Psychothriller feiert Jubiläum

Das Schweigen der Lämmer wird 20 Jahre alt

11.04.2011 - 15:50 Uhr
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Psychokiller Dr. Hannibal Lecter
20th Century Fox
Psychokiller Dr. Hannibal Lecter
Ein Psychothriller erster Klasse feiert sein 20 jähriges Kinojubiläum. Zur Feier des Tages haben wir mal zusammengetragen, warum das Schweigen der Lämmer nach wie vor der beste Film seiner Art ist.

Heute vor 20 Jahren konnten wir Dr. Hannibal Lecter zum ersten Mal auf den deutschen Kinoleinwänden schlemmen sehen. Eine wunderbare Gelegenheit also, um dieses Meisterwerk mal wieder etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich genoss Das Schweigen der Lämmer mit ein paar Favabohnen, dazu einen ausgezeichneten Chianti…

Die knallharte FBI-Agentin: Clarice Starling

Jonathan Demme hat sich damals wirklich einen schmackhaften Cast zusammengesucht. Zuerst die gute Jodie Foster. Als FBI Agentin Clarice Starling brilliert sie auf ganzer Linie. Sie ist sarkastisch und unglaublich intelligent. Mit ihrem dynamischen Durchsetzungsvermögen stellt sie ihre männlichen Kollegen selbstbewusst in den Schatten. Zwar ist ihre Kombinationsgabe, vor allem zu Beginn des Films, als sie aufgrund von Herrn Dr. Lecters schwülstigem Gefasel auf das Lagerhaus „Self Storage“ kommt, etwas übertrieben genial, aber sie überzeugt uns trotzdem durch brilliante Cleverness. Harte Schale, weicher Kern: Hannibal Lecter jagt ihr hinter seiner Panzerglasscheibe ungeheure Angst ein und kratzt gehörig an ihrem so kalten Erscheinungsbild. Doch ist es weniger sein Monster-Dasein als seine scharfsinnige Auffassungsgabe, mit der er ihre schmerzhaften Erinnerungen zum Vorschein bringt. Für Herrn Lecter ist sie ein Bauerntrampel und irgendwie fragen wir uns die ganze Zeit: Ist sie nun das schüchterne Lamm oder die todesmutige Agentin?

Der (Alb-)traum unserer schlaflosen Nächte: Dr. Hannibal Lecter

Weiter mit Herrn Dr. Hannibal Lecter, einer der größten Psychokiller der letzten 20 Jahre. Eigentlich hat der Mann doch alles, was wir Frauen uns wünschen. Er ist gebildet, ein Meister der Rhethorik, kultiviert und mit ein wenig Fantasie ist er sogar ein bisschen witzig. Naja, über die Sträflingskleidung müssen wir natürlich hinweg sehen. Was mich dann doch irgendwie an ihm zweifeln lässt, sind seine Essgewohnheiten, denn meine Leber würde ich gerne noch ein paar Jahre behalten. Was wäre der Film nur ohne Sir Anthony Hopkins geworden. Während damals unter anderem Dustin Hoffman, Robert De Niro und Jack Nicholson im Gespräch für diese Rolle waren, holt Anthony Hopkins wirklich alles aus seiner Rolle heraus. Sein stechender Blick, seine ruhige und gleichzeitig bedrohliche Stimme und natürlich seine hervorragende Fähigkeit, seine Mitmenschen allein durch Worte einzuschüchtern und zu verschrecken. Nicht zuletzt beginnen wir bis zu seinem hinterlistigen Ausbruch und dem Genuss der Polizisten zum Abendessen, beinahe Sympathie für ihn aufzubauen. So spielt er sowohl das Monster als auch den einfühlsamen Psychopathen. Hannibal ist nach wie vor Bösewicht Nr. 1, eine meisterhafte, über Jahrzehnte andauernde, Schauspielerleistung.

Nur eine Nebenrolle? Der Serienkiller.

Natürlich braucht ein guter Film über einen Serienkiller auch einen Serienkiller. Ted Levine spielt die Rolle des Buffalo Bill mit allem, was dazu gehört und was ein guter Mörder heutzutage braucht. Der Hang zum Absurden, als der Zuschauer ihn zum ersten Mal in seinem Kellerverließ besucht: Wir sehen ihn nackt, seelenruhig, an einer Schreibmaschine, während im Hintergrund beruhigende Fahrstuhlmusik zu hören ist und gleichzeitig Mädchenschreie von irgendwo her ertönen. Von ganzem Herzen wünscht er sich, ein bisschen transsexuell zu sein und trotz des Paris-Hilton-Handtaschenhundes funktioniert es einfach nicht. Selbst seine nackte Performance zu „Goodbye Horses“ wirkt wunderbar fremdschämenswert. Der arme Buffalo Bill. Er ist wirklich zu bemitleiden. Ted Levine spielt eine überzeugende Rolle. Obwohl ich zugeben muss, noch nicht so viele Serienkiller kennengelernt zu haben.

Technische Meisterleistungen runden das Gesamtwerk ab

Soviel zu den Charakteren, doch schon Wim Wenders sagte am Freitag bei der Deutschen Filmpreisverleihung, wie unmöglich ein Film doch ohne Bilder wäre. Recht hat er und Tak Fujimoto sorgt bei Das Schweigen der Lämmer tatsächlich für eine großartige Kameraführung sowie Craig McKay für einen spannungserzeugenden Schnitt. Nahaufnahmen, in denen die Charaktere dem Zuschauer so eindringlich in die Augen schauen, dass wir uns am liebsten wegdrehen wollen, toll eingebaute subjektive Kamerafahrten, Bills Nachtsichtgerät und natürlich die unvergessliche und mehrfach kopierte Parallelmontage bevor Clarice beinahe in Buffalo Bills Klauen landet. Howard Shore sorgt zudem mit einem beklemmenden instrumental Soundtrack für eindringliche Gruselstimmung. Es ist die Gesamtatmosphäre, die den Film ausmacht.

Kritiker und Kinobesucher waren sich einig

Der große Erfolg für Das Schweigen der Lämmer kam sogleich zur Oscarverleihung 1992. In den fünf wichtigsten Kategorien räumte der Film die begehrte Trophäe ab: Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Anthony Hopkins), Beste Hauptdarstellerin (Jodie Foster), Beste Regie (Jonathan Demme), Bestes Drehbuch nach einer Vorlage (Ted Tally). Zudem war der Film in den Kategorien Bester Schnitt und Bester Ton nominiert.

Das Schweigen der Lämmer war auch an den Kinokassen ein voller Erfolg und so war es (leider) keine große Überraschung, dass 2001 die Fortsetzung Hannibal zu sehen war. Das Prequel Roter Drache war bereits die Neuverfilmung von Michael Mann Blutmond – Roter Drache von 1986. Das Ende der sehr holprigen Anknüpfungsversuche fand sich 2007 mit Hannibal Rising – Wie alles begann. Leider konnte die Grandiosität von Das Schweigen der Lämmer nicht ansatzweise erreicht werden, wenn auch Roter Drache (Drehbuch ebenfalls von Ted Tally) ein relativ sehenswerter Film geworden ist.

Habt ihr Appetit bekommen auf ein paar Innereien? Überragender Psychothriller oder große Enttäuschung?

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