The Lion and the Rose

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 4, Folge 2

Tyrion
© HBO
Tyrion

Nach The Lion and the Rose drängt sich weniger die Frage auf, wer ein Motiv für den Mord an King Joffrey of the Houses Baratheon and Lannister the First of His Name, King of the Andals, the Rhoynar and the First Men, Lord of the Seven Kingdoms, Protector of the Realm hat, sondern wer nicht (Hodor?). Denn die 2. Episode der 4. Staffel von Game of Thrones verbringt rund die Hälfte ihrer Laufzeit damit, auf der Hochzeitsfeier alle Verdächtigen Sticheleien austauschen zu lassen, bevor der trockene Kuchen serviert wird. Dazu zählen der rachsüchtige Oberyn Martell, die finanziell gut gestellte Olenna Tyrell, der vielleicht einfach nur genervte Tywin Lannister, die um ihre Macht bangende Mudda Cersei und natürlich der erniedrigte Tyrion. Er ist von allen derjenige mit dem verständlichsten Motiv und doch die unwahrscheinlichste Wahl für die Täterschaft. Es kann eigentlich nur eine Fortsetzung in Folge 3 geben: Varys gibt den Hercule Poirot von King’s Landing.

Was passiert: Tatsächlich ist es denkbar, dass sich nie wieder irgendjemand an den außerhalb von King’s Landing spielenden Teil von The Lion and the Rose erinnern wird. Zugegeben, Brans Wolf Dream und seine Vision von Drachenschatten über der Hauptstadt lassen diese ereignisloseste unter den nordischen Wanderveranstaltungen wieder interessant aussehen. Trotzdem ist nicht zu erwarten, dass Bran demnächst zum Wolf mutiert, die Reeds auffuttert und mit Hodor die White Walkers platt macht.

Zwiespältig stehe ich dem wieder aufgenommenen Theon/Reek-Handlungsstrang aus Staffel 3 gegenüber. Iwan Rheon ist die Idealbesetzung für Ramsay Snow und dessen Treffen mit dem unbeeindruckten Roose Bolton verschafft dem Folterfan ein wenig Kontur, will er sich vor seinem Erzeuger doch nur beweisen. Dass Vati und Sohnemann Bolton langfristig gesehen gen Norden ziehen, um die Stark-Boys zu finden, birgt ebenso erzählerisches Potenzial, nach dem sich Rickon, Bran und Co. zu sehnen scheinen. Trotzdem überwiegt auf Seiten der Serie momentan die sadistische Schaulust, wenn Ramsay sich mal wieder einen Spaß macht. Wie sonst ist die Auftaktsequenz der Folge zu erklären, in der er mit seiner Gespielin eine Ex-Loverin mit Pfeilen durchbohrt und dann den Hunden zum Fraß vorwirft? Klar, jeder Serienfiesling träumt insgeheim von einer Django Unchained -Hommage, aber muss es ausgerechnet in dieser Folge passieren? Im Kontext späterer Ereignisse wirkt Ramsay eben doch nur wie ein fieserer und tatkräftigerer Ersatz-Joff.

“Wir haben es leider nicht in die erste Folge geschafft”-Erzählstrang 3 führt uns nach Dragonstone. Dort werden bei einem Grillfest ein paar von Stannis’ Gefolgsleuten unfreiwillig von ihren Sünden gereinigt. An diesem Erzählabstecher beeindruckt weniger Stannis’ Abendgestaltung als die fanatische Blase, in der er sich bewegt. Ehefrau Selyse und Priesterin Melisandre geben sich ganz dem religiösen Wahn hin (Frau deutlich blinder als Priesterin) und gemäßigte Gestalten wie Davos und Töchterchen Shireen kommen kaum zu Wort. Mit letzterer hat Meli dann einen Girl-to-Girl-Talk, in dem die Red Woman dem Mädchen die Grundzüge ihres Glaubens erklärt. Keine sieben Götter, nur zwei gäbe es: Lord of Light und Lord of Darkness, die sich beständig im Krieg befinden. Grauschattierungen oder ein Kompromiss passen zu diesem dualen Weltverständnis so gar nicht.

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