Eine zweiminütige Folge pro Jahr – 100 Jahre lang: So unfassbar hätte die neue Netflix-Serie werden können

25.04.2024 - 11:11 UhrVor 1 Monat aktualisiert
One Hundred Years of SolitudeNetflix
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Die Pläne von Netflix und Nobelpreisträger Gabriel García Márquez gehen weit auseinander. Der Autor wollte sein Meisterwerk mit einer zweiminütigen Folge pro Jahr über 100 Jahre veröffentlichen.

Ein neues Netflix-Projekt hat eine extrem skurrile Vorgeschichte. Als Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez vor vielen Jahren von Harvey Weinstein kontaktiert wurde, um sein ausgezeichnetes Meisterwerk Hundert Jahre Einsamkeit zu verfilmen, war der Kolumbianer nicht von der Idee angetan.

Laut einem alten Interview mit dem zwischenzeitlich in Ungnade gefallenen Filmproduzenten im Independent  hätte der Autor jedoch unter einer ungewöhnlichen Bedingung zugestimmt: Die Filmversion hätte kein Kapitel aus dem Buch auslassen dürfen und jedes Jahr eine zweiminütige Serial-Episode veröffentlichen müssen – 100 Jahre lang.

Netflix adaptiert das literarische Meisterwerk mit dem Sohn des Autors als Produzent

Kein Wunder also, dass Weinstein nicht an dem Projekt interessiert war. Zehn Jahre nach dem Tod von García Márquez nimmt Netflix sich nun dem ambitionierten Vorhaben in konventionellerer Form an und veröffentlicht demnächst die 16-teilige Serienadaption Hundert Jahre Einsamkeit. Immerhin als spanischsprachiges Projekt, wie der Autor es sich gewünscht hatte, und von einem kolumbianischen Kreativ-Team.

100 Years of Solitude

In Hundert Jahre Einsamkeit geht es um mehrere Generationen der Familie Buendía und die Gründung des fiktiven Dorfes Macondo. Dabei springt die Erzählung zwischen verschiedenen Zeitebenen und Charakteren aus dem mythischen Ort hin und her. Die Adaption hat noch kein konkretes Startdatum.

Das 1982 mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Meisterwerk wird der Kategorie Magical Realism zugeordnet und gilt als eines der bedeutendsten Bücher der lateinamerikanischen Literatur. Zum Produzentenstab der Netflix-Adaption zählt Rodrigo García, der Sohn des Autors. Ein Teaser-Trailer mit Claudio Cataño als Colonel Aureliano Buendía wurde am zehnten Todestag von Gabriel García Márquez veröffentlicht.

100 Jahre warten? So ein Filmprojekt gibt es wirklich!

Wer den konzeptionellen Ansatz des exzentrischen Autors für realitätsfern hält, wird sich womöglich wundern. Denn ein solches Filmprojekt, das niemand von uns zu sehen bekommen wird, existiert bereits – und nicht einmal von einem abgehobenen Arthouse-Regisseur.

Regisseur Robert Rodriguez hat mit John Malkovich den Film 100 Years gedreht, dessen offizielles Veröffentlichungsdatum der 18. November 2115 ist. Das temporale Kino-Experiment sollte 2015 als Promo für einen Cognac herhalten, der 100 Jahre lang reifen muss. Ob es im nächsten Jahrhundert tatsächlich noch Kinos gibt und Leute, die sich an das Startdatum erinnern, steht natürlich in den Sternen.

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