Gretchen_Ross

Kommentar löschen

Ich würd den Film gerne gucken, aber ich hab Angst.

Das Buch war so unfassbar gut, dass der Film bestimmt nicht mithalten kann...

bedenklich? Kommentar gefällt mir 3 Antworten

Gretchen_Ross

Antwort löschen

Hm, aber wenn man das Buch gelesen hat, ist das immer so ne Sache^^


MrZUPER

Antwort löschen

Ja, die Verfilmung kann man sich dann nur auf eigene Gefahr angucken ^^


eisbaerdios

Kommentar löschen
Bewertung7.0Sehenswert

Film für die ganze Familie. War überrascht, dass der Film recht experimentell war. War dem Trailer nicht anzumerken.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten

christian.rottmann

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Tilda Swinton gibt famos die zu tiefst verstörte Mutter. Und alle drei Jungschauspieler spielen absolut großartig das süße Böse. Empfehlenswert - aber nur, wenn man tiefe Abgründe mag!

bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten

heiko.buschhaus

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

>>Ich galubte, den Grund einmal gewusst zu haben! Aber jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher!<<
'We Need To Talk About Kevin' wurde mir zwangsweise von Bonner (blindguardian94) ausgeliehen. Dabei hat er den Film noch gar nicht gesehen, er hatte nur keine Ahnung, was er mir sonst ausleihen sollte! Und ich dachte, oh nein, nicht schon wieder ein Drama, davon hab ich so langsam die Schnauze voll! Und ich lag so falsch!
Zu allererst ist der Film kein Drama, auch keine Familientragödie, sondern ein nervenzerreißender Psycho-Thriller!
Wobei wir schon beim größten, und einzigen Problem des Filmes wären: der Film besteht die erste halbe Stunde nur aus etwas (möchtegern-) künstlerischen Bildern, die chronologisch quer durch den Gemüsegarten fahren und den Zuschauer (in diesem Fall mich) aggressiv machen, daher man endlich will, dass der Film einem auch nur ansatzweise sagt, was er von einam will! Wer aber die komplett spannungs- und antreibslose erste halbe Stunde tapfer durchsteht, ohne auszumachen, wird belohnt; oder eher gefoltert! Denn ab Minute 30 verwandelt sich der Film in einen strukturierten, wirklich künsterischen und absolut harten Psycho-Horrortrip, den man so schenll nicht vergisst und der eindeutig Spuren hinterlässt! Grandios ist dabei das Zusammenspiel von Tilda Swinton und Ezra Miller, die hier selbst bei Vielguckern wie mir, die schon alles gesehen haben und deshalb (leider) zu oft nicht mehr für wahre Filmgefühle zugänglich sind, für aufgestülpte Nackenhaare sorgen, bis es sich zum Ende hin zu einem cineastischen Gehirnfick entwickelt!
Alles in allem hätte der Film von mir mit besserer erster halben Stunde glatt eine neuner Bewertung bekommen!
Schockierend!

bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten

nikl 1987

Kommentar löschen
Bewertung7.5Sehenswert

"Also gut, die Sache ist so: Du wachst auf, und siehst fern. Du steigst in dein Auto, und hörst Radio, und du fährst zu deinem kleinen Job oder deiner kleinen Schule. Aber davon wirst du nichts in den 6- Uhr- Nachrichten hören. Wieso? Weil eigentlich nicht wirklich was passiert ist. Dann fährst du nach Hause und siehst noch ein bisschen fern.... Und was sehen sich all diese Menschen an? Leute wie mich. Was macht ihr denn jetzt alle gerade? Mich anschauen, oder? Ihr hättet schon längst umgeschaltet, wenn ich nicht mehr getan hätte, als ne' 1 in Geometrie zu kriegen."
Mal wieder ein Film, der das Thema "Amoklauf" behandelt. Gut, soo viele Filme gibt es (noch) nicht über das Thema, allerdings genug, dass man meinen könnte, man kann dem Thema sowieso keine großen "Facetten" oder neue Erkenntnisse abgewinnen. Vielleicht auch deshalb schlägt der Film in eine völlig andere Erzählstruktur als z.B. "Elephant", um mal einen anderen filmischen Vertreter zu nennen.
Hier wird nicht der Tag/Woche/Monat vor dem Amoklauf aus der Sicht des Schülers oder des "Leidtragenden" thematisiert, sondern vielmehr das Danach, und zwar aus der Sicht der ratlosen Zurückgebliebenen, in diesem Fall aus der Sicht der Mutter. Allerdings nicht nur, in Rückblenden werden immer wieder unterschiedliche Situationen aus dem Alltag der Mutter und Kevin gezeigt, also die Zeit, vor der Bluttat. Die Spanne reicht von dem heranreifenden Kevin im Mutterleib, seine Geburt über das Kleinkindalter bis hin zum rebellischen Jugendlichen.
Kevin ist von Anfang an für die Mutter ein Problemkind, er nässt noch mit ca. 4-5 Jahren ins Bett und muss Windeln tragen. Um seine Mutter zu ärgern, füllt er diese auch gerne mit diebischer Freude, selbst wenn sie gerade eben gewechselt wurden. Weitere "Maßnahmen" gegen seine verhasste Mutter sind zum Beispiel das Besprenkeln der Landkarten im Zimmer der Mutter mit Farbe (sie besitzt eine Vorliebe für das Reisen und ferne Länder), das Zermatschen von Marmeladentoast auf der Glasscheibe und weitere Mutterfreuden. Anfangs versucht sie zwar noch alles, um sich Kevin anzunähern, muss aber nach einiger Zeit resignieren und "duldet" ihn nur noch im Haus, was auch an einer Szene deutlich wird, in dem dies vom Kevin in noch jungen Jahren thematisiert wird. Zwar scheint sich stellenweise Hoffnung auf eine Wendung in Kevins Gefühlswelt aufzutun (z.B. als er krank im Bett liegt, die Mutter ihm aus Robin Hood vorliest und ihr Sohn sich an sie schmust), jedoch kehrt Kevin immer wieder in die kalte Gefühlshaltung seiner Mutter gegenüber zurück. Warum er das tut, wird im Film nicht wirklich deutlich, genau so wie sein Motiv für den Amoklauf, von dem man im Film selbst übrigens bis auf ein paar Bilder der Folgen (Krankenwagen vor der Turnhalle, verletzte oder gar tote Schüler, die auf Bahren abtransportiert werden) nichts sieht. Dem Zuschauer werden ein paar Brocken hingeworfen, die er als Motiv für die Tat oder den Werdegang Kevins interpretieren kann (z.B. spielt er mit seinem Vater in einer Szene scheinbar ein "schießhaltiges" Videospiel), ein wirklicher Auslöser wird aber nicht explizit genannt. Meine Interpretation, auch bezüglich der oben zitierten Textpassage wäre, das Kevin nach Aufmerksamkeit sucht. Er möchte im Mittelpunkt stehen. Dies wird auch bei der Geburt seiner kleinen Schwester deutlich, die er offensichtlich abzulehnen scheint und über deren Zuwachs in der Familie er so überhaupt nicht glücklich zu sein scheint. Der Amoklauf am Ende zusammen mit dem Schlussbild, mit dem der Film den Zuschauer entlässt, könnten darauf schließen lassen, das Kevin sich immer im Mittelpunkt sehen will und so auf seine Art berühmt werden will. Dies erklärt natürlich nicht die scheinbar schon von Anfang an gegebene Tendenz seines Mutterhasses, da diese zu Anfang zumindest alles tut, um seine Zuneigung zu gewinnen. Hier würde ich einfach mal lapidar Kevins soziopathischen Charakter als Erklärung anführen, da Kevin mit seiner Tyrannei und Kälte seinem Umfeld gegenüber in seinem Verhalten extrem unnatürlich ist. Außer seinem Vater, welcher ihm auch das Bogenschießen beibringt, ist er relativ wohlgesonnen. Dieses unnatürliche Verhalten Kevins ist es auch, was bei mir zu Punktabzug in der Wertung führt, da Kevin manchmal eher Damien aus "Das Omen" ähnelt. Der Film wirkte für mich manchmal eher wie eine Mischung aus Charakterstudie und Horrorfilm, und im Film funktioniert es auch einigermaßen, nimmt ihm aber auch teilweise die Glaubwürdigkeit. Eine reine Charakterstudie von Kevin hätte ich interessanter gefunden, ohne dass der Junge schon im Kindesalter das personifizierte Böse zu sein scheint. Kevin erinnert teilweise sehr an Esther aus "Orphan- Das Waisenkind", und das ist ein reinrassiger Horrorfilm! Hier wäre weniger mehr gewesen. Das Leben der Mutter nach der Tat wird jedoch recht gut dargestellt. Gehasst von ihren Nachbarn und scheinbar dem ganzen Ort, muss sie als Sündenbock für ihren Sohn herhalten, der mehrere Menschen auf dem Gewissen hat, und bekommt dies auch mehrmals zu spüren, seien es die zerdrückten Eier im Supermark oder gar die Ohrfeige in der Öffentlichkeit.
Erwähnenswert wäre hier noch die Farbsymbolik, in diesem Fall die Farbe "rot". Eva's (die Mutter) Haus wird nach der Tat mit roter Farbe beworfen, aus dem Marmeladenbrot, das Kevin sich zubereitet, quillt dick die rote Marmelade, im Supermarktregal die roten Dosen, der Anfang, wo Eva in Spanien der Tomatina, der spanischen Tomatenschlacht, beiwohnt, und natürlich das rot an den Händen von Eva, als die verzweifelt versucht, ihr Haus von der roten Farbe zu befreien. Nun klebt also auch das Blut, das ihr Sohn vergossen hat, an ihren Händen, und so sehr sie auch versucht, zu schrubben und es abzuwaschen, sie wird es einfach nicht los.
Sehr empfehlenswerter Film, obgleich ich ihn nicht höher bewerten kann aufgrund der Tatsache, dass sich der Film nicht so ganz entscheiden kann, was er sein will.

bedenklich? 6 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 3 Antworten

AlexanderDeLarge

Antwort löschen

Und eben "jenes" stört mich an dem ganzen Film, die Message ist eine Banktrotterklärung an jegliche Ursachenforschung. Möglich das einige Menschen "böse" geboren werden oder um es neutraler auszudrücken, sozial unverträglich. Aber warten wir mit solchen vernichtenden Urteilen ab, bis die Forscher dann unser Teufelsgen gefunden haben. Auf jeden Fall aber ist die Variante mit dem "bösen Kind" deterministischer und bequemer, als jede Fehlersuche in der Umwelt, spricht sie doch die Eltern, die mobbenden Mitschüler^^ und die Gesellschaft überhaupt a priori frei, wie auch die Schmusepädagogen den Täter a priori freisprechen. Ich dachte ein solch flacher Filmcharakter ist überhaupt keine Analyse wert, aber anscheinend gibt es Rezipienten, die ihn in der Realität verorden. Ja, die Gesellschaft muss sich selbst hinterfragen, wenn jedes Jahr ein Dutzend mehr weggeballert werden, ansonsten bliebe nur darauf hoffen, dass Gott ... äh dem Teufel die Satansbraten ausgehen.


patcharisma

Antwort löschen

Die Geilen sprechen ihre Meinung aus....


heikschn

Kommentar löschen
Bewertung5.5Geht so

Aus meiner Sicht hätte dem Film gutgetan, wenn der Zuschauer lange im Unklaren bliebe, auf welches Verbrechen die Handlung zusteuert. Einmal die Inhaltsangabe auf dem DVD-Cover gelesen und man ist leider im Bilde. Nun denn, so bleibt alle Konzentration auf den Figuren und der Charakterzeichnung. Doch genau da fangen die Probleme an. Der Film bietet eine Deutung an, bei der Kevins Mutter Schuld ist an dem Geschehen ist, da sie durch ihre Unfähigkeit ihr Kind zu lieben dessen schädliche Entwicklung verursacht. Das finde ich jedoch zu einfach. Kein Kind entwickelt sich so abartig, bloß weil es zu wenig Liebe von einem Elternteil erhält. Die andere Deutung, dass Kevin einfach von Anfang an ein abgrundtief bösartiger Mensch ist, passt mir aber auch nicht. Das kann ich mir noch weniger vorstellen. Somit ist der Film, auch wenn interessant inszeniert, für mich nicht mehr als ein interessantes Gedankenexperiment.

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten


Deine Meinung zum Film We Need to Talk About Kevin

noch nicht bewertet