Bryan Cranston nach Breaking Bad - Zum Glück kein Megastar

Bryan Cranston in Breaking Bad
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"I am what I am and I do what I can."

Im Sommer 2013 machte ich eine Woche Urlaub in der Filmstadt Los Angeles und recherchierte als pflichtschuldige filmaffine Touristin natürlich auch, ob zum Zeitpunkt meines Aufenthalts dort irgendwelche Sterne an Hollywoods Walk of Fame vergeben werden würden. Ich konnte mein Glück kaum fassen, als ich herausfand, dass Bryan Cranston in Kürze sein eigenes Gehweg-Denkmal erhalten sollte. Breaking Bad stand zu diesem Zeitpunkt kurz vor der Ausstrahlung der zweiten Hälfte seiner finalen, 5. Staffel, und riesige Billboards kündigten dieses Ereignis in der gesamten Stadt der Engel groß an. Mein Breaking-Bad-Fieber war auf dem Höhepunkt und ich blickte dem Ende der Serie zugleich euphorisch und ängstlich entgegen.

Meine in Film- und Serien-Dingen eher unbewanderten Urlaubsbegleiter hatten zwar keine Ahnung, wer "dieser Bryan Cranston" war, ließen sich von mir aber trotzdem anderthalb Stunden vor Beginn der Stern-Zeremonie vor das Redbury Hotel mitschleifen, um sich dort anschließend die Beine in den Bauch zu stehen und so eine einigermaßen annehmbare Sichtachse auf den Schauspieler zu ergattern. Über die Häupter kleinerer (bzw. kleiner gewachsener) Fans hinweg wurde ich auf Zehenspitzen Zeuge der Laudatio von Jane Kaczmarek und Aaron Paul, bis schließlich auch Bryan Cranston selbst zu Wort kam, um anschließend seinen aufgehenden Stern eigenhändig im Bürgersteig zu versenken. Spätestens in diesem Moment war er als Star und Berühmtheit für mich in Hollywood angekommen.

Bryan Cranston - Der Imagewandel durch Breaking Bad

Ich gebe zu: Bryan Cranston war mir als Darsteller nicht von Anfang an sympathisch. Ich war in einer Zeit groß geworden, in der ein gelangweiltes Kind am Nachmittag kaum den Fernseher einschalten konnte, ohne dabei früher oder später die eine oder andere Folge Malcolm mittendrin mitzunehmen. Und so hatte sich meiner jungen Retina im Zusammenhang mit Bryan Cranston das Bild eines verschrobenen Familienvaters eingeprägt, das als Inbegriff des albernen Darstellers noch nachhallte, als ich begann, Breaking Bad zu schauen.

Das war vielleicht auch der Grund, warum ich in Breaking Bad erst beim zweiten Anlauf richtig einstieg ... dann allerdings richtig. Im Verlauf der fünf Staffeln schaffte Bryan Cranston vor meinen Augen das Kunststück, vom Sitcom-Papa zum Furcht einflößenden Bösewicht zu reifen. Mit der in der Serie vollzogenen Wandlung vom unscheinbaren Chemielehrer zum Kingpin Heisenberg fand nicht nur bei mir, sondern auch in der Wahrnehmung des Schauspielers in der Öffentlichkeit ein Wandel statt: Bryan Cranston bewies, dass er mehr konnte und auch in ernsten oder sogar bösen Rollen ein nicht zu unterschätzender Darsteller war.

Bryan Cranston im Kino: Ein guter Durchbruch nach Breaking Bad?

Schon während Breaking Bad noch lief, erlangte Bryan Cranston deutlich mehr Aufmerksamkeit als zuvor und spielte zahlreiche Nebenrollen in mittelgroßen Kinofilmen wie Drive, Contagion, Total Recall und Argo, womit er sich erfolgreich eine Präsenz auf der großen Leinwand erarbeitete. Natürlich hatte er auch vorher schon Kinoauftritte gehabt. Dennoch war er in der Prä-Breaking-Bad-Ära vorrangig im Fernsehen zu Hause gewesen. Doch mit dem Ende seiner Paraderolle als Walter White sollte sich das ändern, und der Serienstar nahm seinen Aufstieg in den Kino-Himmel in Angriff.

Rückblickend finde ich es beachtenswert, dass mir Bryan Cranstons Auftritte in Blockbustern wie Godzilla und Power Rangers am wenigsten in Erinnerung blieben - was aber vielleicht in der Natur der Sache liegt, dass bekannte Nebendarsteller hier häufig eher eine "Zugabe" darstellen, die das Popcorn-Kino charakterlich aufpeppen soll. Echte Aufmerksamkeit verdienen in meinen Augen hingegen vor allem die Filme, die den Darsteller endlich als Protagonisten entdeckten. Der Thriller The Infiltrator gab ihm diese Chance genauso wie das stille Drama Wakefield. Trumbo brachte ihm sogar völlig zu Recht eine Oscarnominierung als Bester Hauptdarsteller ein. Interessanterweise drehte sich hier für mich jedoch der zuvor beschriebene Blockbuster-Eindruck um: Ich sah diese Filme wegen Bryan Cranston und beglückwünschte ihn für seine darstellerische Leistung - die Streifen selbst hatten in meinem Kopf allerdings eine verhältnismäßig kurze Halbwertzeit.

War Bryan Cranston also inzwischen so bekannt, dass ich für ihn statt für den Film ins Kino ging? Seine Stimme galt in Übersee offenbar mittlerweile als wiedererkennbar genug, dass sie ihm Synchronrollen als Sprecher in Kung Fu Panda 3 und zuletzt auch Isle of Dogs - Ataris Reise einbrachte. Außerdem nahm er hin und wieder "Blödel-Rollen" wie in Why Him? und Get a Job an, was langfristig wahrscheinlich gut durchdacht ist, um daran zu erinnern, dass er auch immer noch lustig sein kann. Wir sollten ihn (im Umkehrschluss zur Vergangenheit) nicht nur auf die neuen, ernsten Rollen festlegen. Doch obwohl Breaking Bad die Zahl seiner Kino-Auftritte angekurbelt hat, stellt sich die Frage: Können wir seine Rollen und Filme seit 2013 wirklich als ein Karrierehoch bezeichnen? Die Antwort darauf lautet: nur bedingt.

Bryan Cranston - Der unbekannte Star des kleinen Mannes

Am ehesten lässt sich Bryan Cranstons Karriere-Verlauf vielleicht mit dem von Jennifer Garner vergleichen, die nach Alias - Die Agentin in aller Munde war - allerdings ohne danach noch einmal einen Film-Hit zu landen, der sie auf der ganzen Welt in aller Munde brachte. Trotzdem hat sie sich im Laufe der letzten Jahre ihre ganz eigene Nische erarbeitet, bleibt durch eine stetige Nebenrollen-Präsenz bekannt und schafft es hin und wieder, in kleinem Rahmen zu strahlen.

Bryan Cranstons Aufmerksamkeitsschub durch Breaking Bad ermöglichte es ihm, sich im Kinosektor auszuprobieren, doch vielleicht wird er, der gern als Normalo besetzt wird, dennoch immer ein Geheimtipp für "Kenner" bleiben. Ehrlich gesagt, ist es mir aber ohnehin lieber, Bryan Cranston in kleineren und mittelgroßen Projekten bei seinem nuancierten und wunderbar wandelbaren Schauspiel zuzusehen, als ihn auf eine austauschbare Nebenfigur des nächsten Blockbusters reduziert zu sehen. Für ihn selbst stehen eigener Aussage nach die erzählten Geschichten im Vordergrund, weshalb auch eine Rückkehr ins Serienfach nicht auszuschließen ist, wie er zuletzt eindrucksvoll in der Episode Menschlich ist in Philip K. Dick's Electric Dreams bewies.

Ich bezweifle, dass aus Bryan Cranston jemals ein Megastar wie Emergency Room-Aufsteiger George Clooney werden wird. Doch das ist in Ordnung. Nicht jeder muss es zum A-List-Darsteller bringen. Ich bin mir sicher, meine meisten (weniger Film-affinen) Bekannten wissen immer noch nicht, wer "dieser Bryan Cranston" eigentlich ist. Doch vielleicht ist es gut, dass wir uns für manche Darsteller auf die Zehenspitzen stellen und über die Köpfe anderer hinwegsehen müssen, um sie richtig wahrzunehmen. Damit präsentiert sich Bryan Cranston in der von ihm und uns erarbeiteten Sichtachse nahbarer als andere - gewissermaßen als Star des kleinen Mannes, der mit seinen Rollen des Durchschnittsmenschen den Connaisseur begeistert und auf dem Boden (und im Bürgersteig) der Tatsachen bleibt.

Wie habt ihr Bryan Cranstons Karriere nach dem Ende von Breaking Bad wahrgenommen?

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