Die König der Löwen-Fälschung: Wie Vorfreude Fake News befeuert

Mufasa, der König der Löwen / Aslan, der König von Narnia
© Disney
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Vor kurzem brachten einige US-amerikanische Medien (darunter auch Movieweb) die Meldung, dass nach langer Wartezeit nun endlich erste Bilder zum Disneys Remake von Der König der Löwen aufgetaucht seien, der als Film am 18.07.2019 in Deutschland startet. Die Fotos sollten Simbas Vater Mufasa zeigen, stellten sich jedoch nach kurzer Zeit als Fälschung heraus. Disney deklarierte den aussschlaggebenden Tweet als Fake News "irgendeines Typs mit falschem Löwen". Doch warum fielen trotzdem mehrere Fans auf den irreführenden Post herein? Ich glaube, dass die Vorfreude dabei eine entscheidende Rolle spielte.

Disneys König der Löwen: Wenn Vorfreude die Recherche über Bord wirft

Jon Favreaus König der Löwen-Remake wurde bereits 2016 angekündigt. Bis zum Kinostart 2019 kann einem Fan die Wartezeit da durchaus lang werden, vor allem wenn wir bedenken, dass Disneys Realfilm-Remakes ihren Erfolg nicht zuletzt daraus ziehen, dass bereits die Zeichentrickklassiker abgöttisch verehrt werden und diese Begeisterung samt Zuschauerzahlen auch auf die Neuverfilmungen übertragen werden sollen. Bisher konnte die Neugier der royalen Löwen-Verehrer allerdings gerade einmal mit der Verkündigung des Sprach-Casts mehr recht als schlecht befriedigt werden. Da half es uns auch nicht, zu wissen, dass Indiewire zufolge im April 2018 auf der Cinemacon bereits die Eröffnungssequenz des Films ("Der ewige Kreis") als konzeptioneller Beweis gezeigt wurde - denn wir Normalsterblichen bekamen davon schlicht nichts zu sehen.

Für jemanden wie mich, der mit König der Löwen als dem Kindheitsfilm schlechthin aufgewachsen ist, sind die aufgeregten Erwartungen also mittlerweile Burj-Khalifa-hoch. Ich weiß, dass Material bereits existiert und doch habe ich fast ein Jahr vor Kinostart noch keine Ahnung, wie die animierten Helden nun "in real" aussehen werden. Und nach zwei Jahren Wartezeit kann ein Jahr durchaus wie eine Zeitspanne wirken, bei der Disney doch langsam mal einen Vorgeschmack rüberwachsen lassen könnte ... auch wenn andere Filme erste Bilder mitunter erst ein halbes Jahr vor Kinostart veröffentlichen. Diese nervöse Vorfreude können sich Trittbrettfahrer zu Nutze machen, indem sie Falschmeldungen produzieren. Und wenn solche Fans dann auch noch in Film-Redaktionen sitzen, scheint es (fast) verzeihlich, dass die notwendige Recherche in den Wind geschossen wird, die verlangt, noch einmal nachzuprüfen, ob sich da nicht doch jemand einen Scherz erlaubt hat.

Erster Blick auf Mufasa aus dem König der Löwen-Remake. Der Film soll angeblich CGI nutzen, um die Charaktere zu animieren.

Bei der hier zu sehenden König der Löwen-Fälschung kommt außerdem noch hinzu, dass sie mit der Unsicherheit der wartenden Fans spielt, die sich (nicht zu Unrecht) fragen, ob Disneys Live-Action-Remake überhaupt als "Realspielfilm" bezeichnet werden darf, wenn er ausschließlich computergenerierte Figuren vorzuzeigen hat. Indem die animatronische Puppe ins Spiel gebracht wurde, konnte die eigentlich schon bestätigte Animation der Charaktere erneut in Frage gestellt werden.

Falschmeldungen sorgen für Klickzahlen und eine Popularitätssteigerung

Der König der Löwen ist nicht das erste Beispiel, bei dem heiß erwartete Filme und Franchise-Einträge mit unauthentischen Material gefüttert werden. Bei Youtube existieren zahllose Fanmade Trailer, die sich mal mehr, aber häufig eben auch mal weniger deutlich als Eigenerzeugnis ausgeben, um Zuschauer einzufangen, die sich auf einen kommenden oder auch nur herbeigewünschten Film freuen. Gefälschte Poster beschworen zuletzt auch schon eine Harry Potter-Neuauflage bei Netflix und eine aprilscherzende Cursed Child-Verfilmung herauf (via Snopes). Von der Aufmerksamkeit für James Bond 007 - Spectre konnte die Sängerin Benedict profitieren, die kurzerhand mit einem Fake-Trailer ihren falschen James Bond-Titelsong bewarb und dadurch viele Hörer dazugewann (via Golden Eye Dossier). Für den ersten Marvel-Superheldinnen-Film montierten wiederum erwartungsvolle Fans Brie Larsons Kopf kurzerhand in ein passendes Captain Marvel-Kostüm, weil das erste Bild des Films so lange auf sich warten ließ (via Pride).

Obwohl, wie auch im Falle von Disney bei Der König der Löwen, derlei falschen Erzeugnisse von den filmschaffenden Studios meist schnell dementiert werden, liegen die Vorteile für die Schöpfer derselben natürlich auf der Hand: Erfolg und Aufmerksamkeit in Form von vielen Klickzahlen und der Steigerung der eigenen Bekanntheit, was im heutigen Internetzeitalter ja längst eine Währung für sich ist. Für die wahren Produktionsfirmen können sich die Fälschungen dann als nachteilig erweisen, wenn sie potenzielle Kinogänger schon früh mit falschen Bildern abschrecken, doch im günstigsten Fall befeuern sie die Vorfreude einfach nur weiter. Aus Sicht des Authentizität liebenden Medienkonsumenten hilft da nur: Lieber zwei Mal hinsehen und gründlich nachrecherchieren, auch wenn das Fan-Herz höher schlägt.

Fallen euch neben König der Löwen weitere Beispiele ein, bei denen Vorfreude-Fälschungen versuchten, euch hinters Licht zu führen?

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