3 From Hell ist Rob Zombies Horror-Antwort auf Once Upon a Time in Hollywood

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3 From Hell
27.09.2019 - 17:00 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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14 Jahre nach The Devil's Rejects sind die Fireflys mit der Fortsetzung 3 From Hell zurück. Ob der Horrorschocker von Rob Zombie den Erwartungen gerecht wird, erfahrt ihr hier.

Grobkörnige Nahaufnahmen, schnelle Schnitte. Genauso dreckig, wie das Bild ist, verhalten sich auch die Charaktere, die unmenschliche Taten begehen. So in etwas lässt sich jeder Film Rob Zombies zusammenfassen. Seine Fans lieben ihn für seine Stiltreue. Doch mit seinem neuen Werk 3 From Hell hat der Rockmusiker einen Endpunkt erreicht. War's das jetzt, Rob?

Das erwartet euch in 3 From Hell:

  • Die brutale Firefly-Familie hat überlebt. Ihr Ziel ist es, die Freiheit zu erlangen, und dafür gehen die 3 Killer wortwörtlich über Leichen.
  • Aufgrund der gesundheitlichen Probleme des leider kürzlich verstorbenen Sid Haig wurde Captain Spaulding durch einen neuen gestörten Halbbruder (Richard Brake) ausgetauscht.
  • 3 From Hell führt die angedeutete Richtung aus The Devil's Rejects fort und präsentiert die Massenmörder als ambivalente Sympathieträger, mit denen wir sogar mitfiebern.
  • Das Sequel ist dabei unerwartet witzig und melancholisch geraten. Aber keine Angst, es gibt genug perverse und abscheuliche Gewalttaten.

Seit seinem Regiedebüt Haus der 1000 Leichen vor 16 Jahren durchzieht Rob Zombies Filmografie eine Blutspur der nihilistischen Gewalt und ein treibender Stil, der durch die Liebe zum Exploitation-Kino der 70er definiert ist. Auch 3 From Hell ist ein visuelles Retro-Fest, wirkt aber mehr wie eine Revue von Zombies Greatest Hits.

In 3 From Hell rechnet Zombie mit dem Killer-Fetisch ab

Serienkiller und Massenmörder stehen im Fokus der meisten von Rob Zombies Werken, am prominentesten natürlich Michael Myers. Mit den Fireflys kreierte er seinen eigenen Killer-Mythos, der viele Horrorfans begeisterte und faszinierte. Und genau diese ungesunde Faszination mit Psychopathen hält uns 3 From Hell vor die Nase. So beginnt der Film mit einer Art Super-8-Dokumentation über die Fireflys, die während ihrer Haftstrafe zu Superstars aufgestiegen sind.

Interviews mit verliebten Fans, die Baby (Sheri Moon Zombie) und Otis (Bill Moseley) naiv anhimmeln, erinnern stark an reale Aufnahmen von verblendeten Ted Bundy-Fans. Die Mörderliebe, die bei Netflix sogar ein Zielpublikum zu haben scheint, findet in 3 From Hell ihren Höhepunkt. Zwei Filme lang haben die Fireflys vergewaltigt, verstümmelt und gemordet - nun sind sie eine sympathische Gang von Außenseitern.

Die Drei aus der Hölle

Die Fireflys sind noch immer degenerierte Hinterwäldler mit kranken Neigungen. Doch Rob Zombie verfrachtet sie in eine Welt, in der noch viel schlimmere Monster um sie herum existieren, egal ob sadistische Gefängniswärterinnen oder gesichtslose Kartell-Killer. Darunter leidet allerdings auch die Gewalt, die im Vergleich zu früheren Werken Zombies weniger verstört.

Weitere Sympathien gewinnen die Psychokiller, indem Zombie hinter die Fassade blickt, sie geradezu menschlich und selbstreflektiert darstellt. In tarantinoesken Dialogszenen hängen die Fireflys einfach ab und reflektieren über das Leben und belanglose Dinge. Ein Highlight ist hierbei Otis' Plan, sein Killerdasein an den Nagel zu hängen und stattdessen Hardcore-Pornos drehen zu wollen. Aber wo wir gerade bei Tarantino sind:

3 From Hell ist Rob Zombies Once Upon a Time in Hollywood

Ja, Rob Zombie läuft Gefahr, selbst zum Tarantino zu werden, denn 3 From Hell weckt einige Erinnerungen an Once Upon a Time ... in Hollywood. Auch hier steht der Umbruch in eine neue Ära im Zentrum. Wir befinden uns nun in den 80ern, der Reagan-Ära. Die Fireflys haben ihre Glanzzeiten hinter sich. Wie Rick Dalton sehen sich auch Baby, Otis und Winslow mit dem Ende ihrer Karriere konfrontiert.

Sie wirken wie aus der Zeit gefallen. Niemand fürchtet sie mehr richtig, die Welt um sie herum ist abgefuckter als sie und die Spuren des Alters lassen auch die Mordlust schwinden. Doch bevor es in eine unbekannte Zukunft geht, lassen es die Fireflys ein letztes Mal krachen und müssen (durch eine Rache-Plot gezwungen) noch einmal zu den Waffen greifen.

3 From Hell: Baby darf nochmal spielen

Mit 3 From Hell lässt Rob Zombie auch seine Karriere Revue passieren. Über große Teile wirkt 3 From Hell wie ein Best-of der vergangenen Filme und stellenweise wie ein Remake von The Devil's Rejects. Ästhetisch verweigert sich Zombie der neuen Ära und klammert sich stilistisch an den Look der 70er. Es ist einerseits ein Abschied von seinem Markenzeichen, seiner Identität als Filmemacher. Wie die Fireflys ist aber auch er noch nicht bereit damit abzuschließen.

Am Ende lassen wir das Chaos und Blutvergießen hinter uns. Die Zeit der Fireflys und der dreckigen, nihilistischen Gewaltfilme ist vorbei. Es scheint so, als blicke Rob Zombie mit 3 From Hell melancholisch auf sein Schaffen zurück. Er ist nicht mehr der wilde Regisseur, der er vor 16 Jahren war. Der Endpunkt ist erreicht, an dem er sich von seiner 70er-Retro-Manier verabschieden muss. Gemeinsam mit Rob Zombie blicken wir in eine unbekannte Zukunft - in grobkörniger Nahaufnahme natürlich.

Wir haben 3 From Hell in Zuge der Weltpremiere beim Fantasy Filmfest gesehen. Das Devil's Reject's-Sequel läuft am 27.09.2019 als Event in den deutschen Kinos.

Wie steht ihr zu den Filmen von Rob Zombie?

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