Mein Herz für Serien

Doctor's Diary - Slapstick im Krankenhaus

Doctor's Diary
© RTL
Doctor's Diary

Gestylte Ärzte fällen tragische Entscheidungen und kämpfen sich durch ihr dramatisches Privatleben. Das ist bei Doctor’s Diary nur bedingt der Fall und genau deswegen gefällt mir die Serie. Irgendwo zwischen Scrubs – Die Anfänger und Grey’s Anatomy – Die jungen Ärzte angesiedelt, verbindet Doctor’s Diary einen deftigen Schuss Slapstick mit schnellen Dialogen und einem Hauch Dramatik. Alles dreht sich um die tollpatschige Ärztin Gretchen Haase. Ein bisschen übergewichtig ist sie und ganz sicher nicht perfekt. Im Vergleich zur amerikanischen Konkurrenz punktet Gretchen, die von Diana Amft gespielt wird, durch genau diese Natürlichkeit.

Zwei Staffeln voller Irrungen und Wirrungen
Am Anfang von Doctor’s Diary steht ein gebrochenes Herz. Gretchen will heiraten, doch dann erfährt sie, dass ihr Verlobter sie betrügt. In dieser privaten Krisensituation zieht sie nach Berlin und beginnt einen neuen Job als Assistenzärztin in der Chirurgie. Das macht ihr Leben nicht leichter. Gretchens Vater ist im Krankenhaus ihr Vorgesetzter, aber da ist noch eine Kleinigkeit. Ausgerechnet ihre heimliche Jugendliebe, der arrogante Dr. Marc Meier (Florian David Fitz), arbeitet als Oberarzt in der Chirurgie und macht sich sogleich über ihr Gewicht lustig. Wie es sich für eine Komödie gehört, treibt die Hassliebe der Beiden die Serie an. Gretchens wachsende Vorliebe für den sensiblen Gynäkologen Mehdi Kaan (Kai Schumann) verschärft die Situation.

Die zweite Staffel von Doctor’s Diary unterbindet mögliche Abnutzungserscheinungen durch eine neue Figur: Alexis van Buren (Steffen Groth). Alexis heißt eigentlich Frank und gibt sich als Millionär aus. Völlig betrunken heiratet Gretchen den Hochstapler in Las Vegas, was das beträchtliche Beziehungswirrwarr noch einmal steigert. Abzuwarten bleibt, ob Doctor’s Diary in der dritten Staffel ihr Niveau hält. Die startet übrigens morgen, am 5. Januar 2011.

Sympathische Darsteller und gute Drehbücher
Im Verlauf der Serie streiten, versöhnen, lieben und trennen sich die Charaktere. Einzelne komische und traurige Patientenschicksale lockern das Geschehen auf. Dasselbe gilt für kleinere Handlungsstränge rund um Gretchens Eltern und das restliche Personal des Krankenhauses. Als Stammzuschauer von Emergency Room – Die Notaufnahme und Scrubs – Die Anfänger war ich durchaus überrascht vom Unterhaltungspotenzial von Doctor’s Diary. Dafür sorgen die sympathisch geschriebenen Charaktere und natürlich deren Darsteller. Gerade Florian David Fitz verwandelt seinen eingebildeten Dr. Meier in ein liebenswertes Scheusal, das zu den Highlights der Serie gehört. Wenn ihr ihn aus Vincent will meer kennt und mögt, solltet ihr bei Doctor’s Diary reinschauen.

Im Vergleich zu vielen amerikanischen Krankenhausserien glänzt Doctor’s Diary mit seiner Bodenständigkeit. Zwar ist die Serie weniger um Realismus bemüht als Emergency Room – Die Notaufnahme, eine reine Sitcom solltet ihr aber auch nicht erwarten. Dafür spart sich die Serie die Melodramatik von Grey’s Anatomy – Die jungen Ärzte und bringt in den richtigen Momenten eine Prise Selbstironie ins Geschehen. In Sachen Slapstick und Tempo überzeugt Doctor’s Diary mit einem präzisen Timing. Das können wir als Standard für deutsche Serien leider nicht voraussetzen.

Es muss nicht immer Stromberg sein
Doctor’s Diary geht auf eine Idee von Autor Bora Dagtekin zurück. Der hat mit Türkisch für Anfänger den Deutschen Fernsehpreis gewonnen und für Doctor’s Diary bereits den renomierten Adolf-Grimme-Preis erhalten. Der Erfolg der Serie bei Kritikern und Zuschauern basiert auf einer verjüngten Mischung aus Nikola und Mein Leben und ich. Damit passt sie in das klassische RTL-Programm, hebt sich aber durch die Qualität der Drehbücher deutlich aus dem Angebot des Senders in der Sparte ab. Wenn ihr also generell gern Krankenhausserien seht oder eure Vorurteile gegenüber deutschen Serien abbauen möchtet, lohnt sich bei Doctor’s Diary das Einschalten. Einen Faible für das zuweilen überdrehte Screwball-Genre solltet ihr allerdings mitbringen.

Moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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Stellvertretende Chefredakteurin bei Moviepilot, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Hongkonger Nudel-Restaurants spielen.
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