Kritik

Besser als Teil 1, aber das Sissi-Orginal bleibt unerreicht

Wird Sisi etwa ihren Franz mit dem Grafen Andrássy betrügen?
© ZDF
Wird Sisi etwa ihren Franz mit dem Grafen Andrássy betrügen?

Tatsächlich vollbrachte Regisseur Xaver Schwarzenberger das Kunststück, einem schlechten Auftakt einen passablen zweiten Teil nachzuliefern. Es schien ganz so, als ob sich die Autoren entschlossen hätten, sich nun bei Sisi die Mühe zu machen, das Leben der Kaiserin erzählen zu wollen. Sissis Zerrissenheit zwischen Selbstbestimmung und Etiquette am Wiener Hofe wurde diesmal deutlich herausgearbeitet und auf schwülstige Liebesszenen weitgehend verzichtet. Der zweite Teil, der von der Liebe der Kaiserin zu Ungarn und ihrem Kampf um ihre Kinder handelte, hatte deutlich mehr Tiefe als der am Donnerstag ausgestrahlte erste Film.

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Krieg und Frieden, territoriale Einbußen des österreichischen Kaiserreichs – Kaiser Franz Joseph (David Rott) hatte im zweiten Teil gestern Abend nicht allzu viel Zeit für seine Angetraute (Cristiana Capotondi). Und das war auch gut so, blieben dem Zuschauer dadurch unnötige Erotikszenen erspart. “Sisi” fiel das Glück schwer. Nachdem sie am Ende des ersten Teils ihre zweijährige Tochter Sophie verloren hatte, kämpfte sich die junge Kaiserin durch eine Depression hindurch, nur um umso mehr von ihrer Schwiegermutter Erzherzogin Sophie (Martina Gedeck) schikaniert zu werden. Diese entzog ihr die Erziehung der beiden Kinder Gisela und Rudolph, was in einer schwerwiegenden Erkrankung der Kaiserin mündete. In Venedig versuchte Sisi daraufhin, diese auszukurieren und traf dort auf ihren Verehrer Graf Andrássy (Fritz Karl), den sie abblitzen ließ. Schließlich kehrte ihr Lebenswille zurück, als Franz Joseph endlich einsah, den kleinen, sensiblen Rudolph nicht mehr auf die Militärschule zu schicken. Sisi trat wieder an die Seite ihres Mannes und fädelte das Österreich-Ungarische Kaiserreich ein. Mit der Krönung des Kaiserpaares in Budapest endete Schwarzenbergers Version einer Neuinterpretation.

Dass auch der zweite Teil keineswegs an das Original der 1950er Jahre heranreichte, tat dennoch einem mittelmäßigen Fernsehfilm keinen Abbruch. Für diejenigen Zuschauer, die Romy Schneider noch nie als Sissi sahen, genügte er sicherlich zur Unterhaltung. Wo im ersten Teil noch durch die Handlung hindurchgaloppiert wurde, nahmen sich die Autoren diesmal die nötige Zeit, um ein eingehendes Porträt einer selbstbestimmten jungen Frau zu zeichnen, deren Rechte am Wiener Hof alles andere als großzügig ausfielen.

Und was meint ihr: Lieferte Schwarzenberger mit dem zweiten Teil von Sisi tatsächlich einen passablen Fernsehfilm ab?

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