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We Need to Talk About Kevin

We Need to Talk About Kevin (2011), GB/US Laufzeit 110 Minuten, FSK 16, Drama, Thriller, Kinostart 16.08.2012


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7.5
Kritiker
18 Bewertungen
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7.4
Community
1822 Bewertungen
129 Kommentare
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von Lynne Ramsay, mit John C. Reilly und Tilda Swinton

In We Need To Talk About Kevin versucht Tilda Swinton nach einer Katastrophe rückblickend die Hintergründe ihres gestörten Mutter-Sohn-Verhältnisses zu verstehen.

Als sich die zweifache Mutter Eva (Tilda Swinton) die Frage stellt, ob sie ihren Sohn Kevin (Ezra Miller) vielleicht nicht genug geliebt hat, ist es schon zu spät. Zwei Tage vor seinem sechzehnten Geburtstag verübt Kevin einen Amoklauf an seiner Highschool. We need to talk about Kevin stellt viele Fragen, die einer Mutter durch den Kopf gehen, wenn ihr Sohn zum Mörder geworden ist: War Eva zu sehr mit ihren eigenen Sorgen beschäftigt? Hätte sie Kevin aufhalten können? War es ihre eigene Schuld, dass ihr Sohn ein Soziopath wurde? In einem Vorort von New York steht die einst erfolgreiche Eva vor den Scherben ihres Lebens. Ihre Nachbarn meiden sie, von der Liebe zu ihrem Ehemann Franklin (John C. Reilly) ist nichts mehr übrig, der eigene Sohn sitzt im Gefängnis. Selbst die einst so enge Beziehung zu ihrer kleinen Tochter Celia (Ashley Gerasimovich), die menschlich das genaue Gegenteil zu Kevin ist, leidet unter dem Kummer und den Grübeleien von Eva. In ihrer Verzweiflung beginnt Eva, ihrem entfremdeten Ehemann Briefe zu schreiben, die das Familienleben aufarbeiten. Und eine Frage bleibt: Wie konnte es nur soweit kommen?

Hintergrund & Infos zu We need to talk about Kevin
Nach sechs langen Jahren der Vorbereitungen, Probleme mit dem Drehbuch und der Finanzierung feierte We need to talk about Kevin 2011 bei den Filmfestspielen in Cannes Premiere. Das Drama, das mitunter Züge eines Thrillers trägt, ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Lionel Shriver. Gemeinsam mit Rory Kinnear schrieb Regisseurin Lynne Ramsay das Drehbuch. Keine einfache Aufgabe, wie sich herausstellte, denn Shriver versagte die Mitarbeit und das Skript wurde aus finanziellen Gründen mehrmals überarbeitet, bis schließlich 2010 die Dreharbeiten beginnen konnten. Getragen wird das Drama von Tilda Swinton in der Rolle der gramerfüllten Mutter. An ihrer Seite spielt John C. Reilly, der im selben Jahr als mit der Vernunft ringender Ehemann von Jodie Foster in Roman Polanskis Der Gott des Gemetzels von sich Reden machte. (JL)

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Cast & Crew

Regie
Schauspieler
Drehbuch
Filmdetails We Need to Talk About Kevin
Genre
Familiendrama, Thriller, Drama
Zeit
Gegenwart
Ort
New York City, Vereinigte Staaten von Amerika
Handlung
Amoklauf, Amokläufer, Brief, Ehemann-Ehefrau-Beziehung, Eltern-Kind-Entfremdung, Geschiedene Eltern, Geschwister, Highschool, Jugendlicher, Mutter-Sohn-Beziehung, Persönlichkeitsstörung, Psychopath, Rückblick, Schuld, Schuldgefühl, Zweifel
Stimmung
Berührend, Ernst, Traurig, Verstörend
Verleiher
Fugu Filmverleih
Produktionsfirma
Artina Films, Atlantic Swiss Productions, BBC Films, Footprint Investment Fund, Forward Films, Independent, Lipsync Productions, Piccadilly Pictures, Rockinghorse Films, Tax Credit Finance, UK Film Council

Kritiken (24) — Film: We Need to Talk About Kevin

Xander8112: Xanders Blog

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8.0Ausgezeichnet

[...]
Mit Kindern die Kevin heißen hat man es nicht leicht. “We need to talk about Kevin” ist ein Drama, welches noch lange nachwirkt und bewusst auf eindeutige Erklärungen verzichtet. Somit bleibt es dem Zuschauer überlassen zu entscheiden, wie es zu dieser Tat kommen konnte.

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JackoXL: Die Drei Muscheln

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9.0Herausragend

Die alte Frage: Was war zuerst da, dass Huhn oder das Ei? Ist das Kind ein reines Produkt seiner Umgebung oder der schlimmste Fall eines natürlichen Soziopathen? Hätte es unter anderen Umständen anders laufen können? In wie weit stellt sich die Schuldfrage? Lynne Ramsay beantwortet nichts davon und lenkt den Zuschauer auch nicht indirekt in irgendeine Richtung. Sie lässt jede Option offen, alles scheint sinnvoll und doch wieder nicht. Es gibt keine einfache Erklärung und damit trifft sie den Nagel auf den Kopf. Es lässt sich einfach nicht sagen, dies und das ist die Wurzel des Übels, hätte, wäre, wenn, reine Spekulation. Vielleicht liegt es in der Gesamtheit der Dinge. Mag man zunächst sicher sein, die Ursache klar im von Anfang an gestörten Mutter-Kind-Verhältnis zu finden, in der Ablehnung, die Baby Kevin von Geburt an entgegen schlägt, erscheint dies bald als zu einfach. Viel zu manipulierend, durchtrieben und für sein Alter unfassbar intelligent-bösartig agiert Kevin. "Normale" kindliche Emotionen lassen sich nicht entdecken. Er scheint nie traurig, fröhlich oder verspielt. An diesem Punkt wirkt "We Need to Talk About Kevin" wie ein Horrorfilm. Das Ganze erscheint fast nicht mehr real, kippt dadurch der Film? Nein, absolut nicht. Denn im Kern ist "We Need to Talk About Kevin" ein Horrorfilm, ein sehr realer. [...]

Kritik im Original 29 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 3 Antworten

JackoXL

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Danke. Hatte zwar schon so viel über den Film gehört, auf dessen Wirkung war ich aber auch überhaupt nicht eingestellt.


SKURRIL

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Super! :)


SoulReaver: CinemaForever, D3M

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8.0Ausgezeichnet

[...] „We Need to Talk About Kevin“ dreht sich nie um die grauenhafte Tat, die der verlorene Sohn begehen wird. Hier geht es um die Mutter des unausstehlichen „Problemkind“, um ihr Umfeld, um ihren bebenden Seelenkrieg und um die tonnenschweren Lasten, die sie mit aller Macht stemmen wollte, nur um noch tiefer in den persönlichen und gesellschaftlichen Abgrund zu stürzen. Die familiären Diskrepanzen werden hin und wieder durch einfaches Wunschdenken verleugnet, während die moralischen wie pädagogischen Verhaltensmuster immer schwerwiegender in die zweischneidige Doppeldeutigkeit verdrängt werden.

Kritik im Original 20 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 9 Antworten

Le Samourai

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Wunderbarer Text, Bruder! Und noch ein Pünktchen draufgepackt? Sehr schön! ;)


SoulReaver

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@Punsha Ach, Augen zu und durch. Bedanke mich!
@Jenny Nee, macht er sich zum Glück auch nicht, auch wenn das Verhalten von Kevin hier und da passend als das von einem Monster bezeichnet werden kann. Und danke auch dir!
@Sam Jap, hab mir einige Szenen nochmal angeschaut und joa, dann stand ich bei 8. Passt. Und DANKE! :D


Batzman: moviepilot / Fünf Filmfreunde

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8.0Ausgezeichnet

Ein brillant gespieler Film mit einer herausragenden Besetzung, der ratlos zurücklässt. Die verschiedenen Kevin-Darsteller machen ihre Sache hervorragend, schaffen es aber ebenfalls, diesen Jungen ohne einen Funken Sympathie zu skizzieren. Kevin hat ganz sicher große emotionale Probleme, aber es fällt schwer Mitleid mit ihm zu haben oder sich tatsächlich in ihn einzufühlen. Mit diabolischer Zielstrebigkeit intrigiert er gegen seine überforderte Mutter, zieht seinen Vater auf seine Seite und beobachtet seine Umwelt mit dem distanzierten Interesse eines Insektenforschers, der einen Ameisenhügel anschaut. Ezra Miller als ältere Kevin-Version lässt erschauern, wenn er absolut gefühlskalt Tilda Swinton auflaufen lässt, die sich beständig bemüht zu verstehen warum ihr Sohn so ist, wie er ist.

John C. Reilly, der sich zunehmend auch in ernsten Rollen profiliert, ist der Vater der im Grunde seine Ruhe will. Der Glaubt seine Frau würde überdramatisieren und der so seinen Teil zum Drama beiträgt. Denn der Film erzählt ebenso die Geschichte der Kommunikationsunfähigkeit der Eltern, wie die des gestörten Kindes.

Regisseurin Lynne Ramsey erzählt ihre Story mit gnadenloser Konsequenz, in präzisen, oft distanziert-beobachtenden Bildern die sich selten mit ihren Figuren gemein machen. Sie bietet keine Antworten, keine einfachen Lösungen und macht den Film dadurch nicht eben einfach anzusehen. We need to talk about Kevin fasziniert, fesselt und lässt trotzdem mit dem Gefühl zurück, dass man ihn so schnell nicht noch einmal sehen möchte.

Kritik im Original 9 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

TheCorey: MovieMaze

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8.0Ausgezeichnet

Lynne Ramsays Film lebt von dem terroristischen Beziehungsverhältnis zwischen Mutter und Sohn, das dem Film bisweilen etwas Horrorartiges verleiht. Das Resultat ist ein spannender Film über Liebe und Hass, über Schuld und Sühne, dabei über die gesamte Laufzeit großartiges Schauspielkino des gesamten Ensembles. Insbesondere Tilda Swinton sticht natürlich hervor, deren gepeinigte Eva Dreh- und Angelpunkt des Films ist. Nicht minder herausragend sind jedoch auch die Kameraarbeit und Bildkomposition sowie generell die Mise-en-scène. Prinzipiell ist Ramsays Film also ein zwischenmenschliches Familiendrama, bisweilen mit Zügen eines Psychohorrorfilms und dabei stets faszinierend, selbst wenn einiges zu Gunsten der Dramatisierung überzogen scheint.

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Oceanic6: CinemaForever

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3.0Schwach

Wie wird ein Jugendlicher zum rücksichtslosen Amokläufer? Was muss in seiner Kindheit schief gelaufen sein, dass er ohne Hemmungen eiskalt seine Schulkameraden mit einem Sportbogen erschießt? Ein in der Tat spannendes Thema, aus dem sehr viel hätte rausgeholt werden können. Abgesehen von der spitzenmäßigen Inszenierung, die im Kontext allerdings überhaupt keinen Sinn ergibt - da wollte wohl jemand einen auf Roeg machen - gibt es jedoch nicht viel, was an "We Need To Talk About Kevin" lobenswert ist. Swintons und Reillys Schauspiel ist nett mit anzusehen, kann allerdings zu keinem Zeitpunkt die blödsinnige Charakterzeichung, die Naivität der Eltern im Angesicht der Entwicklung ihres Sohnes, überdecken. Spätestens, als sich dieser einen Karton voller riesiger Schlösser bestellt, sollten doch auch bei den zurückgebliebensten Eltern die Alarmglocken läuten. Dass sich der Film zudem weder mit seinen Protagonisten, anscheinend ist der Junge einfach von Geburt an gestört, noch mit der Untauglichkeit des Elternseins auseinandersetzt, macht dieses Drama nur noch ungenießbarer. Selten wurde an einem Thema dermaßen vorbeigeschrieben. Das aussöhnende Ende bildet dabei den Gipfel dieser einfältigen zwei Stunden, die nichts außer platten Erklärungen und nerviger Symbolhaftigkeit zu bieten haben.

15 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 11 Antworten

johnboy1979

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100% deckungsgleich! :)


Le Samourai

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Haben wir nen unterschiedlichen Film gesehen?


Flibbo: Wie ist der Film?

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7.0Sehenswert

[...] Die tragische Geschichte ist als Puzzle präsentiert, dessen wichtigstes Teil erst gegen Ende eingesetzt wird, was zum einen die innere Zerrissenheit der Protagonistin wiederspiegelt, zum anderen für Suspense und Beklemmung sorgt. So kann das Publikum den Horror der scheiternden Kindeserziehung mitfühlen und bleibt am Ball. Ramsay wählt hierfür schlichte aber mit Bedacht komponierte, oft symbolträchtige Bilder, musikalisch entsprechend untermalt von Radiohead-Mitglied Johnny Greenwood und einem dezent ironischen Soundtrack. Die Farbe Rot zieht sich wie der gleichnamige Faden durch die Handlung, als Akte der Wut, als Warnung, als Zeichen der Liebe – eine unberechenbare Mischung, die die Mutter-Sohn-Beziehung, um die es geht, treffend beschreibt. [...]

Kritik im Original 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Diemuth Schmidt: Radio Köln Diemuth Schmidt: Radio Köln

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8.5Ausgezeichnet

Regisseurin Lynne Ramsay rollt das Drama geschickt mit provokativer moralischer Doppeldeutigkeit von hinten auf. [...] In Rückblenden erzählt die schottische Regisseurin [...] raffiniert und spannend Evas Geschichte. [...] Seit Omen hat einem kein anderer Junge einen solchen Schauer über den Rücken gejagt wie Kevin.

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Oliver Kaever: Programmkino Oliver Kaever: Programmkino

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8.0Ausgezeichnet

Zunehmend gewinnen die[...] Rückblenden an Unheimlichkeit; lange war im Kino kein derart bösartiges Kind mehr zu sehen. [...] In der Form eines Thrillers bleibt der Film also den bohrenden Fragen des Romans treu.

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Günter H. Jekubzik: Filmtabs.de Günter H. Jekubzik: Filmtabs.de

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8.5Ausgezeichnet

Lynne Ramsay legt ihr in vieler Hinsicht packendes und Fragen aufwerfendes Drama - nach Lionel Shrivers Roman Wir müssen über Kevin reden - berauschend und erschlagend an. Inhaltlich wie formal. Ein gewaltiges Kino-Stück!

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P. Wellinski: Filmszene.de P. Wellinski: Filmszene.de

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8.5Ausgezeichnet

Wirklich überzeugend ist We need to talk about Kevin [...], weil er niemals versucht billige Antworten auf seine drängenden Fragen zu geben. Damit umgeht Ramsay geschickt unnötige Psychologisierungsversuche, die im Kino fast immer einen unguten Beigeschmack von Vereinfachung bekommen. Diese Weigerung macht aus ihrem Film eine hochspannende Reflexion über die Ursachen des Bösen im Menschen.

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Hannelore Heider: Deutschland Radio Hannelore Heider: Deutschland Radio

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7.5Sehenswert

Damit stellt der Film mit brutaler Direktheit eines der letzten Tabus ohne Ausflüchte und Umwege ins Zentrum. Er erzählt ruhig, aber das was sich Menschen hier antun, welche Höllenqualen sich in Seelen abspielen können, reißt die Farbe Rot in vielen Szenen immer wieder auf - als Provokation und moralische Herausforderung für den Zuschauer.

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Ulrike Frick: BR Ulrike Frick: BR

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10.0Herausragend

Packend! [...] In stark kondensierten Rückblicken versucht Ramsay eine Erklärung für Kevins Tat und macht die Abgründe seiner Seele sichtbar. Schon dieses Bemühens wegen ist We need to talk about Kevin ein filmischer Gegenentwurf zu Gus Van Sants Elephant und erinnert eher an den aktuellen deutschen Beitrag zum Thema, Aelrun Goettes ähnlich beklemmenden Ein Jahr nach Morgen.

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José Garcia: Textezumfilm

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Mit kunstvollen Schnitten und durch die durchdachte Einbeziehung von Traumsequenzen und Rückblenden bedingten, suggestiven Zeitsprüngen schafft „We need talk about Kevin“ einen Reflexionsraum für die entscheidende Schuldfrage. Zwar sperrt sich der Film gegen eindeutige Erklärungen. „Warum? Ich dachte, ich wüsste es, bin mir aber nicht mehr sicher“, sagt etwa der 16-jährige Kevin auf die Frage seiner Mutter. Das psychologische Duell zwischen dem Kind und der Mutter, das Ramsay in pointierten Szenen immer wieder in den Mittelpunkt rückt, verdeutlicht jedoch, dass Mutter und Sohn bei aller Fremdheit und Sprachlosigkeit auch nicht so unterschiedlich sind. Die Inszenierung spielt sogar hin und wieder mit Spiegelungen, die darauf hinweisen, dass Kevin ihm die von seiner Mutter zugedachte Rolle eines „Störenfrieds“ einfach mit brachialer Gewalt zu Ende spielt. In diesem Kontext ist ebenfalls die Rolle des Vaters zu werten, der die Warnungen seiner Frau in den Wind schlägt und Kevins problematische Züge gar nicht wahrnehmen will. Insofern nimmt „We need talk about Kevin“ eine gesellschaftskritische Haltung gegenüber denjenigen ein, die aus Egoismus ein Kind als „Eindringling behandeln“.

Über die kunstvolle, manchmal jedoch eine Spur zu künstliche Inszenierung hinaus beeindrucken insbesondere die Schauspieler. Tilda Swinton verkörpert die völlig überforderte Mutter auf überaus überzeugende Weise. Von der postpartalen Depression über ihre Versuche, Verständnis für das sie immer wieder zurückweisende Verhalten ihres Sohnes, bis hin zu den Schuldzuweisungen – Swinton gestaltet all diese Empfindungen authentisch. Das gleiche gilt auch für den Kinderdarsteller Jasper Newell und insbesondere auch für Ezra Miller, der die Abneigung des 16-jährigens Kevin gegen seine Familie und gegen die Gesellschaft vor allem mit verächtlichen Blicken und minimalistischen Gesten ohne zu chargieren darstellt.

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Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte... Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte...

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7.5Sehenswert

Die Schottin Lynne Ramsay inszeniert einen schockierenden Horrortrip nach dem gleichnamigen Roman der US-Autorin Lionel Shriver und knüpft mit ihrem Film thematisch an Gus van Sants preisgekröntes Drama "Elephant" an. Während jedoch letzterer detailliert die Vorbereitungen zu einem Schulmassaker dokumentiert, konfrontiert Ramsay ihre Zuschauer mit provokanten, unbequemen Fragen, die vor allem die Rolle der Mutter betreffen: Darf sie ihr Kind nicht lieben?
Tilda Swinton spielt eine Mutter, die ihr Kind nicht liebt. Eva kann gewisse negative Empfindungen nicht leugnen. Einmal parkt sie den Kinderwagen an einer Baustelle, damit der Lärm das Babygeschrei übertönt, ein anderes Mal bricht sie dem kleinen Rebellen in Weißglut versehentlich den Arm. Großartig, wie Hauptdarstellerin Tilda Swinton diese ambivalente Figur anlegt, gleichsam als eine Mater Dolorosa und Kriegerin, zerbrechlich und stark, hin- und her gerissen zwischen Wut und Schuldgefühlen.
Dazu passt es, dass Regisseurin Ramsay die Ereignisse nüchtern in traumartigen Rückblenden inszeniert. Es sind sehr eindrucksvolle, teils auch bizarre, surreale Bilder, dominiert von roten Flüssigkeiten aller Arten. In jeder Hinsicht ist "We need to talk about Kevin" somit eine packende, verstörende Melange aus Familiendrama, Charakterstudie und Psychothriller.

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BuzzG: filmfutter.com, kino-zeit.d...

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9.0Herausragend

Durch Evas Augen erleben wir Kevin, und wir finden nichts in ihm, was man als Zeichen echter Liebe oder Zuneigung deuten könnte. Nur einen Moment lang, Kevin ist krank, flammt in der Frau die Hoffnung auf, der Junge verfüge doch über eine Schwachstelle, einen weichen Kern, tief in sich begraben. Dieser Film ist kein hitziges Plädoyer an die Eltern – „Passt auf eure Kinder auf, sonst erzieht ihr sie zu Monstern!“ -, sondern das Portrait einer Mutter, die ihrer (zu frühen) Verantwortung mit gemischten Gefühlen entgegengetreten und trotz aller ehrlicher Bemühungen an ihrer Bürde zerbrochen ist. Ihr innerer Kampf, ihre quälende Liebe ihrem verlorenen Sohn gegenüber, erinnert an das Ende von Roman Polanskis „Rosemary’s Baby“ (1968), wenn Mia Farrow trotz ihrer Abscheu schließlich an die Wiege ihrer Höllengeburt tritt und sie schaukelt.
[...]
„We Need To Talk About Kevin“ ist geschmackvoll inszeniertes, brillant gespieltes, aufwühlendes Kino, das uns keine einfachen Lösungen anbietet, sondern abermals unangenehme Fragen aufwirft. Vielleicht möchte man anfangs noch über die fast putzigen Streiche des „Titelhelden“ schmunzeln – bis man letztlich feststellen muss, dass hinter diesem Schabernack kein kindlicher Spieltrieb, sondern eine unheimliche, berechnende Leere steckt…

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goodspeed: ANIch / UFA Fiction / OLOsBLOG

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9.0Herausragend

Das Gespräch über Kevin erwies sich als zermürbende Konfrontation zwischen Mutter und Kind. Eine smarte psychologische Umkehrung der kausalen Frage nach Ursache, Wirkung - und Liebe. Roman Polanski trifft auf Gus van Sant. Hier geht es nicht bloß um Rosmarie und ihr Baby, sondern um Rosmaries persönliche Hölle, nach dem ihr Spross die Welt in den Abgrund stürzte.

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Owen Gleiberman: Entertainment Weekly Owen Gleiberman: Entertainment Weekly

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6.5Ganz gut

We Need to Talk About Kevin ist unheimlich, hat aber weder Konsistenz noch Tiefe. Er ist wie Das Omen, unter Regie von Miranda July.

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SiameseMax: SiameseMovies

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7.5Sehenswert

Oberflächlich betrachtet ist die Roman-Adaption „We Need to Talk About Kevin“ von der ersten Sekunde an tadellos inszeniertes Kino. Bereits im Rahmen der reichlich verwirrenden Eröffnungssequenz meint es Regisseurin Lynne Ramsey beinahe etwas zu gut mit optischer Symbolik, und präsentiert uns direkt in der Exposition den buchstäblich vielleicht rotesten Faden seit Donald Sutherland in „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (1973) dem vermeintlichen Zwerg mit dem roten Mantel durch die verworrenen Gassen Venedigs folgte. Auch die Metaphern des Auges und der Zielscheibe, die in einer Szene sogar zu einer bedeutungsschwangeren Symbiose verschmelzen, sind geradezu allgegenwärtig in dem betont unchronologischen, montage-artig eher gezeigten als erzählten und mit dem grandiosen, wenn auch ab und an ebenfalls etwas zu aufdringlich untergemischten Score des Radiohead-Musikers Jonny Greenwood vertonten Sinfonie eines schrecklichen Verbrechens, für welches schon oft allzu leichtfertig Sündenböcke gesucht und gefunden wurden und das trotzdem nie verstanden werden konnte, und wohl auch nie verstanden werden kann.[...]

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Leslie Felperin: The Hollywood Reporter Leslie Felperin: The Hollywood Reporter

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8.5Ausgezeichnet

Tilda Swinton ist in jeder Szene präsent und lässt so keinen Zweifel daran, dass alles Sichtbare durch ihr Bewusstsein gefiltert wurde. Sie liefert in We Need to Talk About Kevin eine derart umwerfende Leistung, dass ihre Darstellung zu ihren bisher besten Arbeiten gehört.

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Alle Kritiken (24)


Kommentare (105) — Film: We Need to Talk About Kevin


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Begbie

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Der Film liegt einem von Anfang an schwer im Magen und fesselt ungemein. Auch schauspielerisch (v.a. Tilda Swinton spielt einmal mehr grandios) top besetzt, auch wenn John C. Reilly etwas blass bleibt. Auch wenn das Ende keine große Überraschung ist, trifft es einen dann doch nochmals trotzdem richtig hart. Absolut zu empfehlen um die gute Stimmung etwas zu dämpfen :)

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Mac_C_Tiro

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Guter Horror hat ja nichts mit Splatter, Gore oder Snuff zutun. Kein hartgesottener Horrorfan wird noch schlaflose Nächte haben wegen Blut und Eingweiden. Was einem wie unsereinem heut noch Angst machen kann, das muß psychologisch sein. Latent, sinister und subtil muß es uns unter die Haut und ins Herz schleichen. Es muß nachvollziehbare Bedrohung des alltäglichen, es muß unausweichbar, es muß jederzeit passierbar sein. Die Kevins dieser Welt machen mir Angst...

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puroduroo

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ich bin immer noch völlig durch den Wind! :S
Der Film war wirklich gut, aber extrem verstörend, wie ich finde...

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slice

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ich hasse den Film und habe ihn auch nicht bis zum Ende geschaut, ging nicht, war mir viel zu derb und beängstigend - und das sage ich, der hauptsächlich Horrorfilme (selbst aus der blutigsten Ecke) schaut. Wenn irgendein Typ vor der Kamera in Einzelteile zersägt wird und das Blut nur so herumspritzt, so schlafe ich danach wie ein Baby, aber nach diesem Film war nicht ans Schlafen zu denken. Zur Bewertung: Der Film ist sehr gut, aber eben, ich konnte ihn nicht zu Ende schauen.

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Kevkev151012

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Bewertung6.5Ganz gut

Die bildliche Kraft im Zusammenspiel mit der guten Musik ist in diesem Film wirklich herausstechend, die Thematik ist wirklich interessant aber insgesamt muss man zugeben der Film kratzt höchstens leicht an der dicken Schicht die über dem eigentlichen Kernthema liegt.

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RapunzelNrDrei

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein sehr guter Film, der mir jetzt noch in den Knochen sitzt!

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markus.rittner

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

We Need to Talk About Kevin, ein Familien Drama das sich mit der Entwicklung und das Erwachsen werden eines Amokläufers beschäftigt. John C. Reilly und besonders Tilda Swinton leisten hier eine grandiose Darstellung. Und auch Jasper Newell der Kevin als Kleinkind spiel hat einen Gesichtausdruck der mich jedesmal schaudern lässt, die Boshaftikeit kommt durch den Darsteller der den jugendlichen Kevin spielt nicht mehr so rüber. Der eigentlich ruhige Film wir in Rückblenden erzählt, obwohl das eigentliche Ende bekannt ist kommen durch die Rückblenden dennoch überraschungen auf den Zuschauer zu. Es sehr düsterer, tragischer und aufwühlender Film, der sicherlich nicht für zartbesaitete Zuschauer ist, da er ein faden Geschmack hinterlässt.

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Zimtmond

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein Film wie ein Schlag in den Magen. Lang saß ich nicht mehr so angespannt und gelähmt vor dem Fernseher.
"We need to talk about Kevin" ist immer noch in meinem Kopf und hat einen (bis jetzt noch) bleibenden Eindruck hinterlassen.

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Velly

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Nein.


markus.rittner

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Nein, finde ich auch nicht. In dem Fall war weiniger mehr.


Fedkek2

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Bewertung4.0Uninteressant

Je länger ich ihn mir anschaute desto mehr wurde mir klar das Kevin einfach nur ein eiskalter Psychopath ist. Ich weiss nicht so recht was ich von diesem Streifen halten soll aber das hier aus dem Lexikon des Internationalen Films fand ich sehr passend:

„Ohne die Ursachen (...) erklären zu wollen, formuliert der Film in seiner subjektiven Herangehensweise eindringlich das Entsetzen und die Fassungslosigkeit angesichts einer Gewalttat, die sich einem rationalen Zugriff zu verweigern scheint.“

Deswegen hat er mir auch nicht gefallen, es gibt einfach keinen Grund! alles was Kevin dazu sagt ist: "Früher dachte ich es gibt einen, heute bin ich mir nicht mehr sicher". Die einzige Botschaft die ich dem Film entnehmen konnte ist die unendliche Liebe und Geduld einer Mutter zu ihrem Kind. Meine Fresse was die arme Tilda alles durch gemacht hat und dann wird sie auch noch von diesem Drecksack von Arbeitskollegen fertig gemacht und kassiert ab und zu auf offener Straße Ohrfeigen von fremden Leuten oder ihr Haus wird besudelt, als ob sie irgendetwas dafür könnte, sie ist ihrem Sohn gegenüber nur einmal "ausfallend" geworden und es hat sogar was gebracht, vielleicht hätte sie so weiter machen sollen :) quatsch aber ihr Kevin hat ihr das schlimmste angetan was man einer Mutter überhaupt antuen kann, da fehlte nur noch eine Vergewaltigung und sein Suizid.

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aimee

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Eine beeindruckend erzählte Geschichte, die unaufhaltsam an den Nerven zieht mit einer derart entschleunigten Form von Dramatik, dass es einem schlecht wird.
Ein Wechselbad der Gefühle. Auf Liebe folgt Hass, folgt Mut und Enttäuschung.

Ein zerstörerisches Drama, beinahe eine Groteske, angesiedelt in menschlichen Abgründen; und gleichzeitig ein aufs Furchtbarste berührender Film über eine Gesellschaft, die lernen muss zu differenzieren, lernen muss zu verzeihen. Nicht weniger: Eine schmerzliche Episode über bedingungslose Liebe.

(Die Mimik einer Tilda Swinton ist und bleibt ausnahmslos fantastisch. Ich bin entsetzt, letztlich doch immer wieder entzückt.)

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Line3105

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Bewertung9.0Herausragend

Ich sah das Cover, las den Titel. Okay: Seh ich mir an. Die Schauspieler mag ich!
Und dann? Erwartete mich ein Thema, was mich völlig aus der Bahn geworfen hat.

Selbst frischgebackene Mutter und emotional anfällig, schleuderte man mir einen Film um die Ohren, in dem der Sohn so Hasserfüllt und krank ist. Das ließ mich nicht mehr los. Ich musste wochenlang immer zu wieder daran denken. Man hat Angst, dass einem sowas auch passieren kann... stellt sich Fragen warum sowas passiert.

Der Film ist so stark dramatisch und bewegend, dass ich hier für eine 9er Bewertung abgeben musste. Bin ich emozentrisch?

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bugsb

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Bewertung3.5Schwach

Seit seine Geburt ist das Verhältnis zwischen Kevin und seine Mutter gestört. Kevin ist ein Schreibaby, das sich zum Arschloch entwickelt. Auch dann wenn es mal schön ist, weist er die Stimmung kaput zu machen. Nein, es gibt nicht viel zu lachen in Eva's Leben. Alles wird reduziert auf diese kapute Mutter-Sohn-Beziehung. Schwer, schwer schwer alles.
Mit symbolgeladene Bildern wird diese trostlosigkeit zum Ausdruck gebracht. Das ist zwar schön an zu sehen, aber mir fehlt der Inhalt und die Nuance. Ich finde das durch die ruhige Art und dei schöne Bilder das Thema fast verharmlost wird.

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bastian.during

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ein wahrer Satansbraten, der da in der Familie Khatchadourian für Unruhe sorgt. Kevin ist abgrundtief böse. Woran kann das liegen? An seinem gestörten Verhältnis zur reservierten Mutter? Kann gut sein, aber der Film will sich in der Hinsicht nicht festlegen lassen. Es geht nicht um das Warum, das Hauptaugenmerk liegt auf dem Wie. In raffinierten Rückblicken zeigt der Film eine glückliche Ehefrau, überforderte Mutter, erfolgreiche Businessfrau. Aber eben auch verschiedene Erlebnisse zwischen Mutter und Sohn, die nicht von Zuneigung, sondern von Antipathie zeugen. Und er zeigt die Gegenwart: eine Frau, die von ihrer Umwelt angefeindet wird, weil es jemanden geben muss, der schuld ist an der Katastrophe. Weil man seinen Hass an irgendjemandem auslassen muss, um nicht verrückt zu werden. Der Film gibt keine Antworten, doch wer gehörig Schuld an der Situation trägt, wird im Laufe des Films deutlich. +++SPOILER+++ Denn wenn man eine offensichtliche Disharmonie nicht wahrhaben und heile Welt spielen will, ohne zu helfen, dann kann das nicht gut werden. Der Vater, gespielt von John C. Reilly, will sich nicht mit den Problemen seiner Familie nicht herumschlagen, lässt seine Frau alleine und dadurch kommt es unweigerlich zur Katastrophe. +++SPOILERENDE+++ Leider gibt es auch einen Kritikpunkt: Tilda Swinton spielt wieder einmal herausragend, doch mit dem versöhnlichen Ende konnte ich mich nicht abfinden. Eine Versöhnung, nach allem, was geschehen ist? Vielleicht kann das nur eine Mutter nachvollziehen...

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natedb

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Bewertung6.0Ganz gut

Schwierig.
Ich kann mich damit brüsten die Vorlage zu kennen und das Buch zählt zu meinen Lieblingslektüren. Es war eine zermürbende Reflektion einer Mutter über die eigene Schuld am Verbrechen ihres Sohnes und eine fantastische Charakterzeichnung, sowohl von ihr, Eva, als auch vom Titel"helden": Kevin.
Mit Tilda Swinton hat sich Regisseurin Lynne Ramsay eine der großartigsten Darstellerinnen mit an Bord geholt und "verschwendet" sie für langatmige Einstellungen mit prätentiösem Schweigen, in welchen sie Swinton vor roter Farbe umherwandeln lässt.
Dieses rot ist ja stellenweise gut eingesetzt, wird insgesamt aber zu häufig verwendet und nervte mich letztendlich sogar ein bisschen. Rot, rot, rot, rot, rot... Subtil geht anders. Auch lässt sie Tilda Swinton den Film über schweigen... Die wenigen Phrasen die sie hat sitzen, aber ein Buch, in welchem ein kontinuierlicher innerer Monolog stattfindet, mit solcher Reserviertheit umzusetzen halte ich nicht für einen besonders klugen Schachzug. Unter anderem, weil der wichtige Charakter des Franklin, hier dargestellt von John C. Reilly, kaum beleuchtet und nur angebrochen wird.
Statt also Tilda Swinton beim Autofahren, beim Dasitzen, beim Liegen und beim in die Kamera gucken zu filmen, hätte Ramsay sich ruhig etwas mehr Kevin und ganz besonders dem Ehemann widmen können.
Swinton macht beim in die Kamera gucken natürlich einen hervorragenden Job, was sollte man auch anderes erwarten? Es ist allergrößte Schauspielkunst, wie sie die Emotionen Evas mit wenigen Gesichtszügen und ihren Augen transportiert.
Doch wie bereits angedeutet ist der Film gerade dann am stärksten, wenn sich tatsächlich etwas tut. Nach dem schleppenden, zu kunstvoll inszenierten Anfang, welcher förmlich nach Aufmerksamkeit schreit, ist die zweite, gesprächigere Hälfte des Filmes sehr viel stärker.
Mit der Darstellung des Kevin bin ich nicht ganz zufrieden, sein Handeln wird im Film nicht gänzlich durchleuchtet und sein psychopathischer Charakter ungenügend wiedergegeben. Auch die Stelle, in welcher er sein Motiv ansatzweise im Fernsehen erklärt, ist undeutlich.
Ramsay fixiert sich zu sehr auf ihre Hauptdarstellerin, ihr doofes rot und ihr Zerschnippeln von guten Szenen, weswegen ich den Film angesichts der Vorlage für eher misslungen halte. Wenigstens hat Ramsay im Drehbuch gut aussortiert und die wichtigsten Szenen eingefügt. Ich hätte mir eine kompromisslosere, drastischere und meinetwegen auch längere Umsetzung gewünscht, in welcher Evas Umfeld besser beleuchtet wird.
Für Tilda Swintons bemerkenswerte Leistung, welche man keinesfalls übergehen sollte, bleibe ich in der Bewertung aber ausnahmsweise gutmütig.

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bugsb

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Ich kenne die Vorlage nicht, aber dein Kommentar zum Film stimme ich 100% zu. Leider kann Tilda Swinton, wie gut sie ihr Job auch macht, den Film nicht retten.


benjamin.zahnd

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Bewertung7.5Sehenswert

Ein Film welcher einem mit gemischten Gefühlen hinterlässt und noch einige zeit nachwirkt...

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Markbln

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Bewertung7.0Sehenswert

Tilda Swinton hat schon vieles gespielt, was sich ins Gedächtnis gefräst hat (Orlando, Female Perversions, The Deep End).
Als Reisejournalistin Eva Khatchadourian in WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN fügt sie dieser Serie eine weitere Rolle hinzu, in der sie ihre atemberaubende Aura und Schauspielkunst strahlen lassen kann. Ihr zuzusehen ist eine Freude, die Rolle scheint ihr auf den Leib geschneidert zu sein, obwohl sie mit ihrem Look nun wirklich nicht dem klischeemäßigen Mütterchen entspricht. Regisseurin Lynne Ramsey fokussiert sich ganz auf sie.
John C.Reilly spielt ok, ist aber als Lover der modelschlanken, androgynen Swinton nicht ganz gaubwürdig und wirkt im durchgestylten Designerumfeld ihrer Wohnung in seinem Working class look fehl am Platz. Der Sohn, der Titelgebende Kevin ist einer der Aufsteiger der letzten Jahre, Ezra Miller. Er passt zwar besser zu Swindon und hat starke Szenen, aber er rollt auch etwas zu sehr mit den Augen, seine Figur bleibt eindimensional. Ein Schwachpunkt des Films. Less would be more. Die Zwangsläufigkeit der Tat, die sich am Ende fast aufdrängt, nachdem der Sohn über die Jahre von Daddy mit Waffengeschützen aller Art versorgt wurde, ist ebenfalls etwas zu simpel.
Auch die hammerschwere Symbolik, die einem schon in der Eingangsszene beim spanischen Tomatenfest um die Ohren gehauen wird, ist mir zu dick aufgetragen. Der ganze Film sieht irgendwie rot. Ob Swinton mit rot bespritzem Gesicht das rot besudelte Haus mit der Miniklinge zu säubern versucht, oder die Lehrerin der Schule mit bloßen (!) Händen in Close-up und slow motion genüßlich abstoßend das Blutmeer vom Boden aufwischt (im paranoiden USA ein Ding der Unmöglichkeit): das ist zu plakativ und effektheischend.

Schade, das hätte der Film nicht nötig gehabt. Die sonstige Visualisierung ist sehr stark. Ebenso die kontrapunktische Auswahl der Musik. Dadurch wirkt der Film zwar sehr böse, aber diese ironische Note macht es ein wenig erträglicher, das düstere, deprimierende Thema zu ertragen, die Geschichte ist wirklich sehr grausam und abstoßend.
Die große Stärke des Films ist seine erzählerische Kraft. Die raffinierte Inszenierung mit vielen Quer- und Rückblenden hat mich begeistert. Das Konzept, dem Zuschauer zu überlassen, was ist objektiv und was subjektive Wahrnehmung, geht für mich auf. Die Tatsache, dass der Film damit der Versuchung widersteht, die Ursachen zu erklären, rechne ich der Regiseurin ebenfalls hoch an. Beim Thema Amok ist das bislang fast immer noch schief gegangen. Lynne Ramsey vertraut jedoch ganz ihrer Geschichte um einen Psychopathen, der von Anfang an mit Agression und Hass auf die Mutter, die daran zu verzweifeln droht, reagiert. Das Kind ist ein Sadist, ein Irrer, ein Schwein. Es manipuliert seine ganze Familie, missbraucht und verletzt die kleine Schwester. Es macht einem als Zuschauer selbst agressiv und man fragt sich, wie lange sich die Mutter noch mit ihm abgeben will und warum sie es nicht in ein Heim schickt. Aber Tilda hält durch, sie opfert sich quasi für ihren Sohn und geht dafür durch die Hölle.

In der letzten Szene ist der Sohn endlich ruhig, die Mutter umarmt ihn und er...? Selber schauen, der Film hat es verdient. Trotz der genannten Mängel ist WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN ein starke Auseinandersetzung mit dem Thema. Er hat, obwohl er bestimmt keine geben will, sozusagen eine Antwort auf all die hilflosen Frage-Kärtchen an Orten des Grauens, die man immer wieder sehen kann, wenn es irgendwo auf der Welt einen Amoklauf gab. "Why?" Warum? Es gibt kein Warum.

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SKURRIL

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Sehr gut beschrieben! Ich bin vollkommen fertig mit der Welt..


pfeffer

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Bewertung9.0Herausragend

Lynne Ramsay ist eine große Formalistin. Hier sitzt jede Einstellung. Eva im Tomatenmeer, Eva vor der Dosentomatenwand. Die Tür, der Ball, die Scheibe: alles rot. Da wird zwar nahezu durchgängig mit dem Vorschlaghammer gearbeitet (subtil ist anders), das passt aber durchaus in die Logik von Gewalt, die dieser Film nachzeichnet. Hier gibt es keinen Anfang und kein Ende. Diese Geschichte kann per se nicht subtil sein. Das ist hart. Entsetzlich und brutal.

Bemerkenswert: Ramsay versucht gar nicht erst, in die Erklärungsfalle zu treten. Gewalt ist Gewalt ist Gewalt. Macht macht mehr Macht. Der Film bedient sich am gordischen Knoten seines Themas. Willkommen in der Brutalität der Tautologie. Wo alles unverrückbar voll Schmerz ist und kein Ausweg in Sicht.

Ebenso bemerkenswert: eine Besetzung, die besser wohl kaum sein könnte. Ein fantastischer Ezra Miller, ein gewohnt großer John C. Reilly und eine brillante (!) Tilda Swinton.
Großer Wurf.

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Daymare

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Bewertung7.5Sehenswert

"We Need to Talk About Kevin" ist ein intensives Drama, dass durch seine subjektive Erzählweise um ein vielfaches tragischer und persönlicher wird, als man es zunächst vermuten würde! Zum Glück konnte ich meine anfänglichen Bedenken nach den ersten 20 Minuten so langsam abstreifen! Andernfalls wäre mir wohl eine kleine Perle entgangen!

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fuqqthesystem

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Bewertung9.0Herausragend

"We Need To Talk About Kevin" ist einer dieser Filme, die einem noch Tage nach dem Schauen im Kopf herumgeistern. Und zwar auf diese fiese, bedrückende Art; man fühlt sich nicht so wirklich wohl, wenn man darüber redet oder nachdenkt.
Kurz gesagt: Dieser Film hinterlässt Eindruck, wie wenige andere.

!SPOILER! :)

Der Film erzählt die Geschichte um Eva und ihren Sohn Kevin. Dabei werden abwechselnd Erinnerungen der Mutter und ihr Leben in der Gegenwart gezeigt.
Eva musste ihr Leben, das sie so liebte, nach der ungewollten Schwangerschaft mit Kevin komplett umkrempeln. Sie musste ihre Wohnung in New York zurücklassen, um in eine Kleinstadt aufs Land zu ziehen, ihren Job als Reise-Journalistin aufgeben und somit auch ihre Leidenschaft, das Reisen.
Sie kommt von Anfang an auf keinen grünen Zweig mit dem Baby. Kevin weint nur, später redet er nicht, reagiert selten auf ihre Bemühungen. Eva sieht ihren Sohn nur als Belastung, die ihr Leben zerstört.

In der Erzählweise, die extrem durch Evas subjektive Sicht geprägt wird, wirkt Kevin böse, er scheint seine Mutter zu hassen. Er beschmiert zum Beispiel aus scheinbar purer Zerstörungswut die Wände ihres Hobbyraums. Die fehlende Unterstützung ihres Mannes, der sich mit Kevin gut versteht, bestärkt ihre Meinung, dass der Junge sie gegeneinander ausspielen will.

Darauf spielt auch der Titel des Filmes an, denn während seiner gesamten Laufzeit reden die beiden Eltern nie über die Problematik. Franklin sehnt sich nach einer heilen Welt und will nicht den Zwist zwischen Mutter und Sohn sehen und macht Eva für alle Probleme verantwortlich. Eva dagegen sieht nur, wie ihr Mann den Kleinen verteidigt und nur die positiven Seiten der Vaterschaft genießt.
Kevin fühlt sich durch diese gestörte Beziehung zu seiner Mutter von ihr ungeliebt und dies verstärkt sich noch bei der Geburt seiner Schwester. Er hat das Gefühl, dadurch noch mehr in den Hintergrund gedrängt zu werden. Dabei sieht man aus Evas Sichtweise jedoch nur, wie ihr Sohn das kleine Mädchen ärgert. Sie kann seine Gefühle nicht nachvollziehen und fühlt sich nur weiter in ihrer Meinung bestätigt, Kevin sei böse.

Je weiter die Erinnerungen voranschreiten, desto mehr wird klar, dass Kevin ein schwieriges Kind war, welches sehr viel Zuwendung und Verständnis gebraucht hätte. Da Eva das seltsame Verhalten des Jungen jedoch auf sich bezieht und ihm vieles davon übel nimmt, entwickelt er sich mit der Zeit zu dem abgrundtief bösen Menschen, für den sie ihn von Anfang an hält.

Sehr prägend für den Jungen und den späteren Verlauf der Ereignisse ist das einzig positive Erlebnis mit seiner Mutter, an das sie sich erinnert. Als Kevin krank wird, lässt er sich zum ersten Mal auf seine Mutter ein und lässt sich von ihr "Robin Hood" vorlesen. In dem Moment scheint sich die ganze Situation zu drehen. Nun ist er unfreundlich zu seinem Vater.
Wieder gesund, ist die Situation nun wieder wie vorher. Sein Vater hat ihm Pfeil und Bogen für Kinder zum Spielen gekauft.
Als sehr bezeichnend empfinde ich dabei, dass das einzig gezeigte, positive Erlebnis zwischen Eva und Kevin sich im Rückblick als eine sehr zynische Szene herausstellt. Denn am Ende ist es gerade dieser glückliche Moment zwischen den beiden, der unter anderem die Grundlage für das spätere Handeln des Teenagers und die Wahl des Bogens als Mordinstrument legt.

Meiner Meinung nach ist der Bogen als Amok-Waffe zudem eine gute Möglichkeit, bewusst keine Stellung bezüglich der Schusswaffendebatten in den USA zu beziehen. Gut, dass sich der Film nicht auf eine politische Diskussion dieser Art einlässt. Denn hier geht es um die menschliche Problematik und wie sich so etwas entwickeln kann.

Bis zum Ende hin bekommt man nicht wirklich eindeutige Antworten zum Thema. Und warum er getan hat, was er getan hat, das weiß am Ende nicht einmal mehr Kevin zu sagen. Doch der Film zeigt ergreifend und eindrucksvoll die Vergangenheit und Gegenwart einer völlig zerstörten Familie und eines zerstörten Lebens und die die Umstände, die vielleicht dahin geführt haben . Manchmal ist er dabei wie ein Schlag ins Gesicht. Alles in allem ist "We Need To Talk About Kevin" ein spannendes und ergreifendes Drama, das Grundlage für viele Diskussionen liefert.

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elmnope

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Feiner Kommentar, feine Beobachtungen- gerade die Wechselwirkung zwischen den Figuren wird deutlich :)


zmpfl

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Danke für den tollen Kommentar. Soo weit hatte ich mich mit den Charakteren gar nicht beschäftigt.


Boogers666

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Bewertung3.0Schwach

Das Grundproblem das "We need to talk about Kevin" hat ist, das eine so vielschichtige und auf so vielen Ebenen zu untersuchende Familientragödie nur anhand von zwei Personen festgemacht wird, die offenbar beide eine extreme psychische Störung haben. Mir ist durchaus bewusst, das es hier hauptsächlich um die Mutter geht und das der Großteil des Films nur aus ihren Erinnerungen besteht und sie vielleicht nur deswegen ein nach dem Attentat verzerrtes Bild ihres Sohnes im Kopf hat, denn ihn auf eine Stufe mit Damien zu stellen, wie ich hier oft gelesen habe geht doch etwas zu weit, denn er ist ja nicht von klein auf böse, es ist die fehlende Liebe und die Zuneigung die ihn bzw. das was die Mutter von ihm denkt zu dem macht, was er ist. Auch wenn das Attentat beliebig ist und nur die extreme Spannung zwischen Mutter und Sohn zum Explodieren bringt, gibt es keine Hintergründe, alles nur einseitig zu beleuchten und mit Symbolen zu überschwemmen hilft da auch nicht viel weiter. Wo wir schon beim nächsten großen Problem des Films wären : der maßlos übertriebenen und total unnützen Symbolik, was noch durchaus interessant anfängt (Tomatenschlacht) endet in reiner Willkür und willkürlicher Zuschaustellung von auf-Teufel-komm-raus auf Arthouse getrimmten Metaphern und Symbolen die diese eigentlich ernste Geschichte komplett ins lächerliche ziehen, denn was einem der Film sagen will ist am Ende genau so fragwürdig, egal wie ich ihn interpretiere ich sehe keinen Sinn in dem ganzen und so bleibt am Ende ein extrem zäher, langweiliger, von unnötiger Symbolik trotzender , sinnloser Haufen Dreck, mit dann doch sehr guten Schauspielern die nichts an dem ganzen ändern.

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Boogers666

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Habs mir lange überlegt...


Boogers666

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Eben :)



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