Dschungelcamp 2017 – Was die Kandidaten versprechen

Wege zum Glück: die Dschungelbagage 2017
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Meint es gut mit den Menschen.

Einen Dschungelabbruch vor Dschungelantritt, das gab es in 13 Jahren Ich bin ein Star - Holt mich hier raus auch noch nicht. Was immer Nastassja Kinski bewogen hat, ihre Teilnahme an der einzig relevanten Fernsehshow Deutschlands in letzter Minute abzusagen – es wird wohl (hoffentlich) mehr dahinter stecken, als die surreale Begründung eines Mitarbeiters der Produktion vermuten lässt. Zweifellos hätte Kinski dem Namen des Formats alle und vielleicht sogar zu viel Ehre gemacht, anders als Brigitte Nielsen war sie tatsächlich mal ein mittelgroßer Hollywoodstar, eine Schauspielerin von Weltrang. Ihr Einzug ins Dschungelcamp 2017 soll RTL gerüchteweise 250.000 Euro Wert gewesen sein, eine Rekordgage, die Kinski nun in eine Rekordkonventionalstrafe umgewandelt haben dürfte. Manche mögen diesen Rückzieher bedauerlich finden, für die Show aber ist er eigentlich verschmerzbar. Nastassja Kinski demonstrierte mit einer wirschen Mischung aus Allüre und Bekümmertheit bei Let's Dance, dass große Persönlichkeiten allein noch keine große Unterhaltung machen. An ihre Stelle tritt außerdem eine Kandidatin, die jahrelang vergeblich auf einen Dschungeleinsatz wartete und zu den wundersamsten Erscheinungen der Privatfernsehgeschichte zählt.

Die Rede ist von Kader Loth, Hüterin der Contenance, gelegentliche Literaturexpertin, erste und einzige Almkönigin. Den Adelstitel holte sie sich 2004 in der fast vergessenen Show Die Alm - Promischweiß und Edelweiß, einem Versuch des Konkurrenzsenders ProSieben, das Dschungelcamp auf die Bergweide zu holen. Es war ein denkwürdiger Auftritt, souverän und mit Klasse, aber nichts, das hätte ahnen lassen können, was wirklich in Kader Loth steckt. Ganz zu sich selbst nämlich fand sie in einem anderen ProSieben-Format: Die Burg (Untertitel: Prominent im Kettenhemd) hieß das ein Jahr später produzierte Rip-off des Rip-offs, in dem die Alm- und leider verhinderte Burgkönigin buchstäblich mit Frédéric Prinz von Anhalt zusammenstieß. Er pullerte in Kader Loths Badewanne, sie schmierte ihm dafür das Abendbrot ins Gesicht – und die Show sperrte den Prinzen zur Strafe in einen Käfig! Die adelige Essensschlacht vor mittelalterlichem Ambiente und mit gerichtlichem Nachspiel muss im Rückblick das inoffizielle Prequel der legendären fünften Staffel Dschungelcamp genannt werden. Wenn es überhaupt irgendeine Art Qualifikation für die grüne Hölle von RTL gibt, hat Kader Loth sie mit Bravour gemeistert. Schon jetzt steht fest: Eine ernsthaftere Anwärterin für den Titel der Dschungelkönigin kann es nicht geben. (Änderungen vorbehalten)

Kader Loth weiß natürlich sehr genau, was in den nächsten zwei Wochen auf sie zukommt –"ich habe schon im Vorfeld gehört, dass da ganz schwierige Charaktere bei sind" – und wie sie mit den Herausforderungen der Show umgehen muss. Sie bewohnte, wie übrigens eine diesmal leicht besorgniserregende Anzahl weiterer Kandidaten, schon das Haus von Big Brother, hat ein Insolvenzverfahren hinter sich und ihrerseits öffentlich gemachte gesundheitliche Probleme zu bewältigen. Vielleicht wird sie sich deshalb gut mit der Leipziger Immobilienmaklerin Hanka Rackwitz verstehen, in deren Fake-Doku-Soap mieten, kaufen, wohnen sie mal eine Rolle als vermeintlich Wohnungssuchende spielte. Rackwitz, bekannt geworden mit Big Brother ("Hexe Hanka"), leidet unter Kontaminationsangst und Zwangsstörungen, was eine Teilnahme am Dschungelcamp sehr logisch erscheinen lässt. Wer ihren Auftritt jüngst bei Stern TV gesehen hat (ich habe ihn gesehen), wird kaum glauben können, dass das gut geht. RTL zufolge mussten die Produzenten der Show Rackwitz versprechen, die fabrikneuen Dschungelklamotten erst vor ihren Augen zu öffnen. Durchaus schlüssig allerdings motivierte sie sich für ihren Einzug ins Promilager: "Ob ich nun mit meiner Angst in der Wohnung oder im australischen Busch sitze, das macht für mich eigentlich keinen Unterschied". Top!

Wie gesagt, die Formaterprobtheit ist im Dschungelcamp 2017 hoch wie nie. Das bringen offenbar die Jahre mit sich: Nach elf Staffeln kann auch RTL die Show nicht mehr mit dahingehend unbeschriebenen Kandidaten bestreiten, der Wow-Effekt ihrer einst exklusiven Besetzungspolitik ist ja schon länger dahin. Diese Entwicklung führt gleichwohl zu verbandelten und dadurch auf andere Art interessanten Konstellationen. Florian Wess, Sohn bzw. Neffe der "Botox-Boys“ und ehemaliger Big-Brother-Kandidat zum Dritten, soll ein guter Freund von Gina-Lisa Lohfink sein, die nicht nur ebenfalls Gast im Container war, sondern sich auch mal um einen Einzug in dessen Promivariante bemühte (richtig, bemühte – sie wurde vom Publikum gar nicht erst ins Haus gewählt, vermutlich der größte denkbare Tiefpunkt einer jeden TV-Karriere). Marc Terenzi wiederum, den Musikliebhaber als verschmitzt Playbackgitarre spielendes Mitglied der Boygroup Natural und anschließend zwei Köpfe kleineren Ex-Mann von Sarah Connor kennen, führte mit Gina-Lisa Lohfink sogar eine Beziehung. Gut sollen sie nicht aufeinander zu sprechen sein, was übrigens auch für Florian Wess und seinen ehemaligen Lebensgefährten Helmut Berger gilt (der leider nicht im Dschungelcamp ist, aber es zumindest schon mal fünf Minuten lang war).

Wess und Lohfink geht es, so viel scheint bereits klar, um die Präsentation neuer Seiten ihrer schillernden Persönlichkeiten. Der eine sagt von sich, er sei "geistig auf der Höhe", die andere möchte "euch da draußen gerne zeigen, wer ich wirklich bin" – eine Ankündigung, die traditionell nur noch unterboten wird von der ausgestellt falschen Lust, im Dschungelcamp ein Abenteuer erleben zu wollen. Gina-Lisa Lohfink, über deren Prozess sich im vergangenen Jahr irgendwie alle den Kopf zerbrachen, von Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig über erzürnte Feministinnen bis hin zu diesem Kolumnen schreibenden Richter von der ZEIT, den jeder verlinkt, der schon immer mal einen intelligenten Text verlinken wollte, Gina-Lisa Lohfink also dürfte vor allem in Dschungelprüfungen Gelegenheit haben, ihr wirkliches Ich zu zeigen. Dort hinein werden die Zuschauer sie möglicher- und langweiligerweise oft wählen, aber nur bis sie erkennen, dass Kader Loth dafür eigentlich viel geeigneter ist. Von der ehemaligen Teilnehmerin bei Germany's Next Topmodel ("Zack, die Bohne!") sollte man – behaupte ich nach ihrer Mitwirkung auf der ProSieben-Alm in der zweiten und öderen Staffel ohne Kader Loth – nicht zu viel erwarten. Außer nahe liegende, garantiert böse Witze der Dschungelautoren.

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