Tin Man Is Down

Wir schauen Homeland - Staffel 3, Folge 1

Homeland
© Showtime
Homeland

Tin Man Is Down lautet der Titel der ersten Episode von Homeland Staffel 3 und er fasst den Tenor dieser ruhigen Folge zusammen. 58 Tage nach dem Anschlag auf die CIA-Gedenkveranstaltung für Vizepräsident Walden muss sich die Agency, innerlich zertrümmert, gegen berechtigte Vorwürfe von Außen verteidigen. Carrie (Claire Danes) ertränkt ihre Schuldgefühle im Alkohol, während die Brody-Familie gleich mehrere Schicksalschläge verkraften muss. Sie alle müssen sich aufrappeln in dieser Welt nach der Enttarnung Brodys, der, ob schuldig oder nicht, ein privates Schlachtfeld hinterlassen hat, dessen zivile Schäden jetzt andere reparieren müssen. Wenn dies überhaupt möglich ist. Die Episode, welche ohne Damian Lewis auskommt, wirkt ein wenig wie eine befreiende Besinnung auf die Stärken der ersten 17 Folgen.

Was passiert: Die CIA muss sich nach dem Tod von 219 Menschen bei der Gedenkveranstaltung vor einem Kongressausschuss rechtfertigen. Wie, so lauten Vorwurf und Frage, soll der Auslandsgeheimdienst die US-Bürger schützen, wenn er nicht einmal sich selbst schützen kann? Carrie steht besonders im Fadenkreuz der Abgeordneten, erst recht als herauskommt, dass sie eine sexuelle Beziehung mit Brody pflegte. Saul (Mandy Patinkin) wiederum, befördert zum Chef der Central Intelligence Agency, steht vor der Herausforderung, den Geheimdienst durch die Krise zu führen. Kollege Dar Adal (F. Murray Abraham) schürt die Angst vor einer Auflösung der CIA im Homeland Security-Apparat und fordert Taten. Da bietet sich die Aufdeckung eines aus Iranern bestehenden Terror-Netzwerks an. Die Auseinandersetzung mit den Mechanismen der CIA innerhalb einer alternativen Geschichtsschreibung gehört zu den spannendsten Aspekten von Homeland und so freut es, wie viel Wert die Staffelpremiere auf den Wiederaufbauprozess legt.

Manche dürfte es dagegen stören, dass die Brodys auch in Season 3 eine wichtige Rolle zu spielen scheinen. Manchen. Mich nicht. Ehrlich gesagt kann ich mir Homeland ohne Dana und Vitaminwasser nicht vorstellen. Die Autoren anscheinend auch nicht und so verfolgen sie in Tin Is Man Down, wie es der Familie des ehemaligen Kriegshelden 58 Tage nach der Stigmatisierung ihres Ernährers als Terrorist ergeht. Dana (Morgan Saylor) hat einen Suizidversuch überlebt und wird aus dem Krankenhaus entlassen. Jessica (Morena Baccarin) sieht ihre Familie vor dem finanziellen Ruin. So hoch die Zahl der Opfer des Terroranschlags auch ist, im auf den Kopf gestellten Leben der von der Presse gebrandmarkten Brodys werden die Nachwirkungen der Geschehnisse aus der letzten Season emotional greifbar.

Die Agency: “The Magician” heißt der neue Buhmann nach dem Tod von Abu Nazir. Majid Javadi ist berühmt dafür, Leute verschwinden zu lassen, und steht neben Brody ganz oben auf der Most Wanted-LIste. Für die CIA bietet der Iraner und sein Terror-Netzwerk eine willkommene Ablenkung von den eigenen Verfehlungen. Um an die eigene Existenzberechtigung zu erinnern, drängt Dar Adal Saul dazu, sechs Untergebene von Javadi auszuschalten. Saul, der den Chefposten nur widerwillig ausfüllt, verweist auf die klassische, idealisierte Aufgabe der CIA. Nur Spione seien sie, keine Killer. Sauls altmodische, an John le Carrés Helden George Smiley (König, Dame, As, Spion bzw. Dame König As Spion) gemahnende Haltung wirkt einerseits löblich, andererseits verträumt. Als CIA-Chef ist es an ihm, mit Rücksicht auf politische Folgen über Leben und Tod zu entscheiden. Die Tage der Arbeit in the field sind vorbei, die damit zusammenhängende “Unschuld” liegt in weiter Ferne. Diese Bürde muss Saul tragen und wie sie ihn und vor allem seine apologetisch geprägte Beziehung zu Carrie beeinflusst, zeigt sich in der zweiten Hälfte der Folge, wenn er sie mehr oder weniger offen vor dem Ausschuss über die Klinge springen lässt.

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the gaffer Jenny Jecke
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