Disney betreibt Marken-Inzest - Ralph reichts und mir auch

Ralph reichts 2 aka Webcrasher: Chaos im Netz
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"I am what I am and I do what I can."

Kürzlich hat Ralph reichts 2 aka Webcrasher: Chaos im Netz, wie das Sequel hierzulande unerklärlicherweise heißt, weil es Ralph offenbar doch noch nicht reicht und nun ein Sequel her muss, seinen ersten richtigen Trailer herausgebracht. Darin verlassen Ralph und seine kleine Freundin Vanellope ihre Videospielwelt, um sich in ein Abenteuer in den Weiten des Internets zu stürzen - und das bedeutet: Wir befinden uns im Jahr 2018 und dem Film steht plötzlich die ganze Welt der Popkultur offen. Die ganze Welt? Nein! Ein kleiner Teil leistet Widerstand. Der fällt nur nicht auf, weil er noch nicht von Disney aufgekauft wurde. Oder um es anders zu sagen: Nachdem sich der Disney-Konzern große Franchises wie die Marvel-Helden und Star Wars angeeignet hat, darf Ralph im Internet Bekanntschaft mit allem schließen, was Disney an IPs (Intellectual properties) zur Verfügung steht. Und mich persönlich stößt das eher ab, als dass es meine Lust auf den Film befeuern würde.

Die Überdosis Disney wird zum erzwungenen Franchise-Inzest

Versteht mich nicht falsch: Ich bin durchaus ein Fan vieler Disney-Filme, insbesondere der Zeichentrickklassiker, und kann auch keinen Star Wars- oder Marvel-Kinobesuch ausschlagen, die seit einiger Zeit ebenfalls der Marke Disney angehören. Doch ist es wirklich notwendig, Charaktere aus all diesen Filmen in einen (Kinder-)Film zu pressen? Wenn jeder jetzt mit jedem darf ... also wenn jede Disney-Figur nun die Möglichkeit zur Interaktion mit einem anderen Fan-Liebling der Mäusemarke hat, dann fühlt sich das für mich nicht wie die Erfüllung eines lange und heimlich gehegten Wunschtraumes an, sondern eher wie pure Berechnung. Denn hat es wirklich einen Mehrwert, wenn Iron Man an dem Ballon aus Pixars Oben vorbeifliegt, während Dumbo über der Menge schwebt und Vanellope sich mit Winnie Pus Freund I-Aah unterhält?

Sicher, auch andere Internet-Riesen wie Amazon, Twitter, Snapchat, Facebook, Youtube und Google werden gezeigt, aber trotzdem führt die Suche nach einem "super-intensiven und wirklich verrückten" Ort (so suggeriert es zumindest der Trailer) die Helden der Geschichte ins buchstäbliche Disneyland. Ernsthaft?

Die Gefahr der Beliebigkeit: Kann jetzt jede(r) eine Disney-Prinzessin sein?

Wählen wir nur die Szene der Disney-Prinzessinnen als Beispiel: Hier nimmt Ralph reichts 2 (durchaus positiv) sich selbst und seine aus heutiger Sicht teilweise antiquierten Frauenbilder auf die Schippe, doch müssen dafür wirklich die Königstöchter aller Disney-Filme in einen Raum gesperrt werden? Es ist schon richtig, dass die nostalgische Auswertung der animierten Kindheitsheldinnen im Internet als Dauerbrenner viele Besucher und Klickzahlen verspricht. Doch hier fühlt es sich für mich so an, als habe Disney es marketingtechnisch übertrieben und stark darauf angelegt, all diese ikonischen Charaktere in eine Einstellung zu pressen, damit auch Generationen später noch auf dieses Bild in einem Meme oder Tweet oder sonstigem Verbreitungsmechanismus zurückgegriffen können.

Metaphorisch gesprochen: Wenn unter der Marke Disney neben Figuren wie Vanellope nun jede(r) zur Prinzessin werden kann, ist dann überhaupt noch jemand eine Prinzessin? (Und fragt sich noch jemand, wenn kurz drauf ein paar Sturmtruppler durchs Bild rennen, ob Prinzessin Leia jetzt eigentlich mittlerweile auch offiziell zum Kanon der Disney-Prinzessinnen gehört?) Die Verschmelzung zu vieler popkulturell bekannter Gestalten artet hier zur Beliebigkeit aus. Nichts gegen wohlplatzierte Anspielungen auf andere Filme, aber muss es denn alles auf einmal sein? In früheren Disney- und Pixar-Filmen konnten wir die versteckten Referenzen wenigstens noch selbst entdecken, aber hier werden sie einem unverschleiert vor den Latz geknallt, ganz nach dem Motto: Seht nur und staunt, was alles zu Disney gehört. Doch ein Unterhaltungsmonopol ist nicht gleichbedeutend mit einem Übermaß an Unterhaltsamkeit.

Hier gehts zum Pro-Artikel über den Trailer von Webcrasher: Chaos im Netz.

Vorfreude Adé, aber du sollst den Ralph nicht vor dem Kinostart verdammen

Wenn sich Ralph reichts 2, im Original: Ralph Breaks the Internet, nur als eine gut geölte Maschinerie herausstellt, die sich überlegt hat, wofür "das Internet" sich am meisten interessiert, dann kann Ralph das Internet von mir aus zerbrechen. Ich will dem Film natürlich nicht absprechen, dass am Ende trotzdem ein amüsantes Stück kinderfreundlicher Unterhaltung mit erwachsenenfreundlichen Referenzen herauskommt. Beim The Lego Movie und Ready Player One hat es immerhin überraschend gut funktioniert mehrere Franchises bzw. bekannte Figuren unter einem popukulturellen Hut zu vereinen, bei Emoji - Der Film hingegen weniger. Vielleicht schafft es Webcrasher: Chaos im Netz also doch noch, mich zu überzeugen. Aber momentan ist meine Vorfreude auf diesen Sugar Rush der zuckerig-bunten Disney-Überdosis trotzdem erstmal verflogen.

Welchen Eindruck hattet ihr vom ersten Ralph reichts 2-, Verzeihung, ich meine natürlich Webcrasher-Trailer?

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