Solaris - Kritik

Solyaris

RU · 1972 · Laufzeit 165 Minuten · FSK 12 · Science Fiction-Film, Drama · Kinostart
Du
  • 10

    [...] Als Kelvin auf der Raumstation eintrifft, ändert sich die Stimmung von Solaris grundlegend und gerät regelrecht gespenstisch: Begleitet von einem überaus subtilen Score schreitet der Psychologe durch Metallgänge voller Gerümpel; seine Schritte hallen, die Computer geben surrende Signaltöne von sich, irgendwas knistert, irgendwo tropft es – die Station wirkt völlig verwaist und heruntergekommen. Im Gegensatz zu Stanley Kubricks vier Jahre zuvor erschienenem Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum, den Tarkowski als zu klinisch und kalt empfand, wirken die abgenutzten metallenen Gänge der Station fabrikartig und könnte eine Inspirationsquelle für den innovativen Look des Raumfrachters Nostromo in Alien gewesen sein.

    Die Spannung baut sich weiter auf, als [...]

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    • 8

      In seinem dritten Langspielfilm wendet sich der russische Regisseur Andrej Tarkowski wieder einem neue Genre zu. Nach einem Kriegs- und einem Historienfilm führt er den Zuschauer nun in die Science-Fiction-Gefilde. Mit “Solaris” (OT: “Solyaris”, Deutschland/ Russland, 1972) wendet sich Tarkowski von seiner geliebten Erde ab, um in den Tiefen des Weltalls die notwendige Erd- und Naturverbundenheit unverhohlen zu bewerben.

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      • 9

        Selten war das Grün der Blätter beruhigender – gerade weil dieser unbehagliche Nebel mitsamt seinem Dunst die Landschaft in eine irdische Flecken verwandelt, die einem Märchenwald gleicht und im Gegensatz zum organisierten Tumult auf den Straßen unermüdlich im Chaos versinkt. Der Schleier, der sich davor erhebt, scheint nie zu verschwinden. Erst, wenn der Wagen der linienförmige Strömung des Fortschritts folgt, nehmen die Gedanken in Andrei Tarkowskis Solaris an Form an. Und dann taucht dieser Film in die fantastischen Gänge der Raumstation ein, scheut sich nicht vor der Tristesse des Weltraums und fürchtet ebenso wenig den perfekten Lens Flare im dramaturgischen Augenblick. Sie sind kaum zu bezwingen, diese Gänge. Ewig lang und verwirrend, wie ein Labyrinth, aus dem es keinen Ausweg gibt. Trotzdem reißt die Strömung alles mit, egal ob anfangs das Schilf im Wasser oder später die Vehikel auf der Kraftfahrtstraße. Ein ewiger Prozess, ein Materialisieren und ein Entmaterialisieren. Das Einzige, was beständig existiert – vollkommen ungeachtet wie gebogen, wie verdreckt und wie heruntergekommen – sind die Gänge in ihrer abstrakten wie gleichzeitig authentischen Beschaffenheit. Und eine Blume, eingeklemmt in den Seiten eines Buches, konserviert bis in alle Ewigkeit und dementsprechend unabhängig von Raum und Zeit. Selbst wenn am Ende nur noch der Puls des Unerklärlichen bleibt und verschlingt alles in sich.

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        • 9

          Wie auch in Stalker sind die Protagonisten in "Solaris" Forschende, Menschen auf der suche nach etwas, gierig nach Wissen und Fortschritt, und paradoxerweise ist es der Fortschritt selbst der uns mit unserer Vergangenheit und mit unseren Ängsten konfrontiert, es ist der Fortschritt, der Wissensdurst, das Streben nach Glück, das uns zwingt uns selbst zu betrachten, uns unsere Ängste offenbart, das war in Stalker so und ist auch in Solaris nicht anders.
          Der Ursprung der Selbstreflexion ist der Ozean, der Ursprung allen Lebens, damit der beste Spiegel den man den Menschen vorhalten kann.
          In der Versuchsanordnugsartigen Abstracktheit seiner Darstellungen wirft Tarkowskij einen unsagbar klaren und unverfälshten Blick auf das menschliche Wesen mit seinen Träumen, Hoffnungen und Sehnsüchten.
          Selbstbetrug, die Reflektion seiner toten Frau ist ganz anders als sie es war, nur eine idealisierte Vorstellung, Trauer, Leid, aber auch Hoffnung findet man auf diesem traumartigen Trip durch die Raumstation, großartig fotographiert vom kürzlich verstorbenen Wadim Jussow, düster unterlegt von Eduard Artemjew.
          Nach Stalker schafft es Tarkovskij ein zweites Mal seine Charaktere sowie seine Zuschauer an den Rand menschlicher Existenz zu führen und bringt mich ein weiteres Mal dazu nicht nur zu schauen sondern auch zu sehen.

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          • 8 .5

            SOLARIS zählt zu jener heute eher nischenartig betriebenen Spielart der Science Fiction, wo fremde Welten nicht Austragungsort intergalaktischer Kriege, sondern Kontaktflächen mit dem eigenen Unterbewussten sind. Die Ruhe und Langsamkeit, mit der Tarkowski seinen metaphysischen Trip inszeniert, ist mit kunstgewerblicher Bleischwere, seine Spiritualität mit Kopflastigkeit nicht zu verwechseln. Wonach er strebt, ist ein kontemplativer Schwebezustand, der den gesamten Bildraum, jeden Schnitt, jede Bewegung, jedes Objekt, unspezifisch zwar, aber nachhaltig mit dem Leid seiner Protagonisten auflädt.

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