Das neue Charmed: Gebt dem Hexen-Reboot eine Chance

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Die Welle an Reboots, Remakes und Revivals hat langsam ihren Gipfel erreicht. Es ist der Punkt erreicht, an dem jede Ankündigung eines Neuaufgusses mit einem furiosen Fanaufschrei begleitet wird. Beim US-Sender The CW startete nun mit Charmed eine Neuauflage der Geschichte um die Macht der Drei, dem Hexentrio, das Millionen von Zuschauern zwischen 1998 und 2006 vor die Bildschirme lockte. Nachdem der erste Trailer eine gewaltige und den Nexus zersprengende Kritik der Charmed-Fans nach sich zog, äußerte sich eine Darstellerin des Originals ausgesprochen negativ zu dem Reboot. Auch ich bin ein großer Fan der Hexenschwestern und habe mir selbstverständlich die Pilotfolge des neuen Charmed angesehen.

Charmed leidet unter den typischen Schwächen eines Network-Piloten

Über die größten Unterschiede des Charmed-Reboots und des Originals haben wir euch bereits aufgeklärt. Tatsächlich präsentiert uns die Neuauflage in der 1. Episode ein vertrautes Remake des Original-Piloten in den wichtigsten Handlungspunkten, stellt diese aber komplett auf den Kopf. Auch hier stellt sich der Freund (ein schlechter Jughead-Verschnitt) einer der Mächtigen Drei als Dämon heraus, und auch der Ex-Partner (in diesem Fall Ex-Partnerin) einer Schwester ist Polizeiermittler. Gerade in den ersten 20 Minuten rast die Folge von einem Punkt zum nächsten.

Den Tod der Mutter, eine Familienzusammenführung und die Entdeckung der drei Kräfte werden in Windeseile abgearbeitet und kulminieren in einem satirischem Monolog des Wächter des Lichts über die gesamte Mythologie hinter dem Buch der Schatten und der Macht der Drei. So leidet das Charmed-Reboot zu Beginn unter dem Tempo eines gehetzten Network-Piloten, der zu viel auf einmal erzählen will und dabei den Zuschauer komplett vergisst. Uns bleibt dabei keine Pause gegönnt, die neuen Schwestern Mel (Melonie Diaz), Maggie (Sarah Jeffery) und ihre Halbschwester Macy (Madeleine Mantock) wirklich wertzuschätzen, da diese in nur 40 Minuten wie auf Speed von Szene zu Szene hasten müssen.

Das Charmed-Reboot nimmt sich nicht zu ernst

Was ich dem Charmed-Piloten zugute halten muss, ist, dass er die Balance zwischen Dramatik und Komik ausgesprochen gut meistert. Besonders die Szenen mit dem Wächter des Lichts Harry (der mehr an eine Karikatur von Buffys Giles erinnert) haben mich köstlich amüsiert. Gleichzeitig wird durch den ironischen Ton die Magie jedoch selbst entmystifiziert, wenn die Mythologie der Serie lediglich als Punchline für ein paar Witze herhält - nicht besonders förderlich bei einer Fantasyserie über Magie. So ist beispielsweise der erste Vorbote der bevorstehenden Apokalypse der derzeitige US-Präsident. Das mag auf den ersten Blick witzig erscheinen, nimmt aber durch die Nennung des Todes der Mutter im gleichen Atemzug jeglichen Ernst aus der Dramatik.

20 Jahre nach dem Start der Originalserie hat sich ein Kritikpunkt an Charmed nicht geändert: die schlechten Effekte. Wenn die drei Schwestern am Ende auf einen gefährlichen Dämon treffen, der mehr aussieht wie eine Low-Budget-Version eines White Walkers, wirkt der große Finalkampf mehr unfreiwillig komisch als wie die erste große Herausforderung für das neue Hexen-Trio. Als Fan des Originals vermisse ich zudem die poetischen Zaubersprüche, die in der neuen Version durch nuscheliges Lateingebrabbel ersetzt wurden.

"This is not a witch hunt": Gebt den neuen Hexen aus Charmed eine Chance

Vieles ist gleich und vieles ist anders im neuen Charmed. Die Macherinnen des Reboots haben es sich auf die Fahne geschrieben, eine feministische Hexenserie zu kreieren. Das sorgte schon bei der Ankündigung für Aufschreie, jedoch ist dies im Kern der gleiche Gedanke des Originals. Auch hier ging es um drei Frauen, die Familie und Job jonglieren, während sie jede Woche mit ihren magischen Fähigkeiten das dämonische Patriarchat stürzen wollen. In der Pilotfolge meint es Charmed jedoch etwas zu gut und prügelt den Feminismus mit dem Holzhammer auf uns ein, wenn beispielsweise der böse Dämon zeitgleich ein der sexuellen Belästigung beschuldigter Professor ist.

Auch wenn die Pilotfolge sehr holprig daherkommt, ist das Fundament für die kommende Folge doch recht vielversprechend. Besonders der Twist am Ende der Folge könnte die Story in eine unerwartete neue Richtung führen. Zudem ergeben sich durch die Integration von LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender)-Themen und Latinas in den Hauptrollen spannende neue Ansätze für die Geschichte, die das Original durch seine fehlende Diversität nicht erzählen konnte. Das neue Charmed nimmt den Grundgedanken der Originalserie und modernisiert die Themen für eine neue Generation von jungen Zuschauern des Zeitalters von #TimesUp. Auch wenn viele Fans das Reboot von Haus aus nicht mögen wollen und der Pilot ihre Befürchtungen zum Teil sogar bestätigt, werde ich mir doch die nächsten Folgen ansehen.

Charmed muss in den folgenden Episoden das Tempo enorm drosseln und uns von der Schwesterndynamik und Thematik überzeugen, was der Pilot noch nicht schaffen konnte. Da die Macherinnen der Telenovela-Satire Jane the Virgin hinter dem Charmed-Reboot stecken, habe ich große Hoffnung, dass mir die Veras aus Hilltown bald genauso ans Herz wachsen könnten wie einst die Halliwells aus San Fracisco. Denn schon bei Jane the Virgin haben die Autoren bewiesen, dass sie witzige Unterhaltung mit herzzerreißender Dramatik und liebevollen Charakteren balancieren können.

Die 1. Staffel von Charmed startete am 14.10.2018 bei The CW. Über eine Ausstrahlung in Deutschland gibt es bislang noch keine Infos. Als Grundlage für diesen Seriencheck diente die 1. Folge.

Was haltet ihr von dem Charmed-Reboot für eine neue Generation von Hexenfans?
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