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Arlo & Spot oder wie ein Film gerettet wird - Interview mit Pixar-Regisseur Peter Sohn

28.11.2015 - 08:50 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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Arlo & Spot: ein Junge und sein Mensch
© Disney/Pixar
Arlo & Spot: ein Junge und sein Mensch
Seit dieser Woche läuft Arlo & Spot in den Kinos. Wir hatten im vergangenen Juni die Chance, uns mit dem Regisseur Peter Sohn zu unterhalten, der uns den damals noch unfertigen Film in London präsentierte.

Arlo & Spot läuft seit dieser Woche im Kino. Der zweite große Pixar-Film nach dem großartigen Alles steht Kopf erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen einem jungen Dinosaurierjungen namens Arlo und einem Menschenkind namens Spot. Der Regisseur Peter Sohn war Pixarfans bislang hauptsächlich dadurch bekannt, dass er die optische Inspiration für den kleinen Pfadfinder-Jungen in Oben abgab, und durch den Kurzfilm Teilweise wolkig. Arlo & Spot ist sein erstes Spielfilmprojekt als Regisseur.

moviepilot: Der Film sieht phantastisch aus, sehr photorealistisch. Stellte sich je die Frage, ob man diese sehr realistische Welt mit den eher cartoonmäßig aussehenden Figuren mischen kann?

Peter Sohn: Es fing alles damit an, dass wir versuchen, eine Figur zu erschaffen, mit der man sich identifizieren kann. Es gibt haufenweise realistische Dinosaurier, aber wir versuchen, einen zu erfinden, der jugendlich wirkt, und ihn so zu karikieren, dass man mit ihm Spaß haben kann. Doch als wir anfingen, die Story zu entwickeln, und die Natur in der Geschichte ein eigener Charakter wurde, funktionierte die Stilisierung nicht mehr so gut. Wir versuchten, die Bäume grafischer zu gestalten, aber das verwässerte nur die bedrohliche Wirkung, die die Natur in der Geschichte haben sollte. Wir mussten diese sehr feine Balance finden, bei der die Welt sehr realistisch aussieht, aber die Beleuchtung und die Schattierungen dann plötzlich alles ein bisschen dramatischer und karikierter wirken lassen. Arlo ist ein sehr grafischer Charakter, aber trotzdem waren wir sehr vorsichtig und achtsam, dass er sich trotzdem in seiner Welt realitisch bewegt, dass zum Beispiel sein Gewicht stimmig wirkt, wenn er geht. Als wir sahen, wie diese beiden Stile verschmolzen, ergab sich dieser sehr interessante Look, den man akzeptierte. Man sieht Arlo aufwachsen und am Anfang ist er noch sehr jung und wir erkennen seine Probleme, sein Vater ist sehr viel stämmiger und stark und kann Bäume umschubsen, während Arlo für sowas nicht gemacht ist. Er ist ein Außenseiter, er ist schwächer. Aber während des Films wächst er, wird stärker und schafft es, Probleme alleine zu lösen. Das ist eine interessante Balance.

moviepilot: Als wir bei moviepilot den ersten Teasertrailer sahen, wo der Komet auf die Erde zufliegt und zuerst realistische Dinosaurier zu sehen sind und dann plötzlich Arlo - da war unsere erste Assoziation Dino und BamBam aus Familie Feuerstein. War das eine bewusste oder unbewusste Entscheidung, die Beziehung zwischen Arlo und Spot ähnlich anzulegen? Bambam ist ja ebenfalls mehr Tier als Mensch.

Peter Sohn: Es war auf jeden Fall keine bewusste Entscheidung, sie so aussehen zu lassen, aber es war eine bewusste Entscheidung, diese Art der Evolution zu schildern, wo sich die Dinosaurier vom ursprünglichen Aussehen vor dem Asteroidenvorbeiflug weiterentwickelt haben. Als wir dann anfingen, die Geschichte zu entwickeln, dass sich die Rollen vertauschen, war es sehr spannend, Wege zu finden, wie der Dinosaurier glaubhaft zu einem Menschenjungen wird, obwohl er auf allen Vieren läuft. Die linkische Körperhaltung, der unschuldige Blick - das war sehr bewusst, um klar zu machen: Er ist einfach ein kleiner Junge, der alleingelassen im Wald ist. Ein Dinosaurier-Junge, aber eben ein Junge. Spot wurde dagegen so designet, dass wir ihn zunächst als Tier wahrnehmen. Sein ganzes Verhalten ist das eines Tieres. Dich anzuschauen wie ein Wolf, wie ein Eichhörnchen von Baum zu Baum zu hüpfen, glaubhaft zu machen: Er gehört in die Wildnis - der Dinosaurier nicht.

moviepilot: Wird Spot dann im Verlauf des Films menschlicher bzw. dinosauriger werden - weil die intelligente Spezies des Films sind ja die Dinos? Spot ist ja durchaus intelligent, wie man in der Szene sieht, in der er und Arlo über ihre Familien “reden”. Er versteht ja Dinge.

Peter Sohn: Er versteht Dinge ja, aber er bleibt trotzdem in gewisser Weise animalisch. Das ist kein Buddy-Movie, wo die beiden Figuren miteinander Probleme haben, es ist mehr eine Coming of Age-Story. Ein Junge und sein Hund, wo der Junge die Probleme hat und der andere quasi mit reingezogen wird.

moviepilot: Sie wurden ja vom Co-Regisseur zum Regisseur befördert, weil es Probleme gab und der ursprüngliche Regisseur vom Projekt abgezogen wurde. Wieviel kann man in einem Film der schon mitten in der Produktion steckt noch ändern und wieviel wurde geändert?

Peter Sohn: Es gab eine interessante Evolution, denn wir haben wirklich viel geändert.Es gibt verschiedene Versionen des Films, wie immer bei Pixar-Filmen, denn man kann tatsächlich eine ganze Menge ändern. Es ist ja nicht, als hätte man schon Film gedreht und die Sets wären weg, die digitalen Sets werden immer da sein und man kann immer neue erstellen. Es war schon schwierig, Dinge zu verändern, aber es ging immer darum, die Story besser zu machen.

moviepilot: Ging es dabei eher um kleine Verbesserungen oder wurde die Story wirklich im großen Stil überarbeitet?

Peter Sohn: Es war schon eine große Überarbeitung.

moviepilot: Es wurde ja, soweit ich weiß, der Voicecast fast komplett ausgestauscht, zuvor waren es viele Comedians wie Bill Hader, jetzt kamen viele ernsthafte Schauspieler hinzu. Gab es auch Veränderungen in der Tonalität des Films?

Peter Sohn: Es ging weniger um die Tonalität, als darum, wirklich dieser Ein-Junge-und-sein-Hund-Story gerecht zu werden. Zu Beginn war Arlo noch deutlich älter und wir wollten ihn jünger haben, es ginge also darum, einen jungen Arlo zu finden - und nachdem wir ihn gefunden hatten, beeinflusste das dann auch alle anderen Rollen. Seine Geschwister mussten jünger werden, aber auch viele der Figuren, die er unterwegs trifft, mussten sich verändern, um ihn mit anderen Aspekten zu konfrontieren. Es war keine schnelle Evolution, aber ich denke, das ist ein gutes Beispiel, um zu zeigen, wie sich der Film verändert hat.

moviepilot: Danke für das Gespräch!

Arlo & Spot läuft seit dem 26.11.2015 im Kino. Wie gefällt euch Pixars zweiter Film in diesem Jahr? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!

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