Wild - Kritik

Wild

DE · 2016 · Laufzeit 90 Minuten · FSK 16 · Drama · Kinostart
Du
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    RoboMaus 27.06.2017, 22:37 Geändert 29.06.2017, 07:52

    Nichts gegen Absurditäten, einen Wolf im Stadtpark fangen und ihn mit eigenem Menstruationsblut abrichten (im Grunde die einzig wirklich gute Idee), oder wenn sich die Psycho-Probleme des Mädchens auf die Beziehung mit dem Wolf übertragen, gemeinsames Schlabbern von Wasser aus einem Syph-Tümpel inbegriffen. Kranker Symbolismus als Metapher für unsere Gesellschaft oder den mentalen Zustand gewisser Individuen, z.B. Leute, die mit ihrem Hund vögeln, oder was auch immer der geneigte Kenner des deutschen Arthaus hier herauslesen will: auf die intellektuellen Streckübungen kann ich verzichten.

    Es ist schlicht und einfach die Form, die Kopfschütteln auslöst, dieses zähe, trockene, lahme Kino als Garant für unerträgliche Langeweile, wobei die abstruse Handlung kaum dazu angetan ist, Interesse zu wecken. Hier gibt es keine sympathischen, sondern nur bedauernswerte bis abstoßende Charaktere, keinen Identifikationspunkt, nur Dinge, mit denen ich im Film nichts anfangen kann.

    Man sitzt fassungslos davor und denkt: "wie ist es möglich, dass solch eine Ausgeburt an absurder, witzloser Langeweile auch noch den Weg in das Kino findet?"

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      Da wollte jemand zu viel. So kommt es mir vor. Der Film hat dann immer gute Momente, wenn offensichtlich wird, dass das Mädel irgendein tief sitzendes Problem hat. Aber der ganz Symbolismus mit dem Wolf ist mir zu weit hergeholt.

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      • Im Podcast besprochen:

        "für einige zählte Krebitz‘ dritter Langfilm zu den besten Filmen 2016. Doch wir haben da eine gespaltenere Meinung zum kantigen, teils aufregenden Charakterdrama. So oder so analysieren und interpretieren wir was das Zeug hält und haben wohl immer noch nicht alle Fragen richtig beantwortet. Aber genau das macht auch den Reiz des Films aus, neben fantastischen Schauspielern und einem faszinierenden Wolf."

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          junge introvertierte Frau verliebt sich in einen Wolf und zähmt es mit ihrem Menstruationsblut...

          ja man kann ja die verrücktesten sexualpathologischen Triebe haben, aber diese Beziehung stößt sich einfach komplett ab. Es ist für mich einfach zu unrealistisch, vielleicht kann man es modernes Großstadtmärchen nennen. -Ich meine es auch so verstanden zu haben, dass der Wolf ihr Ebenbild ist...

          Mir hat es nicht gefallen, war mir einfach zu langweilig.

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            Der Film ist einfach nur krass.

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              shortybuster 08.05.2017, 12:49 Geändert 08.05.2017, 17:58

              Provokant und verstörend, überspitzt und absurd - Nicolette Krebitz' dritter Film "Wild" ist ein furchtloser deutscher Kinofilm, der zu sehr fasziniert und in den Bann zieht, als das man ihn kopfschüttelnd abbrechen könnte.

              Anias Leben ist ein Hamsterrad aus Weckerklingeln, Arbeitsweg, Kaffeekochen für den Chef und unpersönlichen Disko-Besuchen mit den Arbeitskollegen. Ihre Schwester verlässt die gemeinsame Wohnung, um mit ihrem Freund zusammenzuziehen. Der auf dem selben Gang des Hochhauses wohnende Großvater - Eltern sind keine präsent - liegt im Krankenhaus und ringt um sein Leben. Gefangen in einem Leben so grau wie der Beton der Hochhausbauten der Stadt, so grau wie die ganze Stadt, eingezwängt in kastenförmige Buroräume, abgetrennt von der Welt durch Wände und Glasscheiben - Nicolette Krebitz zeigt uns Ania als Vereinzelte, als krasse Aussenseiterin, die schon lange nur noch für ihren eingerichteten Alltag, aber nicht mehr für sich selbst und ihre Bedürfnisse zu leben scheint.

              Als Ania dann einem Wolf am Rande des Stadtparks begegnet, erschließt sich "Wild" als ein von seiner Konzeption her ernst zunehmendes Kettensprenger-Drama, das die Auseinandersetzung mit einer handvoll von Gegensätzen andeutet: Mensch vs. Tier; Stadt vs. Land; Zivilisation vs. Natur; Gefangenschaft vs. Freiheit; Vernunft vs. Triebe...Zugleich ist Krebitz' Film natürlich keine hochtrabende Gesellschaftsanalyse und -kritik, die sich auf philosophische Weise der Anthropologie des Menschen widmen möchte, sondern eine drastisch ins märchenhafte und romantische verklärte Geschichte einer Einzelnen, die in der Wildheit und Freiheit des Wolfes ihre eigene (symbolische) Gefangenschaft begreift und radikal einen rational und unpathologisch kaum noch zu erklärenden Weg der Selbstfindung, Selbstbefreiung und (Selbst-)Befriedigung einschlägt.

              Die vielen Episoden, die Anias fortschreitende "Verwilderung" dokumentieren, sind dabei kaum zu bändigen und changieren zwischen (ungewollt) Lustigem, sodomistisch Ekligem und menschlich Verstörendem. Es ist wahrlich kein leichter Weg, den der Zuschauer mit der Protagonistin gehen muss, denn auch mit der Schlusssequenz und den immer stärker werdenden warmen Bildern ist "Wild" mit seinem ungewöhnlichen Protagonistengespann ganz bei sich.

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                Der Siegemund 29.04.2017, 12:58 Geändert 29.04.2017, 13:34

                "Wild" erspart einem wirklich nichts - Nacktheit, Sodomie, Closeups von mit Matsch, Schweiß und Sperma verschmierten Körperteilen einer Protagonistin, die sich seit Wochen nicht mehr gewaschen hat - damit man bei einer außergewöhnlichen Story mit Tiefsinn und innovativer Kameraführung auf den Genuss kommt. Ich schwankte zwischen Ekel und Abenteuerlust während die Spannung mein Auge nicht vom Screen weichen ließ. Viel zu sehr wollte ich wissen, wie man einen echten Wolf in die Wohnung locken kann, wer gefressen wird oder ob sich der Wolf als Hund entpuppt.

                Ania ist eine graue schüchterne Maus. Ihr Chef würde sie gerne aus der Reserve locken, doch alle wissen, dass Ania derzeit um ihren Großvater bangt, der im Krankenhaus liegt und nicht mehr lange zu leben hat. Ihrer Arbeit gegenüber ist sie völlig gleichgültig, ihr Leben bietet keine Unterhaltung oder Abwechslung, weder Freunde, Fernsehen noch Bücher. Als sie auf dem Weg zur Arbeit am Waldrand einem Wolf begegnet, hat man das Gefühl, dass Rotkäppchen sich verliebt hat, jedenfalls wurde etwas ausgelöst. Es scheint sogar auf Gegenseitigkeit zu beruhen, denn der Wolf reagiert wenig aggressiv.

                Während ich eine Rotkäppchen-Szenario erwarte, bei dem sich Ania zu sehr überschätzt, wird mir schnell klar, dass sie den Spieß herumdreht und das arme Vieh in langer Vorbereitung mit Fleischbrocken und Lebendfutter auf ihren Geruch einstimmt (man muss davon ausgehen, dass der Wolf riecht, dass Ania das Fleisch hingelegt hat) und dann später mit Lappen-Jagdtechniken in die Enge treibt um ihn dann mit Betäubungspfeilen lahm zu legen. Sie entreißt das Tier, das sich nicht wehren kann, aus seinem natürlichen Lebensumfeld, was bei mir ein großes Mitgefühl für den Wolf auslöst. Ich bin geschockt, dass ein so stolzes Tier so gedemütigt wird. Sie sperrt ihn in ein Zimmer, wo er laut rumheulend im Kreis herumläuft. Er lässt sich füttern, aber Ania will mehr, so träumt sie davon vom Wolf sexuell befriedigt zu werden, was in expliziten Szenen gezeigt wird. Es sind noch Traumszenen, doch schon hier wird nicht mit Ekelerotik gespart. Auf der eine Seite ist Ania sexuell attraktiv, doch der schleichende Übergang zur Ekelerotik finde ich hundsgemein. Diese Art mit dem Zuschauer umzugehen habe ich schon in anderen Filmen beklagt, wo man in eine Sache hineingezogen wird, die man gar nicht will. Nach einigen Tagen schafft der Wolf sich von selbst zu befreien und Ania steht dem Wolf gegenüber. Ich möchte hier nichts vorwegnehmen, deshalb sage ich an dieser Stelle, dass die Spannung weiter anhält.

                7 Punkte vergebe ich, weil es innovativ und spannend anzusehen war, doch der poetische Anteil der Geschichte ist für mich in einer Ekelerotik ertränkt worden und zwar so, dass ich mich überrumpelt gefühlt habe, dabei zuschauen zu müssen. Das mag ich gar nicht.

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                  Junge Frau fängt Wolf, sperrt ihn in ihre Wohnung ein und lässt ihre (Un)Triebe aufblühen. Wenn ein Film keine Atmosphäre, kein Herz und keine Seele hat, nützt es rein gar nichts, wenn man um des billigen Effekts wegen mit Blut, Sperma und Kot arbeitet.

                  Was für ein Ultrakäse!

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                    Ein verstörender, kranker Film. Eine junge Frau befriedigt ihre sexuellen Triebe, indem sie einen wilden Wolf in ihre Plattenbauwohnung verschleppt und bei gleichzeitigem Kontrollverlust über Job und Leben eine intime Beziehung mit ihm beginnt.

                    Was, bitteschön, soll das? Was ist die Message dieses Films, der mich regelrecht abgestoßen hat? Falls es darum geht zu zeigen, dass auch die "graueste Maus", im Alltag unauffällig und zurückhaltend, im Innersten die wildesten Phantasien hegen kann, bis diese letztlich aus ihr herausbrechen und an die Öffentlichkeit dringen, dann ist dies zumindest stilistisch einigermaßen gut umgesetzt. Aber hätte es dazu diesen Film gebraucht? Ich denke nicht.

                    4/10

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                      Ania arbeitet in einem grauen Büro, lebt im kalten Neubauviertel in Halle-Neustadt und hat es nicht so mit sozialer Gesellschaft. Als sie auf ihrem Arbeitsweg im Park einen Wolf trifft, ist sie so fasziniert, dass sie den Wolf unbedingt wiedersehen möchte.
                      Sie versucht den Wolf mit Fleisch vergeblich zu locken und beschließt dann motiviert das Tier einzufangen. Nach einigen Recherchen gelingt es ihr den Wolf zu betäuben und anschließend in ihre Neubaubude zu „entführen“.
                      Nach und nach gewinnt sie das Vertrauen des Wolfs und entwickelt eine Art erotische Nähe zu dem Tier. Natürlich bleibt der Gestank und der Lärm nicht lange verborgen, so dass die Nachbarin langsam anfängt zu nerven. Mittlerweile sieht die Wohnung eher aus wie ein Stall – Kot, Blut und Tierkadaver runden das Bild stimmig ab.

                      Wau! Was sich komplett banal anhört und liest, ist in der Umsetzung eine gewaltige Wucht. Lilith Stangenberg liefert eine absolut intensive und großartige Leistung als Ania ab. Und das Kothäubchen ist der echte, reale, wirkliche Wolf. Setzt man bei Großproduktionen eher CGI-Effekte ein, wenn es um wilde Raubtiere und gemeinsame Szenen mit den Schauspielern geht, kommt Nicolette Krebitzs Film ohne diesen neumodernen Schrott aus. Stattdessen werden einige Kameratricks eingesetzt. Man kann den Wolf förmlich riechen. Es gibt Szenen, da fragt man sich a) wie haben die das gemacht? und b) wie viel Mut musste Lilith Stangenberg dafür aufbringen?
                      Ich persönlich mag diese Tiere ja auch, aber es sind halt Raubtiere, die nicht lange fackeln, deswegen lieber aus der Ferne und mit großem Respekt.
                      Hier liegt Ania direkt neben dem Wolf, streichelt und füttert ihn und lässt sich auch mal das Gesicht ablecken (oder auch mal gerne viel weiter unten(rum) …).
                      Ob da jetzt zu viel Kunst im Film steckt, oder die Botschaft zu derb gefilmt ist, mag ich nicht beurteilen. Mich hat der Film gewaltig beeindruckt. Zudem gibt es mit Georg Friedrich noch geilen Ösi-Slang.

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                        lieber_tee 19.12.2016, 09:41 Geändert 20.12.2016, 14:00

                        Das Tier in der Frau.
                        Manchmal geht Ania nach ihrer gleich-geschalteten Arbeit in die Schießanlage, wo ihre Einschusslöcher aber genauso wenig Spuren hinterlassen wie ihre Anwesenheit im Büro oder Plattenbausiedlung, wo sie anonym wohnt. Erst der Kontakt mit einem frei-lebenden Wolf im Park lässt sie bei sich etwas spüren, das sie vorher so nicht kannte. Fremdheit weckt das Fremde in ihr. Die Annäherung an das Wilde ist sowohl eine Domestizierung als auch das Begehren nach einer Unruhe, nach Revolte. Etappenweise entsteht ein neuer Veränderungszustand, parallel zum Anfreunden mit dem Wolf. Gesellschaftliche Anpassung zerbröckelt, sexuelle Begierde wird geweckt.
                        Regisseurin und Autorin Nicolette Krebitz erzählt diesen schritthaften Tabubruch als ein seelisches und filmisches Experiment, als animalische Coming of Age-Geschichte, als Emanzipations-Parabel. Die Grenzen zwischen Gesellschaft und Körper lösen sich nach und nach auf. Wobei nie so ganz klar wird ob wir hier einer Psychose (Persönlichkeitsspaltung) beiwohnen oder einem bewussten Schritt zur Ausgrenzung vom „Normalen“. Klar ist, das das Freiheitliche, das Triebhafte des Tieres (der Wolf) eine Metapher, ein Spiegel für die heimlichen Sehnsüchte von Ania sind die nun heraus-brechen.
                        Die Geschichte ist dabei als ein Wagnis erzählt und findet immer wieder sowohl subtile wie reißerische, an Voyeurismus grenzende Szenen, die auch nicht vor plakativen, sexuellen Zuschreibungen zurückschrecken. Der Wolf durchbricht die moralische Wand, die Frau gerät in Ekstase, in Selbsterfüllung, verwildert... Wie ein Angstlusttraum ist er ein seelischer Unruhestifter, der eine befreiende Wirkung hat. Hier geh es nicht um das verklärende Motiv „Zurück-in-die-Natur“ sondern um die Entfremdung von einer kapitalistischen Gesellschaft, die ein Ventil, eine (individuelle) Rückzugmöglichkeit sucht. Eine Zivilisation, die die Menschen krank macht und zur psychischen Verrohung führt, wird von einer tierischen, physischen Rohheit aufgebrochen. Das ist alles etwas aufgesetzt und plakativ im Verstörungs-Modus erzählt, verfehlt aber nicht seine Wirkung.
                        7-mal das Menstruationsblut von den Schenkelinnenseiten lecken.

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                          Argus 26.11.2016, 03:24 Geändert 26.11.2016, 03:25

                          Bei aller Sympathie zu Georg Friedrich : Selten so einen langweiligen Stuß gesehen.....

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                            Es ist der erste Moment, in dem sich in Anias Gesicht etwas anderes abzeichnet als die übliche, niedergeschlagene Lethargie, mit der sich die junge Frau von Tag zu Tag schleppt. Als sie den Wolf von der Bushaltestelle aus in den Wäldern sieht und sich beide Blicke für einen Moment kreuzen, wächst in ihr der Drang, sich dem wilden Tier anzunähern.
                            Zuvor zeigt Nicolette Krebitz in ihrem Film "Wild" den Alltag von Ania, die jeden Morgen ohne Elan aus dem Bett steigt, die exakt gleiche Wegstrecke hinter sich bringt, in einem bedeutungslosen Bürojob vor sich hin vegetiert und ab und zu vom Stuhl aufsteht, um ihrem Chef Kaffee zu kochen, und dann am Abend wieder in ihre verlassene Wohnung zurückkehrt, in der sie einsam bis zum nächsten Morgen mit sich selbst ausharrt. Es ist eine trostlose Spirale inmitten der Tristesse, in der sie gefangen ist und aus der sich Ania in genau dem Moment ein möglicher Ausweg eröffnet, in dem sie den Wolf erblickt und mit verschiedenen Mitteln zu ködern versucht .
                            Nachdem es ihr tatsächlich gelingt, den Wolf durch selbstgebastelte Betäubungsgeschosse außer Gefecht zu setzen und mit zu sich in die Wohnung zu nehmen, entfernt sich Krebitzs Film ebenso wie die Protagonistin mehr und mehr von den Fesseln der lähmenden Konventionen sowie der zermürbenden Redundanzen und lässt sich in einen animalisch befreiten Strudel treiben. In einer Sequenz läuft Ania auf die Toilette, während sie durch tropfendes Blut eine Spur hinterlässt. Gierig folgt ihr der Wolf, nähert sich der auf dem Klo sitzenden Frau und dringt immer tiefer zwischen ihren Schritt vor, bis sie in befreiender Ekstase aufstöhnt. Eine sexuelle Phantasie, in der Ania der Faszination des wilden, nahezu unzähmbaren Tieres endgültig erliegt.
                            Fortan ist ihr Körper von Blutergüssen und Schürfwunden gezeichnet, wobei Ania gerade durch dieses äußerlich schmerzhafte Erscheinungsbild in einem neuen Licht erscheint, das sie als angetriebenen, energiegeladenen Menschen zeigt. Die Blässe der vorangegangen Bilder weicht immer wieder wärmenden Sonnenstrahlen, die in die Wohnung einfallen, während die zuvor sparsame Musikuntermalung von James Blakes Stimme in "Retrograde" durchbrochen wird. Und nie verschwindet die besondere Präsenz des Wolfs, der Ania seit ewiger Zeit wieder etwas Neues, Aufregendes spüren lässt, während sie nie sicher ist, ob sich das Tier nicht von einem Moment auf den nächsten gegen sie richtet.
                            Wie die Regisseurin das Verhältnis zwischen Mensch und Natur, gesitteten Normen und animalischen Trieben in Szene setzt, lässt durch die Auswahl und Anwendung relativ simpler Motive sicherlich gewisse Innovationen vermissen, doch Krebitz und die großartige Hauptdarstellerin Lilith Stangenberg ergeben sich dem lustvollen Treiben im letzten Drittel völlig, wenn Sperma verspritzt, Exkremente in Brand gesteckt und in der freien Laufbahn aus dreckigen Tümpeln getrunken wird.
                            "Wild" ist wie auch schon "Der Nachtmahr" ein Film aus einem Kinojahr, in dem das deutsche Kino längst nicht mehr an plumpen Fernsehfilm-Standards gemessen werden muss, sondern für sich selbst einsteht.

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                              Ein wunderbar radikaler und faszinierender Film über die Befreiung vom Alltag, die Erotik der Gefahr und die Grenzen des Menschseins. [Katrin Nussmayr]

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                                […] Aus vielen Texten, die sich mit dem Film beschäftigen, scheint man jedoch neben aller Zufriedenheit auch stets eine gewisse Unsicherheit herauszulesen. Eine Unsicherheit, die verständlich ist, spielt Krebitz in ihrem Film doch nicht nur entschieden mit jeglichen Erwartungen des Zuschauers, indem sie jene unterläuft. Stattdessen findet sie auch Momente, in denen sie in aller Provokation fordert und konfrontiert. Grob zeigt der Film einen Ausschnitt des Lebens von Ania (Lilith Stangenberg, „Der Staat gegen Fritz Bauer“), die anscheinend von irgendwie und irgendwo noch russische Gene hat und eigentlich ganz hübsch sein könnte, wenn sie sich ein wenig anstrengen würde - das sagt zumindest ihr Boss auf der Arbeit. Ania arbeitet in einer profillosen Stadt in einem engen Büro, das aussieht, als würde es in einem Kellergeschoss liegen. Ein Kontrast, ist Anias Wohnung doch ziemlich weit oben in einem Hochhaus irgendwo am Stadtrand, an einen Park grenzend. […] Als die Reise einer Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen wurde der Inhalt von „Wild“ beschrieben. Es mag seine Zeit dauern, bis die Reichweite dessen bewusst wird. Das Werk von Kredits ist kein Film, den man einfach so nebenbei sieht, nach dem man das Kino verlässt und mit seinen Gedanken schon ganz woanders ist. Kein Film, der hier rein, da raus die Schaltzentrale des Zuschauers nur kurz tangiert, sondern einer, der Rätsel aufgibt und nicht daran denkt, dem Publikum auch nur einen einzigen Gefallen zu tun. Besonders deutlich wird das in den Momenten, in denen Krebitz explizit die Provokation sucht, Ejakulat und Exkrement in den Momenten der Offenbarung deutlich zeigt und dem Zuschauer vorher noch Sekundenbruchteile der Vorbereitung lässt. Macht sie das jetzt wirklich? Ja, sie macht es wirklich - und der Zuschauer wird Augenzeuge. Er ist nämlich das fehlende Glied in der Gleichung des Films, die die Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen darstellt. Ania befreit sich; nicht nur von ihren Mitmenschen, sondern auch vom Publikum, von dem sie die ganze Zeit begafft wird. […]

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                                • Intensiver, spannender und verrückter Film mit intensiven Szenen und einer fantastischen Lilith Stangenberg!
                                  Ein Film, der mich seit längerer Zeit am meisten berührt hat im Kino.

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                                    Was für ein Tier von Film.
                                    Zum Glück konnte in Wild in einem sicken, kleinen Programmkino mit nur einem Kinosaal begutachten.
                                    Wild ist ein wirklich avangardes Stück. Die Flucht aus den künstlichen, grauen Verschachtelungen in die wir hineingebohrten und gezwängt werden. Zurück zur Natur und damit meine ich nicht vegane Küche und Ökodörfer, sondern rohes Fleisch und rohe Sexualität.
                                    Nicolette Krebitz inszeniert einen erschreckend ruhigen, anarchistischen Film über die komplexen Triebe und den Drang aus der grauen, ebenmäßigen Verschalung unserer Gesellschaft und Normen auszubrechen. Auf die Gitter an Regeln regelrecht zu Scheißen und das Tier, was wir sind endlich mal jagen zu lassen.

                                    P.S. Ich muss mir unbedingt das Making-off anschauen.

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                                      Schöne Stadt, abstruser Film, eklige Spezialeffekte.

                                      • 8 .5

                                        Einer der eindruckvollsten und atmosphärischsten Filme der jüngsten Vergangenheit, der sich erschließt, je länger man darüber nachdenkt. Alice in Wonderland Spin-Off und animalisches Drama, am Ende konnte ich fast schon den Wolf riechen. Einzig die Musik erschien mir zuweilen unpassend, am schlimmsten die mit James Blake unterlegte Szene - das war nix. Ansonsten: Georg Friedrich & Lilith Stangenberg - wow.

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                                        • 7 .5
                                          Julio Sacchi: Das Manifest 05.05.2016, 09:19 Geändert 05.05.2016, 09:29

                                          Tagebuch einer Bekloppten. Erst hab ich mich unsäglich gelangweilt, fand das alles gekünstelt und überzogen und war vom gestrigen Terranova-Soundtrack schwer genervt. Aber in der zweiten Hälfte bricht sich der archaische Irrsinn Bahn, da wird geleckt und gekackt und abgespritzt. Toll! Ein surrealer Traum/Alptraum, der mich mitunter an die erste Sichtung von Themroc erinnerte. Sehenswert. Mensch Coco! Aber der Terranova-Soundtrack, der nervt bis zum Ende.

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                                          • Mich hat der Film sehr angesprochen. Seitens der Regiearbeit, des Schnittes, der Kamera, der Musik und v.a. der Kontextualisierung, die die Erzählung, die ja eine Fiktion ist, erst glaubhaft macht. Sie, die Kontextualisierung, bedingt in meinen Augen die Qualität des Filmtextes vor allem mit und spiegelt so, was selten gelingt (und auch selten angefaßt wird) , das (inner)deutsche Milieu, in dem sich die Erzählung platziert und aus der heraus sie zu wirken vermag: der österreichische Manager inmitten (ost)deutscher IT-Kräfte , türkischer Putzmänner und ein russischer Erzählband über Wölfe, den die eine hier mühelos übersetzt und in einem Ritual zu tanzen vermag. All das – sympathischer Weise – sparsam gesetzt, in Halle-Neustadt, ich kenne den Ort selber. - Ein sehr schöner, wenngleich harter, und sehr offener, emotionaler Film, der befreit. Danke! Danke auch für das hier nachhörbare Gespräch mit der Schauspielerin Lilith Stangenberg, deren Faszination für Wölfe (also für die wirklichen Tiere) ich teile. (Aber das nur ganz am Rand)
                                            Berlin, 22.4.2016
                                            (sh)

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                                                Einerseits faszinierend, wagemutig, originell, tschikmäßig -
                                                andererseits: was soll das? Was will der Film mir sagen???

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                                                  Einerseits faszinierend, originell, wagemutig, tschikmäßig,
                                                  andererseits frage ich mich: was soll das? Was will der Film mir sagen?

                                                  • 5

                                                    Es gibt Filme mit Männerfantasien, die mich nicht vom Hocker reißen, und es gibt diesen "Frauenfantasie-Film", der mich auch nicht überzeugt.

                                                    Ganz offensichtlich lässt sich viel in ihn hinein deuten und das scheint ihn für Andere be-deutend zu machen!

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