Disenchantment - Wer die Simpsons auf Netflix erwartet, wird enttäuscht

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Matt Groening, der Schöpfer der Simpsons und Futurama bringt euch mit Disenchantment jetzt auf Netflix seine nächste Cartoonserie. Während die Gelblinge aus Springfield das Amerika der Gegenwart parodieren und Futurama das Sci-Fi-Genre aufs Korn nahm, nimmt sich Disenchantment nun der mittelalterlichen Fantasy- und Märchenwelt an. Doch im direkten Vergleich mit seinen zwei gigantischen Vorgängern fehlt Disenchantment in den ersten Folgen noch das Potenzial, wie Homer und Bender zuvor eine ähnliche Wirkung auf die Popkultur zu haben. Doch besonders Futurama-Fans werden bei Disenchantment allen Grund zur Freude haben.

Darum geht es in Disenchantment

Im Zentrum von Disenchantment stehen die rebellische Prinzessin Bean und ihre zwei Mitstreiter Elfo und Luci. Nachdem die trink- und spielsüchtige Königstochter zwangsverheiratet werden soll, trifft sie bei ihrer Flucht auf den dämonischen Genussraucher Luci und den ungesund-fröhlichen Elf Elfo, der genug von dem ständigen Gesinge seiner Familie hatte. Gemeinsam bestehen die drei Außenseiter in Disenchantment allerlei Quests und Abenteuer im Königreich Dreamland.

Dabei steht besonders Beans Verhältnis zu ihrem tyrannischen Vater, König Zøg, im Vordergrund, dessen Gunst eher seinem trotteligen Sohn Prinz Derek und Stiefmutter Oona - ein reptilienartiges Wasserwesen mit undefinierbarem Akzent - gilt. Im Gegensatz zu den Simpsons und Futurama gibt es unter den Folgen auch eine aufbauende Handlung, die die einzelnen Folgen (zwar nicht immer, aber häufig) verbindet. So schmeißt Bean beispielsweise in einer Folge eine eskalierende Party am Königshof, um dann zur Strafe in der nächsten Episode ins Kloster geschickt zu werden.

Disenchantment wird Fans von Futurama freuen

Alle Futurama-Fans, die die Serie im Originalton sehen, werden sich bei Disenchantment schnell zu Hause fühlen und eine riesige Überraschung erleben. Denn unter den zahlreichen Stimmen finden sich schnell einige vertraute wieder. Neben den neuen Sprechern der Hauptfiguren werden die zahlreichen Nebencharaktere von vielen bekannten Stimmen aus Futurama vertont. So leiht Bender-Sprecher John DiMaggio dem ruppigen, aber auch irgendwie liebenswerten König Zøg seine Stimme. Und auch die Stimmen von Fry, Professor Farnsworth und Dr. Zoidberg lassen sich unter den neuen Figuren finden, die allesamt Billy West mit seiner mannigfaltigen Stimme synchronisiert.

Ebenso lässt auch Sprecherin Tress MacNeille ein wohliges Groening-Gefühl aufkommen, die in der Vergangenheit Figuren wie Agnes Skinner, Mom und vielen weiteren Bewohnern von Springfield und New New York ihre Stimme lieh. Auch von den Animationen her erinnert Disenchantment an die Cartoonwelten von Matt Groening. Besonders die CGI-Totalen auf das Schloss von Dreamland lässt Erinnerungen an die CGI-Animation des Planet Express hervorkommen. Das hat jedoch auch einen einfachen Grund, denn die Animationen in Disenchantment stammen von Rough Draft Studios, die für den Look von Futurama (und auch Drawn Together) verantwortlich waren.

Der Humor von Disenchantment erinnert an die Simpsons

Der wichtigste Grund bei einer Cartoonserie einzuschalten, ist natürlich der Humor. Und der geht in Disenchantment sogar noch ein paar Schritte weiter als bei den Simpsons. Schon in Futurama wagte sich Matt Groening anfangs an einen etwas derberen Humor (Stichwort: Suizidzellen), doch Disenchantment richtet sich noch mehr an das erwachsene Publikum. So erwarten euch neben den pausenlos rauchenden und trinkenden Hauptfiguren unter anderem auch politisch korrekte Räuber, rassistische Antilopen und sich prostituierende Feen. Da es im Mittelalter bekanntlich nicht ganz zimperlich zuging, spielen auch öfters Blut und Gedärme bei einigen lustigen Szenen eine Rolle. Natürlich besteht Disenchantment nicht nur aus Witzen, sondern setzt auf eine dramatische und manchmal düstere Geschichte, die durch die Tollpatschigkeit der Figuren und durch Situationskomik aufgelockert wird.

Ein typisches humoristisches Stilmittel von Matt Groening findet sich ebenfalls in Disenchantment wieder. Die Rede ist natürlich von den vielen lustigen Wortspielen auf Reklametafeln und bei den Namen von Geschäften im Hintergrund, die schon bei den Simpsons für zahlreiche Schmunzler sorgen und die Szenerie sowie die Welt der Serie beleben. Am witzigsten ist Disenchantment jedoch, wenn die menschlichen Charaktere auf skurrile Märchen- und Fantasiewesen treffen. Leider schöpft die Serie in den ersten Folgen ihr Potenzial als Parodie des Genres nicht genügend aus und verbringt oft zu viel Zeit mit den menschlichen Bewohnern von Dreamland, die nicht nur äußerlich blass und farblos wirken. Wer also auf eine Game of Thrones-Parodie hofft, wird nicht mehr als einen kleinen Gag über den Eisernen Thron in der Pilotfolge finden. Erst in Folge 5, in der die Figuren Hänsel und Gretel auf zynische Weise neu interpretiert werden, findet die Serie ihren Groove als Fantasy-Satire - die Geschichten von Tolkien und Martin sowie bekannte Märchen bieten auf jeden Fall genug Stoff.

Disenchantment fehlt das gewisse Etwas

Damit wären wir auch schon bei den Negativpunkten angelangt. Als Cartoon für Erwachsene geht Disenchantment leider nicht weit genug und ist im Vergleich zu Serien wie Archer, South Park oder Rick and Morty nicht raffiniert und spitzzüngig genug. Auch fehlt es der Welt von Dreamland in den ersten Folgen noch an unverkennbaren Kultfiguren, wie sie die Welten von Futurama oder Die Simpsons bevölkern. Immer wieder fühlt man sich an bereits bestehende Charaktere aus Die Simpsons oder Futurama erinnert, was den neuen Figuren ihre Eigenständigkeit raubt. Auch die Hauptfigur Bean bietet mit ihrer generischen “Prinzessin lehnt sich gegen Vater auf”-Story nur wenig Neues und bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die vielen menschlichen Charaktere bleiben bisher recht blass und unausgereift. Bei den Fantasiekreaturen trifft Disenchantment jedoch voll ins Schwarze. So sind die japanisch angehauchten Sumpfmenschen von Dankmire oder die zahlreichen skurrilen Wesen das Highlight der Serie, werden aber leider zu Beginn viel zu selten eingesetzt.

Es sei jedoch angemerkt, dass auch New New York nicht an einem Tag erbaut wurde. Auch Die Simpsons und Futurama brauchten einige Zeit, ihre eigene Stärke und Identität zu finden. Disenchantment gelingt dies in den ersten sieben Folgen noch nicht, die teilweise wie eine Findungsphase wirken, in der unterschiedliche Ansätze ausprobiert werden. Erst wenn Disenchantment und seine Figuren sich selbst gefunden haben und die Serie die ständigen Vergleiche zu den großen Schwesterserien abschütteln kann, könnte uns eine weitere einzigartige Cartoonserie erwarten. Glücklicherweise ist bereits eine 2. Staffel bestellt, in der die Macher Disenchanment noch auf den richtigen Kurs bringen können.

Die 1. Staffel von Disenchantment umfasst insgesamt 10 Episoden, die seit dem 17.08.2018 bei Netflix zum Streamen bereitstehen. Als Grundlage für diesen Serien-Check dienten die ersten 7 Folgen. Hier erfahrt ihr, wann es neue Folgen zu Disenchantment bei Netflix gibt und wann die 2. Staffel kommt.

Was erwartet ihr von der Netflix-Serie Disenchantment?

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