Welcome to Halloween

Mein Lieblingsfilm ist (k)ein Alptraum

Weihnachten ganz wissenschaftlich- Jack analysiert
© Buena Vista
Weihnachten ganz wissenschaftlich- Jack analysiert

Mein Lieblingsfilm stammt aus einem Akt der Kriminalität. Damals, als es weder Streams noch das Wort „Videopiraterie“ gab und KaZaA als völlig legal erachtet wurde, lud ich mir in einer phänomenalen Auflösung von 250×250 Pixel Nightmare Before Christmas von Tim Burton herunter. Über die Jahre hinweg wurde er mir immer und immer wieder empfohlen, den Film aber zu bekommen, wurde zu einem Akt des Unmöglichen. Das Video war nirgends mehr zu bekommen und DVDs waren noch nicht so weit verbreitet. Als ich den Film also online fand, fackelte ich nicht lange. Wie ihr euch vorstellen könnt, war die Qualität eher bescheiden und noch dazu war er auf Englisch, was ich damals nur bedingt sprach. Das stellte sich aber als Fügung des glückliche Schicksals heraus, da The Nightmare before Christmas eines jener unglücklichen Synchronisationsopfer ist, in dem schönschaurige Lieder zu aufgezwungenem Sprechgesang werden. Aus „What’s this?“ wurde „Nanu“ und wie aus Schneebällen, die geworfen werden, bedrohliche Schädel wurden, möchte ich am liebsten vergessen…

Was ich besonders an The Nightmare before Christmas liebe ist, dass es sich so stark von den anderen Disneyfilmen unterscheidet. Disney ist bekannt für zuckersüße Zeichentrickfilme mit viel Herzschmerz, immerfröhlich geträllerten Liedern und Frauenrollen, bei denen jeder Semi-Feministin sich die Fußnägel hochrollen. Da fand ich, selbst als Kind, ein singendes Knochengerippe, eine liebenswerte Lumpenpuppe und jede Menge Monster schon weitaus sympathischer. Es ist schon etwas Besonderes, dem Skellett des Kürbiskönigs dabei zuzusehen, wie er sich mit fast kindlicher Begeisterung über so banale Dinge wie Lichterketten oder Zuckerstangen freut und versucht, den Geist der Weihnacht wissenschaftlich zu analysieren.

Der Film lebt von Kleinigkeiten, die erst nach mehrmaligem Sehen auffallen, wie der absolut fantastische Platzierung von Pinguinen im Weihnachtsland, den abstrusen Statisten in den hinteren Reihen der Halloweentown-Stadtversammlung oder all die gruselig-bizarren Spielsachen, die von den Bewohnern der Gruselstadt hergestellt werden. The Nightmare Before Christmas ist ein düsterer Stop Motion Traum. Die Liebe aller Beteiligten, besonders die des Autors Tim Burton, des Regisseurs Henry Selick und der vielen, vielen Puppenspieler, ist in jeder Einstellung zu spüren. Selbst Charaktere, die nur für wenige Sekunden auf der Leinwand zu sehen sind, wirken lebendig in ihrem bizarren Auftreten und Verhalten.

Trotz ihres für Kinder vielleicht etwas gruseligen Äußeren, sind die Monster und Kreaturen von Halloweentown auf ihre Art und Weise liebeswert verquer. Sie sehen Erschrecken und Erschreckt-werden als eine Freude an und lassen mich immer wieder bedauern, dass das Halloweenfest nicht wirklich zu seinen Wurzeln nach Europa zurückkehrt. Tim Burtons Nightmare before Christmas zeigt, dass die Kreaturen der Dunkelheit aus mehr bestehen als aus bösartigen, seelenlosen Monstern. Es sind Kreaturen, die ihre ganz eigene Logik verfolgen und auf ihre Art Gutes tun, ihrem Kürbiskönig Jack aus der Depression heraus zu helfen und gleichzeitig Geschenke an die Kinder dieser Welt zu bringen. Dass sie dabei „erfreuen“ und „erschrecken“ verwechseln, ist eine Nebensächlichkeit, die sie einfach nicht verstehen wollen und umso mehr amüsiert.

The Nightmare before Christmas ist ein Kinderfilm, der eigentlich keiner ist. Neben seiner düsteren Optik behandelt er noch dunklere Themen: die grundlose Traurigkeit, die durch Gewohnheit enstehen kann, die unerwiderte Liebe und das Risiko, seinen Träumen zu folgen, auch wenn sie zum Scheitern verdammt sind, um wieder die Chance auf Glück zu haben. Trotz allem versprüht der Film eine kindliche Naivität und schafft etwas, das kein anderer Film bei mir schafft: Er bringt es fertig, dass ich mich wieder auf Weihnachten freue. Etwas, das mit all dem Stress, den das Fest jedes Jahr mit sich bringt, rar geworden ist. The Nightmare before Christmas ist der einzige Film, den ich seit fast zehn Jahren zwei mal jährlich sehe: an Weihnachten und an Halloween. In der Zwischenzeit vertröste ich mich mit dem umwerfenden Score, der einst meine Liebe zu Danny Elfman erweckte und träume von Vampirenten, Mondschatten und Kürbisfeldern.

Oh, und mittlerweile besitze ich übrigends die DVD. Ganz legal und in der Special Edition, mit wundervollem Extramaterial. Aber das nur so am Rande.


Und hier die Preise, die ihr gewinnen könnt. Wir danken ganz herzlich den Partnern der Aktion Lieblingsfilm, die wirklich tolle Preise für die Sieger bereitstellen.

moviepilot Team
freakingmuse Rae Grimm
folgen
du folgst
entfolgen
Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen für GamePro.de und brauche dafür sehr viel Kaffee.

Deine Meinung zum Artikel Mein Lieblingsfilm ist (k)ein Alptraum

?a=5541&i=2&e=1&c=0107688&c0=news