Platoon - Kritik

Platoon

US · 1986 · Laufzeit 114 Minuten · FSK 18 · Drama, Actionfilm · Kinostart
Du
  • 9 .5

    Der Sogwirkung (...) ikonischer Motive konnte sich Olvier Stone offenbar nicht entziehen. Er wollte es wohl auch nicht. Vielleicht ist es diese gewisse Ambivalenz, die die Klasse von „Platoon“ ausmacht. Einerseits setzt er zumindest den anständigen oder vermeintlich anständigen US-Soldaten in Vietnam ein Denkmal – etwas, das jede Antikriegsbotschaft konterkariert, zumal die feindlichen nordvietnamesischen Truppen komplett gesichtslos bleiben (und sie hatten weitaus mehr Opfer zu beklagen als die US-Streitkräfte). (...) Andererseits zeigt Stone schonungslos und brutal die Verrohung, die der Krieg für die Menschen in ihm mit sich bringt, eine Verrohung, der einige von ihnen nur zu gern nachgeben. (...) Mit Michael Ciminos „Die durch die Hölle gehen“ („The Deer Hunter“, 1978), Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ (1979) und Stanley Kubricks „Full Metal Jacket“ (1987) bildet „Platoon“ das große Quartett der Vietnamkriegsdramen. Während die beiden Ende der 1970er-Jahre entstandenen Vorgänger eher mythischen Trips ähneln, zeigt Stone den Dschungelkampf authentischer, als schmutziges Sterben mitten im Urwald und fern der Heimat.

    Ausführlich bei DIE NACHT DER LEBENDEN TEXTE.

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    • 8 .5

      [...] Oliver Stone setzt weder auf eine großartig ausgefeilte Geschichte, irgendeiner Form von Subtilität oder gehobenen, künstlerischen Anspruch, sein Werk bezieht seine Klasse durch seine reine Authentizität. Seine persönliche Teilnahme an diesem Krieg ist unübersehbar. Stone zeigt das, was er selbst erlebt hat, manifestiert nur in den klar definierten Gut-und-Böse-Figuren von Barnes und Elias die perverse Negation jeglicher Normen, Werte, Moral. Wie man es von ihm auch später gewohnt war, nicht durch die Blume, sondern direkt in die vernarbte, traumatisierte Fresse der USA. Ein schier endloser, im Endeffekt total unnötiger Krieg, der tausende von Leben opferte und wahrscheinlich ebenso viele Seelen zusätzlich zerstörte. „Platoon“ schildert unmissverständlich, ungefiltert die Sinnlosigkeit dieses Irrsinns, die Hilflosigkeit der Beteiligten und die Folgen, wenn Menschen nicht mehr trennen können, was gut oder böse, richtig oder falsch noch bedeutet. Atmosphärisch so dicht wie das vernebelte, undurchsichtige Grün des Schlachtfeldes, in einnehmenden Bildern exzellent fotografiert und durch die Bank hervorragend gespielt. [...] Kritisieren könnte man gelegentlich nicht zu leugnenden Pathos, auch bei der sonst tollen Musikuntermalung, nur ernsthaft stören tut das kaum. Schließlich ist dies wohl auch der logischerweise nicht distanzierten Sichtweise des Regisseurs und seinem grundsätzlichen Anliegen wie Stil geschuldet, bloß nicht irgendwas im Unklaren zu lassen. Hier nervt das nicht, es unterstreicht nur die Priorität, das Herzblut von Stone für dieses Projekt.

      „Platoon“ ist definitiv nicht der beste Vietnamfilm, einen „Apocalype Now“ wird wohl niemals jemand übertreffen. Und auch „Die Verdammten des Krieges“ von Brian De Palma kann er nicht erreichen, da dieser die bestialische Transformation von Mensch zu Monster noch wesentlich direkter, schockierender und emotional ergreifender darstellte. Aber dann sollte dieser Film genannt werden („Full Metal Jacket“ im gleichen Atemzug). Mit „JFK – Tatort Dallas“ der beste Film von Oliver Stone und das hieß mal was. Bevor er mit dem „World Trade Center“ eingestürzt ist…

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      • 8 .5

        Zu Anfang muss ich sagen das ich kein großer (Anti)Kriegsfilm-Fan bin, deswegen habe ich hier nicht wirklich viel erwartet. Doch was da auf mich zu kam überfuhr mich wie ein Zug in voller Fahrt, die gewaltigen Bilder und dieser verdammte Score haben mich eiskalt erwischt.
        Keine spektakulären Kämpfe und doch sind sie verdammt mitreißend, mein Herz pochte immer wieder und ich sah gespannt auf den Bildschirm um mit anzusehen wer nun von den sympathischen Darstellern das zeitliche segnen muss.

        [".. aber die meisten haben überhaupt nichts, sie sind arm, sie sind diejenigen von denen keiner was wissen will. Trotzdem kämpfen sie für unsere Gesellschaft, kämpfen für unsere Freiheit..."]

        Der Cast ist ja sowieso eine Wucht: Tom Berenger, Willem Dafoe, Forest Whitaker, John C. McGinley(Dr. Cox), Johnny Depp(nicht wiederzuerkennen) und viele mehr. Und natürlich Charlie Sheen. Unser cooler Onkel Charlie mal ganz anderst. Mein Gott war das ein toller Schauspieler. Zu Anfang ist er der Neuling in US-Infanterie, doch er entwickelt sich immer mehr und am Ende erkennt man ihn nicht wieder. Aber auch jeder andere Darsteller kann sich sehr gut mit seiner Rolle identifizieren und jeder zeigt eine unglaubliche Leistung.

        ["Ausreden sind wie Arschlöcher, Taylor. Jeder besitzt sowas."]

        Würde es nach "Platoon" gehen, würde das Wort 'Verherrlichung' nicht im Duden existieren, hier wird alles so dargestellt wie es anscheinend auch im Vietnamkrieg war, dreckige Bilder und raue Dialoge zeigen das es sicherlich kein Spaß war.
        Brutal ist der Film nicht. Brutal will der Film auch gar nicht sein. Das braucht der Film auch nicht um zu zeigen wie hart so ein Krieg ist, das kann "Platoon" auf ganz andere Weisen toll inszenieren. Es wird auch nicht nur auf die Gewalt gesetzt die man sehen kann, es wird auch auf die psychischen Probleme eingegangen die die Soldaten mit sich tragen.

        ["Politik Mann! Alles nur Politik!"]

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