Der Kongress heute im TV

Ari Folmans intime Animationen für Erwachsene

Ari Folman in Waltz with Bashier & Robin Wright in Der Kongress
© Pandora Film Verleih
Ari Folman in Waltz with Bashier & Robin Wright in Der Kongress
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sciencefiction Andrea Wöger
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Update: Dieser Artikel wurde erstmals am 12.09.2013 zum Kinostart von Ari Folmans Der Kongress veröffentlicht. Zur erstmaligen TV-Ausstrahlung des Sci-Fi-Films um 23.35 Uhr im Ersten haben wir den Text für euch aktualisiert.

Mit ängstlichem Blick starren die Protagonisten von Ari Folmans letzten beiden Regiearbeiten auf den Plakaten ihren Betrachtern entgegen. Der israelische Regisseur weiß um die Kraft der Preisgebung von Intimem und Persönlichem. Genau diese Scham und Neugier – das Wissen sich selbst loslassen zu müssen, um andere zu erreichen – drückt sich in den ungewissen Blicken in Waltz with Bashir und Der Kongress aus.

Diese beiden sensationellen Identitätssuchenden könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein. Die animierte Kriegstrauma-Aufarbeitungs-Doku Waltz with Bashir, die 2009 für den Oscar als Bester fremdsprachiger Film nominiert war, und die halb reale, halb animierte Science-Fiction-Verfilmung von Stanislav Lems Der futurologische Kongreß haben jedoch so ziemlich alles gemeinsam, was sie als herausragenden Film ausmacht. Sie sind ehrlich, unverschämt subjektiv und philosophieren sich an ein (un)heilvolles Ende zu. Sie graben sich tief ins Bewusstsein ihrer Protagonisten und wenn wir es zulassen, auch in das unsere.

Erfahrungen aus dem Libanonkrieg
Ari Folman war einer von vielen jungen Soldaten, die mit grausamen Erinnerungen an den Libanonkrieg in den 1980er Jahren wieder nach Israel heimkehrten. Nicht, um das alles zu verarbeiten, viel mehr aus einer Neugierde heraus, was damals alles geschah, machte Folman einen Film aus seinen eigenen, verstörenden und beinahe schon wiedersprüchlichen Erlebnissen und den Erinnerungen seiner damaligen Kameraden und Freunde. In der Doku Waltz with Bashir basiert so gut wie kein Bild auf existierendem Foto- oder gedrehtem Material. Einige der Interviewten sprechen sich selbst, doch wurden ihre Aussagen dramaturgisch verändert. Weder beleuchtet Folman alle Seiten der Geschichte, noch verschreibt er sich der Wirklichkeit. Der Protagonist ist Ari Folman selbst.

Seine Vorliebe für diese forsch subjektive Herangehensweise an die Aufzeichnung eines beklemmenden Erinnerungspuzzles spiegelt sich auch in der außergewöhnlichen Sci-Fi-Parabel Der Kongress wieder.

Für immer jung
Der Kongress erzählt eine ebenso autobiografische, wenn auch meist fiktive Geschichte der weltbekannten Schauspielerin Robin Wright (Forrest Gump), die ihre glorreichen Tage schon lange hinter sich hat. Sie wird von ihrem Studio Miramount dazu gedrängt, sich einscannen zu lassen, um als digitale Kopie eingesetzt werden zu können, wie es dem Studio beliebt. Dafür darf sie die kommenden 20 Jahre nicht schauspielern. Bis dahin ist der Film das dramatische Proträt einer alternden Diva, die sich dem satirisch überzeichnetem Film-Business fügen muss und die Chance bekommt für immer jung zu bleiben, zumindest die kommenden zwei Jahrzehnte.

Ich musste selbst erst daran erinnert werden, dass die High-Tech-Welt der Filmindustrie schon längst fähig ist, (tote) Schauspieler ohne ihr Zutun in realistische, bewegte Bilder zu verwandeln. Akteure sind längst digitalisiert. Ari Folmans befremdliches und doch faszinierendes Scanning-Verfahren in Der Kongress, welches durch einen wunderschönen Monolog von Harvey Keitel als Robins Manager durchzogen wird, existiert bereits unter dem Namen Light Stage als Hilfsinstrument für digitale Nachbildungen echter Eindrücke.

Gesellschaftlicher und technischer Fortschritt
Der Film nimmt 20 Jahre später die Fährte der gealterten Robin wieder auf, doch die damals brandneue Technologie ist heute schon ein alter Hut. In einer streng animierten Zone, in der sich die Menschen nur als Abbilder ihrer selbst treffen dürfen, begegnet Robin sich als weltbekannte Actionikone. Sie ist eingeladen am futurologischen Kongress teilzunehmen und von da an beginnt die eigentliche Buchadaption von Stanislav Lems Sci-Fi-Roman.

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