Sons of the Harpy

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 5, Folge 4

Sansa
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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."

Zwei Kampfszenen, ein Aufstand, eine Miliz religiöser Fundamentalisten und nach Rache dürstende Sand Snakes: Nach der eher ruhigen Folge vergangene Woche legt Game of Thrones in Sons of the Harpy einen Zahn zu. Trotzdem nimmt einen die kleine Szene zwischen einem Vater und seiner Tochter in dieser 4. Episode der 5. Staffel mehr mit als der mögliche Tod eines Game of Thrones-Veteranen.

Der Kampf um die Macht: Spätestens wenn Jaime und Bronn in den Dünen von Dorne (Willkommen im Vorspann!) über ihren "Wunsch-Tod" reden, sollten bei allen Game of Thrones-Kennern die Alarmglocken läuten. Bronn und Jaime malen sich ihr Ende in der von Dave Hill geschriebenen Folge gar nicht glorreich aus: der Söldner im hohen Alter und möglichst langweilig, der Kingslayer in den Armen der Frau, die er liebt. Dies will sich Jaime mit seiner Befreiungsaktion in Dorne verdienen, was zu einem abwechslungsreich choreographierten ("nice move!") und zuweilen verwirrend geschnittenen Kampf mit einer Patrouille führt ("I can't dig very well with one hand."). Trotz seiner sanften Miene beim Anblick der Küste Tarths mit ihrem saphirblauem Wasser ist Cersei aus Jaimes Sicht alles, was ihm bleibt. Deswegen wirkt Myrcella eher wie die abstrakte Idee einer Tochter bzw. eine Chance, der Mutter näherzukommen. Das liegt an ihrer weitgehenden Abwesenheit in der Serie, verweist aber auch auf den Egoismus, der Cerseis und Jaimes Beziehung ausmacht. Oder ausgemacht hat.

Indem Cersei den väterlich-dumpfen Mace Tyrell nach Braavos schickt, macht sie einen weiteren Zug im kalten Krieg mit dessen Tochter Margaery. Dass Meryn Trant sich mit auf die Reise begibt, dürfte Arya im House of Black and White interessieren. Sie macht Trant für das Ableben ihres Wassertanzlehrers Syrio Forel in der ersten Staffel verantwortlich (Spoiler-Artikel zum Thema). Die weiteren Entscheidungen Cerseis lösen jedoch Stirnzunzeln aus. In dieser Game of Thrones-Folge rüstet sie mit den Sparrows eine Gruppe religiöser Fundamentalisten mit Waffen aus, die sogleich als neu erstandene Faith Militant Bordelle stürmt und kostbares Bier in die Straßen schüttet (um Helen Lovejoy zu paraphrasieren: Denkt denn niemand an das Bier!?).

In einer Stadt, in der jeder alles weiß, geht die Mutter eines aus Betrug und Inzest [1] entsprungenen Königs und größte Rotweinkonsumentin von ganz Westeros [2] mit puritanischen Fanatikern eine Allianz ein. Vielleicht will sie sich eine Privatmiliz beschaffen, vor allem aber sehnt sich Cersei danach, Margaery und die Tyrells aus der Einflusszone ihres Sohnes zu ekeln und das mit allen Mitteln. Tommen lässt sie Spießrutenlaufen zwischen sich, seiner Frau und dem High Septon a.k.a. High Sparrow. Von Jonathan Pryce wird das neue religiöse Oberhaupt von King's Landing nicht als wahnsinniger Fanatiker gespielt. Ihm fehlt zumindest in der Öffentlichkeit das mordlustige Grinsen seiner Handlanger. Sein altruistisches Gebaren, seine Ausstrahlung absoluten Glaubens an die Sache ringen mehr Ehrfurcht ab als Dolche und Schwerter. Sein Äußeres könnte Cersei getäuscht haben, das Treiben in den Straßen nimmt sie in Kauf, obwohl es sich gegen sie und ihre Familie richten könnte.

Vielleicht verwechselt Cersei ihren Ex-Liebhaber und Wein-Lieferanten Roberts (!), Lancel Lannister, aber auch mit dem netten blonden Jungen aus Hör mal, wer da hämmert. Ich würde das verstehen.

[1] Fiktive Liste der Hass-Objekte der Faith Militant:

6. Heterosexuelle Bordellbesucher
5. Prostituierte (w)
4. Heterosexuelle Bordellbesucher mit hohen Kirchenämtern
3. Bier
2. Homosexuelle (Bordellbesucher)
1. (Inzestkönige ohne Thronanspruch)(???)

[2] Leider fehlen wissenschaftliche Erhebungen über die Weinkonsum der Geschwister Cersei und Tyrion. Mit Tyrions Flucht nach Essos ist Cersei ganz klar die Weinkönigin der Sieben Königreiche.

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