Better Call Bob Odenkirk - Ein Showman, der mehr Hauptrollen verdient

Bob Odenkirk
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Wenn Bob Odenkirk über seine Rolle in Breaking Bad spricht, entsteht mitunter der Eindruck, er sei nur durch ein Missverständnis Teil des (neben Game of Thrones) bislang größten Serienphänomens des neuen Jahrtausends geworden. Showrunner Vince Gilligan habe damals einfach versehentlich den falschen Typ erwischt. Oder vielleicht doch zufällig den Richtigen, korrigiert sich der Darsteller gegenüber Indie Wire. Jedenfalls trudelte eines Tages das Angebot ein, diese Rolle zu spielen und alles, was Odenkirk daraufhin nach eigenen Angaben tun konnte, war, sich die folgende Frage zu stellen:

Aber warum? Ich bin sehr dankbar für die Chance, aber womit habe ich sie verdient?

Die Rede ist natürlich von dem verschlagenen Anwalt und nebenberuflichen Paradiesvogel Saul Goodman, der der Serie einiges an Farbe verleiht, nicht allein aufgrund seines unkonventionellen Modebewusstseins. Die Wände von Sauls Büro in Breaking Bad sind mit den Worten der Verfassung der USA verziert, persönlich indes nimmt er es mit geltendem Recht wie auch den ungeschriebenen Anforderungen der Moral nicht immer so genau. Als betont heiterer Zeitgenosse bildet er einen erfrischenden Gegenpol zu den tragischen Hauptfiguren der Serien. Selbst dann noch, wenn sich die Stricke um die Hälse seiner Geschäftspartner bedrohlich zuzuziehen beginnen, steht Saul Goodman der Sinn in erster Linie nach Profit. Er ist ein echter (Über-)Lebenskünstler, um den sich der Zuschauer kaum Sorgen machen muss. Wäre er real, würde ich diesen Anwalt gerne auch in Zeiten anheuern, in denen ich gar keinen Anwalt brauche. Vince Gilligan ahnte wohl, dass es vielen Fans so ging und schenkte Goodman aka Jimmy McGill schließlich sein eigenes Spin-off. Better Call Saul war geboren. Ein Glücksfall für Odenkirk, der sich durch die Serie wie selbstverständlich auch als Charakterdarsteller profiliert - und für uns natürlich umso mehr.

Mr. Show bedeutete für Bob Odenkirk den Durchbruch

Im Nachhinein sollte sich Bob Odenkirk eigentlich nicht darüber wundern, in Breaking Bad hineingerutscht zu sein, schließlich sind seine Showman-Qualitäten schon länger bekannt und offensichtlich. Nachdem er in den späten 1980er Jahren begonnen hatte, sich als Autor für diverse Shows (darunter Saturday Night Live und The Ben Stiller Show) zu verdingen, war es die 4 Staffeln starke Sketch-Comedy Mr. Show with Bob and David, mit der ihm auf nationaler Ebene der Durchbruch gelang. Hier führte er an der Seite von David Cross durch das Programm, trat daneben aber auch als Darsteller in verschiedenen Rollen vor die Kamera. Wie bei Monty Python's Flying Circus fließen die einzelnen Segmente durch teils surreale Übergänge ineinander, der Humor schwankt undefinierbar zwischen albern und subversiv.

Fraglos taten sich für Mr. Show zwei (damals noch aufstrebende) Meister ihres Fachs zusammen. Odenkirks Kollege David Cross sollte nach Absetzung der HBO-Sendung als gleichsam ambitionierter wie untalentierter Nachwuchsschauspieler Tobias Fünke in Arrested Development Fremdscham ohne Ende generieren. Während Mr. Show hierzulande noch immer sträflich unbekannt ist, genießt das Format in den USA übrigens Kultstatus, dem wiederum Netflix 2015 mit der Neuauflage W/ Bob and David Rechnung trug.

Bob Odenkirk verdient mehr Hauptrollen

Breaking Bad und Better Call Saul haben Bob Odenkirk in Hollywood wenig überraschend zusätzliche Türen geöffnet: Der bis heute wohl namhafteste Kinofilm, in dem er zu sehen war, ist Steven Spielbergs Drama Die Verlegerin aus dem letzten Jahr. Auf eine Hauptrolle in einer großen Studioproduktion wartet Odenkirk noch, womöglich ist es bis dahin aber nur eine Frage der Zeit, es sei denn, seine Paraderolle des Saul Goodman klebt ironischerweise bereits so stark an ihm, dass er nicht mehr davon los kommt. Aktuell fühlt er sich allerdings auch in der Welt der Serien noch sehr wohl, wie neben Better Call Saul beispielsweise sein Auftritt in der von Kritikern gefeierten 1. Staffel von Fargo beweist. Weniger von Erfolg gekrönt waren demgegenüber Bob Odenkirks Versuche, sich auch als Regisseur einen Namen zu machen. Drei Spielfilme inszenierte er im Verlauf seiner Karriere, sie alle floppten an den Kassen. Ein kleiner Festivalhit gelang ihm immerhin 2003 mit Melvin Goes to Dinner, doch räumt der 55-Jährige im Gespräch mit Indie Wire ein, einfach noch keine Geschichte gefunden zu haben, für die er das erforderliche Herzblut aufbringen konnte.

Bob Odenkirk ist der perfekte Saul Goodman

Angeblich (via Entertainment Weekly) weiß Bob Odenkirk noch immer nicht so genau, wer dieser Jimmy McGill/Saul Goodman eigentlich ist. Vielleicht spricht an dieser Stelle nur wieder einmal die gewohnte Bescheidenheit aus ihm, vielleicht ist es aber auch der Respekt vor jener Figur, der er so viel zu verdanken hat (und noch mehr sie ihm). In Breaking Bad war Odenkirk zuständig für zahlreiche Momente befreiender Komik. Nach der Ankündigung von Better Call Saul aber herrschte zunächst Skepsis darüber, wie viel Tiefe überhaupt in dem schrillen Anwalt mit den bunten Hemden und frechen Werbespots schlummern kann. Abgesehen davon natürlich, dass ein Ableger zu ausgerechnet Breaking Bad in den Augen vieler Fans von Grund auf keine gute Idee war.

Vince Gilligan und sein neuer Star aber belehrten uns eines Besseren. In Better Call Saul bringt uns Bob Odenkirk einen verblüffend sensiblen Protagonisten nahe, der rechtmäßig handeln will, oft aber dann doch zweckmäßig agieren und früher oder später ihm nahestehende Personen verletzen muss. Darüber ist Jimmys Alter Ego Saul Goodman aus Breaking Bad bekanntlich schon hinaus, was der Figur rückblickend eine zusätzliche Tragik verleiht. Bob Odenkirk dagegen hätte allen Grund, seine Zurückhaltung langsam abzulegen.

Die zehnteilige 4. Staffel von Better Call Saul startet am heutigen Montag auf AMC. Immer dienstags sind die neuen Folgen auch international bei Netflix verfügbar.

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