An Verschwörung-Star Claire Foy kommt ihr dieses Jahr nicht vorbei

Claire Foy in The Crown und Verschwörung
© Netflix/Sony
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"I read about this guy, gets on the MTA here, dies. Six hours he's riding the subway before anybody notices his corpse doing laps around L.A., people on and off sitting next to him. Nobody notices."

Claire Foy gehört zu jener Art von Schauspielerinnen, denen wenige Worte und dafür umso eindeutigere Gesichtsausdrücke genügen, um eine ganze Schar an großen Gefühlswallungen auszudrücken. Lange Zeit war die Britin nach anfänglichen Theaterauftritten und kleineren Rollen in verschiedenen TV-Serien einem größeren Publikum hauptsächlich aus der Netflix-Serie The Crown bekannt. In zwei Staffeln spielte sie Queen Elizabeth II., bevor die Rolle aufgrund eines Zeitsprungs mit Olivia Coleman neu besetzt wurde. In diesem Filmjahr kommt der Zuschauer an Claire Foy dafür aber nicht mehr vorbei. Gleich vier Filme kamen 2018 mit ihr in tragenden Rollen ins Kino. Zwei davon, Aufbruch zum Mond und Verschwörung, laufen momentan zeitgleich in unseren Lichtspielhäusern. Sie zeigen, dass sich die Schauspielerin aktuell auf dem Hollywood-Vormarsch befindet. Nachfolgend stellen wir euch Claire Foy näher vor.

The Crown bringt die schauspielerische Klasse von Claire Foy zum Ausdruck

Als Schauspielerin begann die geborene Britin Claire Foy ihre Laufbahn am Theater, bevor sie 2008 erstmals in der BBC-Miniserie Klein Dorrit mitspielte. Anschließend bestanden ihre Rollen weiterhin aus Auftritten in britischen TV-Serien oder TV-Filmen, bis sie ab 2011 auch in amerikanischen Filmen wie Der letzte Tempelritter mit Nicolas Cage oder in der NBC-Serie Crossbones mitspielte. Die bislang größte Aufmerksamkeit bescherte ihr 2014 schließlich die Netflix-Serie The Crown, in der sie die Hauptrolle der jungen Königin Elizabeth II. spielen durfte.

In der Serie verkörpert Foy die junge Thronfolgerin zu verschiedenen Zeitpunkten ihres Lebens in unterschiedlichen Jahrzehnten, doch die feine Kontinuität ihres Schauspiels trotzt jeglichen Jahreszahlen und anderen äußeren Einflüssen. Vielmehr behauptet sich die Britin in The Crown in jeder Situation als ebenso sympathische wie kühl verschlossene Darstellerin, die gemäß ihrer Figur bedeutende Emotionen hinter einer Fassade verborgen hält. Im entscheidenden Moment vermag sie es trotzdem genügend über ihre innere Verfassung preiszugeben. Diese Eigenschaft erkannte auch Verschwörung-Regisseur Fede Alvarez, als er sich beim Schauen der Netflix-Serie umgehend dazu entschloss, Foy als neue Lisbeth Salander besetzen zu wollen. Im Gespräch mit Business Insider sprach Alvarez über Foy als Schauspielerin in The Crown wie folgt:

Ich habe gesehen, dass sie jemand ist, der wirklich versucht, Gefühle für sich zu behalten und geheim zu halten, wie sie sich wirklich fühlt, denn als Königin darf sie nicht oft ausdrücken, wie sie sich wirklich fühlt. Ich hatte das Gefühl, dass ich für die Person, die Lisbeth Slander spielt, jemanden brauchte, der sich nicht öffnet und Gefühle nicht teilt. Man braucht eine Schauspielerin, die eine Technik und ein Geschick hat, das so gut ist, dass man ein Fenster in deren Seele erhält.

Das verletzliche Schauspiel von Claire Foy resultiert aus ihrem privaten Hintergrund

Ihre Beteiligung an The Crown brachte Claire Foy in diesem Jahr einen Emmy als Beste Schauspielerin in einer Dramaserie ein und ließ sie aufgrund der niedrigeren Gehaltszahlung im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen in die Schlagzeilen geraten. Im Anschluss daran folgte der endgültige Schritt ins Filmgeschäft. Vier Kinofilme mit ihr sind allesamt 2018 in unseren Kinos gestartet und zeigen Foy in überaus facettenreichen Rollen, bei denen sie sich nichtsdestotrotz ganz auf ihre schauspielerischen Eigenheiten besinnen konnte.

Dabei schien ihr die Hauptrolle in Andy Serkis' Regiedebüt Solange ich atme förmlich auf den Leib geschrieben worden zu sein. In dem Drama spielt sie in den 1930er-Jahren die Frau an der Seite des abenteuerlustigen Robin Cavendish. Als bei diesem Polio diagnostiziert wird und ihm nur noch wenige Monate zu leben in Aussicht gestellt werden, ist es die von Foy verkörperte Diana, die sich gegen sämtliche Widerstände auf die Seite ihres Mannes stellt und eher still und heimlich um ihre eigene innere Verfassung ringen muss. Noch spannender gestaltet sich ihre Rolle in Steven Soderberghs mit dem iPhone gedrehten Film Unsane - Ausgeliefert. Der dunkle Genuss von einem Psycho-Thriller zeigt Claire Foys Figur in den undurchsichtigen Fängen der US-Pharmaindustrie, wenn sie zwischen der unfreiwilligen Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik und der Bedrohung durch einen Stalker von ihren eigenen Ängsten aufgefressen wird und den Verstand zu verlieren droht.

Es ist eine Figur, die sich beunruhigend nahe an der wirklichen Persönlichkeit der Schauspielerin zu bewegen scheint. Im Gespräch mit dem Hollywood Reporter spricht Foy, bei der im Alter von 17 Jahren ein gutartiger Tumor im Auge entdeckt wurde, über ihre Ängste:

Ich war ein sehr ängstliches Kind. Ich habe definitiv Dinge getan, weil es so schien, als sollte ich sie tun. Ich ging zu einer Mädchenschule, und im Raum für berufliche Entwicklung befand sich diese Broschüre für eine Tour, bei der man für einen Monat nach Galapagos reist und sich dort für den Umweltschutz einsetzt. Ich wollte es wirklich tun. Aber keiner meiner Freunde wollte es und ich war zu ängstlich, um es alleine zu machen. Ich fühlte mich immer wie die Außenseiterin, die nirgends hineinpasste. Einfach so emotional. Jemand erzählt mir eine Geschichte und ich weine.

Aufbruch zum Mond und Verschwörung zeigen Claire Foy in ihrem Element

In Aufbruch zum Mond kommt Claire Foy eine augenscheinlich undankbare Rolle zu. In dem Film über Neil Armstrong sowie die erste Mondlandung der Menschheit spielt sie die Frau des Astronauten, die sich um die beiden kleinen Söhne kümmern muss, während der Vater ins Weltall fliegt und vielleicht nie wieder zurückkehrt. Mehr als nur die besorgte Frau im Hintergrund spielt Foy diese Janet Armstrong als emotionalen Anker in Damien Chazelles intimen Drama, in dem ein gebrochener Mann die Erde erst verlassen und auf den Mond reisen muss, um seinen Platz unter den Sternen wiederzufinden. Neben Hauptdarsteller Ryan Gosling sorgt erst die temperamentvoll sowie impulsiv um Antworten und Wahrheiten kämpfende Britin dafür, dass dieses Biopic zu seiner nötigen Vollständigkeit findet.

Vielleicht nicht zur Vollständigkeit, aber dafür zur nötigen Erdung verhilft Claire Foy dem Thriller Verschwörung von Fede Alvarez. Als neue Lisbeth Salander verleiht die Schauspielerin der tief in ihrem Innersten ängstlichen, menschenscheuen Hackerin eine gequälte Introvertiertheit, die Foy mit queerer Punk-Attitüde und konzentrierter Körperlichkeit in den Actionszenen verbindet. Es ist jene Form von Rolle, nach der die Mutter einer kleinen Tochter nun erstmal eine Schauspielpause ankündigte. Es ist eine verdiente Pause, denn von allen Schauspielerinnen war 2018 eindeutig Claire Foys Jahr.

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