Aufreger der Woche

Colin Farrell darf keine drei Busen sehen

Busen für alle!
© TriStar Pictures/Sony Pictures/moviepilot
Busen für alle!

Früher war alles besser. Das Wetter, die Moral, die Filme. Aber stimmt das überhaupt? Ganz sicher nicht. Manchmal entsteht jedoch der Eindruck, dass früher (wann immer das auch war) einige Dinge besser liefen. Die Erinnerung trügt häufig, aber von Zeit zu Zeit gibt es Beispiele, durch die der ein oder andere Vergangenheitsschwelger sich doch bestätigt fühlt.

Der Aufreger der Woche handelt von drei Brüsten, die nicht entblößt werden.

No nudity
Es dauert nicht mehr lange, dann können Filmfans die Neufassung von Die totale Erinnerung – Total Recall im Kino bewundern. Eine grundsätzliche Diskussion, ob es die denn braucht ist kaum angebracht, denn wie so oft liegt hier kein Remake sondern eine moderne Adaption vor. Geschichten, auch die von Philip K. Dick, werden gerne einmal häufiger verfilmt. Wäre das nicht der Fall, wäre uns ein Klassiker wie Ben Hur von William Wyler durch die Lappen gegangen. Wie Total Recall in der Fassung des Jahres 2012 daherkommt, regt durchaus zu Diskussionen an. Nein, dass Colin Farrell die Hauptrolle spielt ist nicht Gegenstand der Kritik, auch wenn es sicherlich zahlreiche Menschen gibt, die mit dieser Besetzung alles andere als glücklich sind. Vielmehr gibt die radikale Entschärfung Anlass zum Ausflippen. Während die Adaption mit Arnold Schwarzenegger hohe Alterfreigaben bekam und in Deutschland sogar indiziert wurde, ist die neue Version offenbar jugendgerecht zusammengeschnitten worden. Neuester Clou: Die berühmte Frau mit den drei Brüsten kommt in Total Recall 2012 verhüllt daher!

Drei zensierte Brüste
„Witz komm raus, du bist umzingelt“ denken sich jetzt wohl einige. Was bringt es, eine dreibrüstiges leichtes Mädchen zu zeigen, wenn es überhaupt nichts zu sehen gibt? Da haben sich die Macher etwas ganz Schlaues ausgedacht. Auf der Comic Con konnte das Outfit bewundert werden, das die niedrige Altersfreigabe auch weiterhin garantiert: Ein Stofffetzen verhüllt die Brustwarzen und lässt nur einen zarten Blick auf die Triple-Pracht zu. Es ist zum Heulen, und zwar nicht für die Voyeure unter uns, sondern für alle, da a) eine Kultszene aus dem Science-Fiction-Klassiker von Paul Verhoeven ganz offensichtlich aus Berechnung in den Film genommen wurde, aber leider nur in einer zensierten Form, und b) ebendiese Zensur ein schlechter Scherz ist. Während das Original – ich nenne die erste Adaption jetzt einfach mal so – keine Kompromisse einging und auch deswegen bis heute viele Fans hat, ist die neue Fassung darauf aus, eine möglichst große Zuschauerschar zu generieren. Dass das nur klappt, wenn keine Busen zu sehen sind, ist dabei der eigentlich Skandal. Drei nackte Brüste würden die Jugend ja potenziell mehr verderben als es zwei schon tun.

Kompromisslösung
Eine kleine Hoffnung, dass die MPAA doch noch einen freien Blick auf das Bergmassiv zulässt gibt es jedoch noch. Sollte die Entblößung für die Story notwendig sein, könnte sie unzensiert durchgehen. Aber bleiben wir realistisch: Wie sollten drei Busen die Geschichte vorantreiben? Immerhin besteht die Chance, dass Len Wiseman die unverhüllte Dame auf die DVD/Blu-ray packt. Das ändert selbstredend nichts daran, dass das Buckeln der Filmindustrie vor der erzkonservativen US-Filmzensur tierisch nervt. Wo sind denn die Verhoevens, die sich nicht darum scheren und kompromisslose Filme für Erwachsene drehen? Wo ist denn der Mut hin, einfach mal eine Prostituierte mit drei Brüsten einzubauen, weil es cool und kurios ist?

Es ist schade, dass verhunzte Kultszenen für Werbezwecke gebraucht werden. Etwas anderes sind die drei bedeckten Brüste ganz offensichtlich nicht. Noch trauriger ist, dass wirtschaftliche Interessen immer mehr das furchtlose, beherzte Filmemachen verdrängt. Damit geht ein Wandel hin zu einer konservativeren, berechnenderen Art Kino einher. Die drei Brüste waren zu Beginn der 1990er Jahre ein Knallereffekt, heute dienen sie nur noch dazu, Fans von Die totale Erinnerung – Total Recall das Geld für eine Eintrittskarte zu entlocken. Und höchstwahrscheinlich bekommen sie dann noch nicht einmal das, was sie sich versprochen haben.

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