Erst Die Känguru-Verschwörung, dann Henry Cavill? Marc-Uwe Kling über Querdenker und gescheiterte HBO-Pläne

26.08.2022 - 09:20 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
Die Känguru-Verschwörung von Marc-Uwe Kling
Sven Hagolani / X Verleih/Warner Bros.
Die Känguru-Verschwörung von Marc-Uwe Kling
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Die Känguru-Verschwörung läuft jetzt im Kino und Marc-Uwe Kling und Dimitrij Schaad erzählen, welche Erfahrungen sie mit Querdenkern haben – und wieso es beim Dreh Stress mit der Polizei gab.

Mit einem Kinostart am 25. August 2022 kehrt Deutschlands wohl berühmtestes Beuteltier in der Fortsetzung Die Känguru-Verschwörung ins Kino zurück. Darin versuchen Kleinkünstler Marc-Uwe Kling und sein Känguru-Mitbewohner nach einer Wette eine Klimakrisen-Leugnerin und Verschwörungstheoretikerin zu bekehren und finden sich unvermittelt auf einem Roadtrip quer durch Deutschland wieder.

Die Känguru-Verschwörung: Das Interview mit Marc-Uwe Kling und Dimitrij Schaad

Wir haben Känguru-Schöpfer, Regisseur und Beuteltier-Sprecher Marc-Uwe Kling zusammen mit seinem Hauptdarsteller Dimitrij Schaad zum Interview getroffen, um die beiden übers Lachen, Filmvorlieben und natürlich das Känguru auszufragen.

Seht euch hier den Trailer zu Marc-Uwe Klings Die Känguru-Verschwörung an

Die Känguru Verschwörung - Trailer (Deutsch) HD
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Marc-Uwe, du hast beim ersten Känguru-Film schon das Drehbuch geschrieben und jetzt in Teil 2 sogar die Regie übernommen. Was war das für eine Erfahrung? Würdest du es wieder tun?

Marc-Uwe Kling: Ich finde, es ist eine der anstrengendsten Sachen der Welt, die man noch machen will. Es gibt natürlich noch Anstrengenderes, aber ich glaube, das will man dann auch nicht mehr machen. Dennoch hat es viel Spaß gemacht, sonst hätte ich das irgendwann geschmissen und gesagt: Scheiß drauf, Dimi mach du das! Trotzdem würde es mich wundern, wenn ich nicht irgendwann nochmal einen Film drehe.

Dimitrij Schaad: Also eigentlich muss ein Regisseur nur zwei Dinge können: Ruhe bewahren und Entscheidungen treffen. Sonst nichts. Er baut ja zum Beispiel kein Licht selbst auf, muss niemanden schminken und keine Drehpläne erstellen. Aber es ist nie genug Zeit und nie genug Geld da, und es gibt immer, wirklich immer irgendein Problem. Deswegen heißt "entscheiden" beim Film das Geringere von mehreren schlimmen Übeln zu wählen, ohne zu wissen, was genau die Konsequenzen sind. Und das kannst du gut, Marc.

Marc-Uwe Kling: Das hatte bei mir den interessanten Effekt, dass ich so viele Entscheidungen am Set getroffen hatte, dass ich am Tagesende “out of decisions” war. Als ich nach Hause kam und gefragt wurde ‘Essen wir Nudeln oder Pizza?’, da konnte ich das nicht mehr entscheiden. Das musste jemand anderes für mich tun.

Marc-Uwe Kling mit Dimitrij Schaad (und Känguru) am Set

Was war die größte Herausforderung beim Dreh?

Marc-Uwe Kling: Wir hatten ein total beknacktes Drehbuch! Ich weiß nicht, wer das geschrieben hat! Nein, im Ernst: Das Anstrengendste war, dass es so viele Motive gab. Wir hatten zu wenige Drehtage für zu viele Drehorte. Wir mussten also relativ häufig zwei Drehorte an einem Tag drehen.

Dimitrij Schaad: Und nicht mal angenehme Drehorte: An einem Tag hatten wir einen fahrenden Bus und einen Bahnsteig auf dem Plan. Beides Orte, die anstrengend, kalt und unbefriedigend zu bespielen sind.

Marc-Uwe Kling: Dimi hat mir letztens von diesem Director’s Guild Podcast  erzählt, wo immer zwei Regisseure miteinander reden. Und da sagen sie ständig: ‘Ich versuche immer, alles an echten Sets zu drehen!’ Ganz ehrlich? Ich würde am liebsten alles im Studio drehen. Hab’ keinen Bock auf die Auseinandersetzung mit der Bundespolizei oder der Deutschen Bahn.

Die Polizei kam also auch vorbei?

Marc-Uwe Kling: Die Bundespolizei hat uns nicht erlaubt im Sicherheitsbereich am Flughafen zu drehen. An den Durchleuchte-Maschinen. Mit der Begründung, dass Tiere so [auf dem Band] nicht prozessiert werden. Tja, Humor …

Teilweise sind die Känguru-Situationen so absurd, dass sich die Frage stellt: Ist das alles nur ausgedacht oder ist es in Erfahrungen verankert, die du selbst gemacht hast?

Marc-Uwe Kling: Halb-halb, würde ich sagen. Meistens hat man etwas erlebt und überspitzt es. – Nur bei den Verschwörungstheorien ist es andersherum: Da kriegt man was mit und dann muss man es untertreiben, weil es sonst übertrieben wirkte.

Die Känguru-Verschwörung - nur echt mit Aluminium-Hut

Hattet ihr persönlich schon mal Auseinandersetzungen mit Querdenker:innen?

Dimitrij Schaad: Bisher noch nicht, aber das wird jetzt wahrscheinlich auf uns zukommen.

Marc-Uwe Kling: Ich bin gerade mit der S-Bahn hierhergefahren. Da waren eine Frau ohne Maske und ein älterer Herr mit Maske, die über den Sinn der Masken diskutierten. Irgendwann hat die Frau gesagt: “Sie glauben ja wohl alles, was man ihnen erzählt!”

Das fand ich einen ganz interessanten Satz. Denn etwas in Frage zu stellen, ist nicht verkehrt, aber ihr hat ja auch irgendjemand etwas erzählt, was sie einfach glaubt. Das ist das Interessante an dem ganzen Verschwörungs-Phänomen: Es gibt den Zweifel dem Etablierten gegenüber, aber der Zweifel selbst wird nicht angezweifelt. Und das ist das Problem.

Vor ein paar Monaten habe ich einen Tagesschau-Artikel gelesen: “Putin trainiert Kampfdelfine”. Ich dachte: 'Hm. Mag sein. Aber da bin ich skeptisch.' Insofern kann man auch der Tagesschau mit Skepsis begegnen. Dann aber ungefiltert alles zu glauben, was Russia Today erzählt, passt für mich nicht zusammen.

Klimakrise, Corona und Verschwörungstheorien sind ernste Themen, die in Die Känguru-Verschwörung mit Humor verarbeitet werden. Denkt ihr, man kann über alles lachen bzw. mit manchen Dingen sogar nur umgehen, indem man darüber lacht?

Marc-Uwe Kling: Ich denke, man kann über fast alles lachen. Es geht eher darum, wieso man darüber lacht. Was ist die Tendenz des Witzes? Zum Beispiel: Kann man über Putin lachen? Natürlich! Der Mann ist lächerlich! Es hat auch etwas Befreiendes, über ihn zu lachen, denn Lachen nimmt Macht. Durch Lachen verliert man seine Angst und Angst ist einem selbstbestimmten Leben entgegenstehend. Insofern kann Humor absolut helfen, sich zu befreien.

Dimitrij Schaad: Amen.

Die Känguru-Verschwörung: Das Känguru im Blockbuster-Modus

Außerdem lockt Lachen viele Leute ins Kino, wie Marvel mit seinen Witz-gespickten Superhelden-Erfolgen zeigt. Schaut ihr euch derartige Blockbuster an?

Dimitrij Schaad: Ich finde Blockbuster toll! Wahrscheinlich weil ich so 90er-Jahre-Film-geprägt bin, wo es extrem geile Blockbuster gab. Stoffe, die Originalstoffe waren und die Abermillionen Menschen gefesselt haben. Was gibt es Besseres, als ein gemeinsames Erlebnis zu haben und sich dann danach darüber unterhalten zu können? Ich weiß gar nicht, wann das Wort zu einer Beleidigung geworden ist.

Das Problem ist eher die Verdrängung der 30-50 Millionen-Dollar-Filme. Also die Zerstörung der Nische für künstlerisch hochwertige und gut finanzierte Arthouse-Filme, die im Vergleich zu ihren Kosten ein genau so gutes oder sogar besseres Potenzial hätten als die großen 200-Millionen-Dollar-Produktionen, aber totgequetscht werden. Aber das steht auf einem anderen Blatt und hat nichts mit den Filmen an sich zu tun. Top Gun: Maverick ist zum Beispiel sensationell.

Marc-Uwe Kling: Ich habe so lange nach jemandem gesucht, der mir aus erster Hand berichten kann, ob der Film sich wirklich lohnt! Alles, was ich darüber gelesen habe, ist mir ein Rätsel. Ich kann mir das immer noch nicht vorstellen, dass dieser Film gut ist. Ich mag eher die lustigen Blockbuster. Guardians of the Galaxy, Thor 3 – damit kann ich viel anfangen.

Ich mag den ganzen Superhelden-Kram dann nicht, wenn er sich zu ernst nimmt. Wobei The Dark Knight auch super war, obwohl er keine Komödie ist. Der neue The Batman war OK, aber das ist nichts, was ich sofort nochmal sehen möchte. Aber ich habe Guardians geguckt und dachte, wäre ich noch ein Kind, wäre das mein Star Wars gewesen.

Qualityland von Marc-Uwe Kling

Neben dem Känguru existiert auch noch das Marc-Uwe-Kling-Buch Qualityland *. Diese Sci-Fi-Geschichte wurde vor einer Weile als Serie an HBO verkauft. Gibt es da Neuigkeiten?

Marc-Uwe Kling: Die Verfilmung von Qualityland* kommt, wird aber den Sender wechseln. Es gab da "kreative Differenzen". Wir haben sogar schon angefangen zu schreiben. Aber es viel mehr darf ich noch nicht erzählen.

Dann nur mal rein spekulativ: Wenn ihr freie Hand für eine nationale oder internationale Traumbesetzung für die Sci-Fi-Comedy Qualityland hättet: Wer wäre dabei?

Marc-Uwe Kling: Ich habe durchaus darüber nachgedacht, Dimitrij den Peter Arbeitsloser spielen zu lassen [also, die Hauptfigur des Romans]. Damals, als es bei den Amis lag, hatten sie Henry Cavill vorgeschlagen als [den Androiden-Präsidentschaftskandidaten] John of Us. Das fand ich schon sehr lustig. Aber ansonsten muss ich gestehen: So weit sind wir noch lange nicht.

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